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Experte Koerber zur Welternährung "Es gibt noch keine Entwarnung beim Welthunger!"

Heute ist der UN-Welternährungstag - ein guter Grund, einmal unsere Ernährungsgewohnheiten und deren Folgen zu beleuchten. Im BR äußert sich der Ernährungsökologe Karl von Koerber über hohen Fleischkonsum und den Zusammenhang zwischen Nahrungsproduktion, Klimawandel und Flüchtlingszahlen.

Stand: 16.10.2016

Die Zahl der Flüchtlinge aus den sogenannten Entwicklungsländern wird nach Ansicht von Karl von Koerber in nächster Zeit zunehmen. Grund dafür ist dem Ernährungswissenschaftler zufolge der Klimawandel, der unter anderem in Afrika die Nahrungsmittelknappheit verschärft. Dort sei der Klimawandel schon weitaus deutlicher zu spüren als in unseren Breiten.

"Tragisch ist, dass wir in den reichen Ländern die Hauptverursacher des Klimawandels sind, aber die Hauptleidtragenden die Menschen in den armen Ländern."

Karl von Koerber im Bayerischen Rundfunk

Der Wissenschaftler, der sich seit über vier Jahrzehnten mit dem Thema Ernährungsökologie beschäftigt, verweist auf eine neue Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Demnach geht rund ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland auf den Ernährungsstil hierzulande zurück. Vor allem der hohe Fleischkonsum und die damit verbundene Einfuhr von Futtermitteln für die Mast sei ein Problem.

Keine Futtermittel aus notleidenden Ländern

Und der Experte formuliert einen eindringlichen Appell: Es sei nicht vertretbar, dass wir Futtermittel aus Ländern beziehen, in denen die Menschen an Hunger oder Mangelernährung litten. Ein vollständiger Verzicht auf tierische Lebensmittel ist Koerber zufolge unter dem Aspekt der Welternährung aber nicht die Lösung. Vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern werde ein Großteil der Nahrung von Kleinbauern und vor allem Kleinbäuerinnen erzeugt - und zwar durch die Haltung von Ziegen, Schafen oder Kühen. Diese könnten das vorhandene Grünland effektiv nutzen.

Deshalb müssten die Kleinbauern - wie im Weltagrarbericht gefordert - besser gefördert werden. Karl von Koerber äußerte sich anlässlich des Welternährungstages, den die Vereinten Nationen 1979 ins Leben gerufen haben. Das Motto heuer lautet "Das Klima verändert sich. Ernährung und Landwirtschaft müssen sich ebenfalls ändern."

Zur Person

Das Zusammenspiel zwischen Ernährung und Nachhaltigkeit ist seit Jahren das große Thema des Ernährungsökologen Dr. Karl von Koerber, der dazu unter anderem 20 Jahre an der Universität Gießen und 16 Jahre an der TU München geforscht und gelehrt hat. Die Arbeitsgruppe "Nachhaltige Ernährung", die er aufgebaut hat, ist von der UNESCO als "Offizielles Projekt der UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet worden.


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Erich, Sonntag, 16.Oktober, 15:06 Uhr

2. Prost und Mahlzeit! Rein damit!

Man hat Ötzi untersucht, haarklein. Er hatte die selben "Zivilisationskrankheiten" wie wir heute. Dabei war er noch gar nicht so alt! Was sagt mir das? Jeden Tag Leberkäs und Schweinswürstel sind gesund, weil die Leute heute auch noch älter werden. Und zum Gedenken an diesen Beitrag, führt mich mein nächster Weg, zum Backofen, da steht noch der Rest vom Schweinsbraten von heut Mittag drin. Den hau ich mir jetzt rein.

  • Antwort von sabine Jacobs, Montag, 17.Oktober, 16:34 Uhr

    Erich, es geht doch gar nicht um Ihre Gesundheit, sondern darum, dass durch unsere Ernährungsgewohnheiten Menschen in anderen Ländern hungern müssen, von der Klimabelastung und den tierquälerischen Haltungsbedingungen in der Massentierhaltung zugunsten des Billig-Schweinebratens mal ganz abgesehen. Es geht ganz einfach um die Frage, ob und welche Veräntwortung wir persönlich für unseren Planeten und zukünftige Generationen übernehmen wollen. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Guten Appetit!

ABC, Samstag, 15.Oktober, 10:11 Uhr

1. Ernährungsgewohnheiten!

Ess täglich nur mit maßen, dann wirst Du noch lange grasen!

  • Antwort von Franz, Samstag, 15.Oktober, 11:00 Uhr

    Auch nicht schlecht, der Spruch ;-)

    Aber grasen ? Hmmm, das überlasse ich doch lieber den Tieren.

  • Antwort von Kreuther, Sonntag, 16.Oktober, 08:49 Uhr

    wenn man urlaubend so durch die bayer. Lande zieht, kann man feststellen, wie unterschiedlich hoch der Aufklärungsstand ist.
    Die einen bringen es schon fertig, nur noch ein Mal in der Woche Fleischprodukte zu essen; die anderen hauen fast jeden Tag Fleisch oder Würscht rein, nicht ahnend wie hoch dadurch das Krebsrisiko steigt.
    Wenn dann im Alter die Nierenwerte ankündigen, dass die Filtrierung nicht mehr so läuft, dann ist das Thema Eiweiss (Milch) ein Thema und man wird sich bewusst (wenn man sich damit befasst), dass man schon immer zu viel davon zu sich genommen hat.
    Insofern täte der industriellen Landwirtschaft ein Umdenkprozess gut, an dessen Ende nach Reduzierung von Fleisch- und Milchproduktion der Anbau nutzbringender Pflanzen stünde.
    Das täte dem Treibhauseffekt, aber auch unserer Gesundheit gut.