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Die neuen Gastarbeiterinnen Im Medizin-Bereich ist der Bedarf an Ausländerinnen riesig

Immer mehr Medizinerinnen, Pflegerinnen oder Krankenschwestern aus Bosnien lassen sich von Deutschland anwerben. „Triple Win“ heißt das Vermittlungs-Projekt der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Aber es hat auch Schattenseiten.

Von: Susanne Betz und Sammy Khamis

Stand: 28.01.2018

Arnesa Masic, 26 Jahre, steht am Operationstisch, konzentriert führt sie eine Sonde in den Harnleiter einer Patientin ein. Der muss ein Nierenbeckenstein entfernt werden.

Arnesa Masic, Assistenzärztin aus Bosnien

Die Assistenzärztin arbeitet mittlerweile ein viertel Jahr in der urologischen Abteilung des Ochsenfurter Krankenhauses. In ihrer bosnischen Heimat wäre sie arbeitslos. Chefarzt Wolfgang Kieser, der neben ihr steht und operiert, ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Zumal es immer schwieriger wird, medizinischen Nachwuchs zu bekommen, besonders in der Provinz.

Geld für die Eltern in der Heimat

Die Main-Klinik Ochsenfurt - hier arbeitet die bosnische Assistenzärztin Arnesa Masic

Die junge Bosnierin wiederum freut sich, dass sie mit modernsten medizinischen Geräten arbeiten kann, viel Fachwissen lernt und auch darüber, dass sie beim Weihnachtsbesuch ihren Eltern Geld mitbringen konnte. Der Tariflohn für Assistenzärzte liegt hierzulande bei 4.400 Euro, in Bosnien dagegen umgerechnet nur bei 900 Euro. Arnesa Masic paukt jeden Abend nach der Arbeit Deutsch. Denn sie will auf jeden Fall bleiben und Wurzeln schlagen.

"Ich hoffe auch, dass ich in Zukunft eine Familie hier gründe."

Arnesa Masic, Assistenzärztin aus Bosnien, die im Ochsenfurter Krankenhaus arbeitet

Aufenthaltstitel auch für Fachkräfte vom Balkan

Die Vijećnica in Sarajevo - zählt zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt

Eine neue Generation von Gastarbeiterinnen strömt aus Bosnien nach Deutschland. Wegen dem riesigen Mangel bekommen Krankenschwestern, Ärztinnen oder Pflegerinnen aus Nicht-EU-Staaten relativ leicht einen Aufenthaltstitel. Maja Bernhardt, selbst gelernte Sozialarbeiterin und Krankenschwester, leitet bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ in Bonn das Projekt "Triple Win" und rekrutiert Arbeitskräfte vor allem aus Bosnien und Herzegowina. Manche von ihnen waren während des Krieges bereits als Kinder hier und verfügen deshalb über Deutschkenntnisse.

Die Anwerbung von Gastarbeiterinnen soll allen Seiten helfen

"Triple Win" soll bedeuten, dass drei Seiten gewinnen: Der bosnische Arbeitsmarkt wird entlastet, denn dort liegt die Jugend-Arbeitslosigkeit bei 40 Prozent. Deutschland bekommt Personal im Care-Bereich. Und jede einzelne Fachkraft, die kommt, profitiert finanziell erheblich. Über diese Schiene wurden bereits 400 Arbeitskräfte aus Bosnien und Herzegowina vermittelt. Alles bestens also?

Braindrain für Bosnien

Maja Gasal, Parlamentsabgeordnete in Sarajevo

Nein gar nicht, sagt die jüngste Abgeordnete im Bosnischen Parlament in Sarajewo. Maja Gasal ist sozial-liberal und gehört der Opposition an. Sie hat ebenfalls als Kind in den 90er Jahren in Deutschland gelebt. Die 36-Jährige beklagt den enormen Braindrain, den ihr Land jetzt erlebt. Weil vor allem gut ausgebildete junge Frauen nach Deutschland gehen, blutet ihrer Meinung nach das Land geistig aus. Außerdem beschleunigt sich dadurch die Überalterung. Ähnlich wie in Deutschland liegt der Altersdurchschnitt in Bosnien und Herzegowina bei 41 Jahren.

"In Bosnien haben wir in den letzten zwei Jahren 80.000 junge Menschen verloren."

Maja Gasal, die jüngste Abgeordnete im Bosnischen Parlament in Sarajewo

Die B5 Reportage

Die neuen Gastarbeiterinnen – im Medizin-Bereich ist der Bedarf an Ausländerinnen riesig

Reportage am Sonntag, 28.1.2018, 14:35 und 21:35 Uhr, B5 aktuell

Autor: Sammy Khamis
Redaktion: Susanne Betz


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