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Dialekt-Sprachtafeln Horch: "Gonn Daach - säggs Weggla bidde!"

Integration, das hat der Freistaat jetzt endlich erkannt, kann nicht funktionieren ohne eine solide Kenntnis der Mundarten. Also, und weil man ja schon anderswo mit Schüttelreimen so gute Erfahrungen gemacht hat, gibt es nun auch die längst überfälligen Sprachtafeln für Fränkisch und Schwäbisch: Das richddige für jeden Dermiin!

Von: Petra Zimmermann

Stand: 17.02.2017

Sprachtafel "Wie soochd mers auf Fränkisch" | Bild: Bayerische Staatsregierung

Hochdeutsch - ein alter Hut. Was Zugezogene wie integrationswillige Migranten gleichermaßen wirklich brauchen, sind Vokabeln zum täglichen Leben im entsprechenden Dialekt! Nach dem Erfolg von "I lern boarisch!", der Sprachtafel, mit deren Benutzung man bei der grantigsten Münchner Bedienung "wos zum dringa" bekam, wird jetzt endlich auch das Leben in Franken und Schwaben für Nicht-Einheimische deutlich einfacher: Mit "Wie soochd mers auf Fränkisch“ und "I lern Schwäbisch"!

Orientierung im Alltag

Sprachquiz für Integrationswillige

Fränkisch: Es Wäweh

Die Verletzung

Schwäbisch: Dr Hacksa

Der Fuß

Fränkisch: Der Boohuuf

Der Bahnhof

Schwäbisch: a Seksr / ungeniigend

Sechs! Ungenügend

Fränkisch: E Domaade

Eine Tomate

Schwäbisch: d'Abodeeg

Die Apotheke

Für Fortgeschrittene etwas Oberfränkisches: Geamol Brötla holn

Geh doch mal zum Bäcker und hole Brötchen.

Nächster Versuch in Oberfränkisch: Des Gattntürla is fei noch offffen

Schau doch bitte einmal: die Gartentüre steht ja noch auf.

Die Plakate mit mundartlichen Erläuterungen von Alltagsbegriffen richten sich an Migranten sowie an "alle Menschen, die Freude an bayerischen Mundarten haben", heißt es aus der Staatskanzlei. Landtagspräsidentin Barbara Stamm lobte die Tafeln als wichtigen Beitrag zum Erhalt der Dialekte. "Zudem ermöglicht die Beschäftigung mit der Mundart einen guten Zugang zur Kultur bei uns in Bayern." Herausgegeben wurden die Sprachtafeln vom Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung in Zusammenarbeit mit dem "Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e. V."

Lesson One im Glassnzimmer: Listen and Repeat!

Endlich kann man die lästige Frage nach Ausweispapieren, egal ob im Auto oder im Amt, überhaupt einmal richtig verstehen: Das also meint der Mann, wenn er sagt: "Die Babbiire biddä!" Das hat also weder mit Bieren noch mit Friseuren zu tun! In Schwaben, entsprechend: "Dr Ousweis!"

Derhamm und anderschtwo

Allerdings, das muss hier einfach gesagt werden, fehlt da schon auch Einiges. Zwar kann man in Franken also jetzt im Originalton "Weggla" bestellen - aber ohne Bradwörscht! In Schwaben: Keine Spätzle! Nur "dr Reis"! Ja, wo kommen wir denn da hin! Womit wir bei den wichtigsten Aufenthaltsorten wären: Männergloo, Frauengloo - check. Kanabee, Garaasch - auch dabei. In Schwaben kann man sich jetzt problemlos verständigen, will man es sich mit dem Kopfkissat vor dem Fernseear bequem machen will - vielleicht in schwäbischer Untrhoos und fränkischem Di-schörd, und logisch, mit dem Wischkästle / dem Händi. Begriffe, bei denen man übrigens sehr schön die Herkunft ausmachen kann: Schwäbisch "Händi" stammt ganz klar von "Hen di koi Schnur" ab.

Also, alles in allem, eine subba Sach, die Beraadung!


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Thomas, Samstag, 18.Februar, 09:39 Uhr

8. Schmarrn

Ein netter Marketinggag der Dialektschützer, der aber meiner Meinung nach nicht als offizielle Flüchtlingshilfe deklariert werden sollte. Es ist schwierig genug mit der Fremdsprache Deutsch fertig zu werden, da muss man wirklich nicht noch mit Dialektbegriffen Verwirrung stiften (so lustig das für mich und alle anderen, „die Freude am Dialekt haben“ auch sein mag).

Das ist Mundart und bei der mündlichen Verwendung sollte es auch bleiben. Zumal die genaue Aussprache eh von Dorf zu Dorf anders ist und sich nicht allgemeingültig aufschreiben lässt.

Und warum zum Beispiel wird in der abgebildeten Tafel aus dem deutschen „Die Adresse“ im Fränkischen „Di Adresse“? Weil wir Franken nicht schreiben können? Oder „Um zehn Uhr nachts“ wird mit „Um zehn Uhr nachds“ übersetzt – wem soll das denn helfen? Und „ne Sechs“ ist fränkisch für „eine Sechs“ (die Schulnote)?

Fazit: Für Dialektfreude vielleicht ein netter Spaß, aber für Deutschlerner überhaupt nicht geeignet.

Leserin, Samstag, 18.Februar, 01:11 Uhr

7. Man muß froh sein, wenn Flüchtlinge den Deutschkurs erfolgreich beenden.

Flüchtlinge kommen wegen der Sicherheit, dem Wohlstand und dem Sozialnetz. Viele hassen die westliche Kultur. Viele wollen nicht, dass ihre Kinder von der westlichen Kultur verdorben werden und ihre Muttersprache und Religion vernachlässigen. Deswegen werden sie isoliert leben und Kontakte nur zu ihren Landsleiten pflegen. Die einzige Schnittstelle zu der einheimischen Bevölkerung wird das Sozialamt sein.

  • Antwort von Wolf, Samstag, 18.Februar, 17:24 Uhr

    Mit dem Teil der Bevölkerung der so denkt wie sie möchte ich auch keine Schnittstelle haben.....das ist geistiges Sozialamt.

  • Antwort von Kabarettist, Samstag, 18.Februar, 20:03 Uhr

    Leider war der Superspruch, den ich gestern bei einem Beitrag eingestellt hatte gleich
    wieder weg. BR Beitrag Islam in Italien.

    Zitat Matthias Deutschmann :

    Liebe Flüchtlinge lasst uns mit diesen AFDlern nicht allein in Deutschland !

angela, Freitag, 17.Februar, 22:14 Uhr

6. Dialekt

ich muss zugeben, ich bin eine zuagroaste - hab' ich es richtig geschrieben? - aussprechen kann ich es nicht ;)
ich benötige jedoch keine sprachtafeln - meistens verstehe ich euch - ansonsten frage ich - "hä" und ihr versteht mich - und "übersetzt" - super!!
grüße

  • Antwort von Dialektsprecher, Samstag, 18.Februar, 20:14 Uhr

    Es ist gut, dass sie das so locker nehmen.
    Mein Nachbar aus Kassel hat sich gleich besonderes beliebt gemacht bei seiner Arbeitsstelle .
    Wenn er etwas nicht verstanden hat, hat er seinen Kollegen immer gesagt,
    sie sollen erst mal richtiges Deutsch lernen.
    Bei unseren Nachbarschaftsfesten haben wir ihn dann aber doch noch integrieren können.

Babylonier, Freitag, 17.Februar, 19:37 Uhr

5. Völkerverständigung ?

Gebt doch bleich jedem Individuum seine eigene Sprache und Dialekt, dann muss man nicht alles verstehen.
"I bin Liasl un do bin i dahoam" heisst es kurz vor der Rundschau, aber was dieses Mädchen davor von sich gibt ist mir bis heute ein Rätsel.
Muss ich es denn verstehen?

frange, Freitag, 17.Februar, 18:28 Uhr

4. Schmarrrrrrrrrrrn

Ah geh, so a schmarrn.