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Energiekonzept Ilse Aigners ehrgeizige Öko-Ziele

Die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat ein neues, ehrgeiziges Ziel für die bayerische Energieversorgung ausgegeben: Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der bayerischen Stromerzeugung auf 70 Prozent steigen.

Stand: 18.10.2015

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner steht am 23.05.2014 in Denkendorf im Landkreis Eichstätt (Bayern) in 138 Metern Höhe auf einem Windrad. | Bild: picture-alliance/dpa

Damit würde sich der Anteil an Strom aus erneuerbarer Energie im Vergleich zu heute verdoppeln. Denn derzeit liegt der Ökostrom-Anteil bei etwa 36 Prozent. Aigner will das überarbeitete Energiekonzept der Staatsregierung in den kommenden Tagen präsentieren.

Voraussetzung war Einigung über Stromtrassen

Eigentlich war die Überarbeitung des bayerischen Energiekonzepts bereits für das Frühjahr 2014 geplant. Da sich jedoch der Streit der Staatsregierung mit der Bundesregierung über den Neubau zweier großer Nord-Süd-Stromtrassen lange hinzog, verzögerte sich auch die Novellierung des Energiekonzepts.

Konzept aus dem Jahr 2011 als Grundlage:

Aigners Neufassung soll sich in ihren Grundzügen am mittlerweile vier Jahre alten bayerischen Energiekonzept von 2011 orientieren. Allerdings setzt die Wirtschaftsministerin in mehreren Punkten andere Prioritäten.

Ähnlich wie im Ursprungsplan ihres Amtsvorgängers Martin Zeil (FDP) formuliert die CSU-Politikerin Ausbauziele für die erneuerbaren Energien in den nächsten zehn Jahren. Messgröße soll aber die Stromerzeugung sein und nicht mehr der Verbrauch. Aigner glaubt, dies bringe eine höhere Aussagekraft zur Herkunft des Stroms. Wenn der Verbrauch als Maßstab genommen wird, lässt nicht genau ermitteln, ob Strom aus erneuerbaren oder konventionellen Quellen stammt und ob er importiert wurde.

Anstieg des Ökostromanteils seit 2010

Der Anteil von Ökostrom im Energiemix war in den vergangenen Jahren bereits gestiegen: 2010 stammten noch mehr als 51 Prozent des in Bayern verbrauchten Stroms aus Kernkraftwerken, die erneuerbaren Energien steuerten lediglich ein Viertel bei.

Ausbau nicht "wahllos", sondern "intelligent"

Aigner will den Ausbau der erneuerbaren Energien nach wie vor vorantreiben, aber stärker steuern. Anstelle eines "wahllosen" soll es nun einen "intelligenten" Ausbau geben. Damit ist gemeint, dass der bisherige Ausbau von Wind- und Sonnenstrom wegen der Subventionierung durch die Umlage des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG) zu einem erheblichen Anstieg der Strompreise geführt hat. Zugleich wird bei entsprechender Wetterlage aber in Deutschland inzwischen mehr Öko-Strom produziert als verbraucht werden kann.

Kombi aus Ökostrom und Versorgungssicherheit

Besonders kritisch sieht die Wirtschaftsministerin die Auswirkungen des bisherigen rasanten Ausbaus der erneuerbaren Energien auf den Strompreis und auf die Netzstabilität, ohne dass das aus Ministeriumssicht einen Zugewinn für die Versorgungssicherheit bedeuten würde. Deshalb fordert Aigner für künftige Berliner Reformen des EEG eine stärkere Markt- und Systemorientierung.

Drei-Säulen-Strategie

Aigners neues Energieprogramm enthält daher auch Forderungen an die Bundespolitik, um die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. So will Aigner den Erfolg der Energiewende auch nicht mehr nur am Ausbau der erneuerbaren Energien messen. Dem vernehmen nach setzt die CSU-Politikerin auf eine Drei-Säulen-Strategie: effiziente Verwendung von Energie, nachhaltige Stromerzeugung und "notwendiger Stromtransport".

"Intelligenter Ausbau" misst sich Aigner zufolge auch daran, ob überflüssiger Transportbedarf entsteht und ob die Stromproduktion einen Beitrag dazu leistet, stromarme Zeiten zu überbrücken. Die Stromerzeugung soll sich stärker an den Kapazitäten des Stromnetzes und am Bedarf orientieren.

Dezentrale Stromerzeugung im Vordergrund

Damit treten nach Einschätzung der CSU-Politikerin die regionale und dezentrale Stromerzeugung stärker in den Vordergrund, ebenso Möglichkeiten zur Speicherung und zur flexiblen Einspeisung des produzierten Stroms.


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klaus, Sonntag, 18.Oktober, 19:12 Uhr

5. eh egal !!!

dummerweise haften politiker nicht für ihre zum teil sogar rechtswidrigen endscheidungen . die suppe muss sowieso der bürger auslöffeln und bezahlen.
darum werden wir diesen ganzen schwachsinn sicher erstmal bauen und danach die reparatur und nachbesserungen an netz und umwelt auch.
die anderen schäden die die politik gerade anrichtet machen es sowieso überflüssig , sich über die zukunft unseres landes gedanken zu machen !

franke, Sonntag, 18.Oktober, 18:26 Uhr

4.

Eine regionale, effiziente und suffiziente Energieerzeugung hätte in Bayern ausgereicht, um den künftigen Strombedarf zu decken. Da hätte es die sündhaft teuren HGÜ-Stromtrassen nebst Erdkabel nicht gebraucht. Dieses Geld, unser Geld, hätte man in den Ausbau der regionalen Energieerzeugung investieren können. Dem Verbraucher wäre damit mehr gedient als mit diesem Mix aus Kohle und Wind.
Die Versorgung der Menschen in unserem Land mit Wasser, Strom und Wärme sollte grundsätzlich in öffentlicher Hand liegen.

Meine Hoffnung ist, dass sich doch noch kluge Köpfe zusammen setzen und Aufwand und Ertrag gegenüberstellen und feststellen, dass alles viel zu teuer, umweltzerstörend und in dieser Art gar nicht notwendig ist.

Max Lustig, Sonntag, 18.Oktober, 17:56 Uhr

3. Was kommt als Nächstes? Das Konzept der 7 Zwerge?

10.000 Häuser Programm, 2-x bei den HGÜ-Leitungen (mit einem sagenhaft zeittotschlagenden Energiedialog garniert), Drei-Säulen-Strategie. Und als Nächstes:Ilse und die 7 Zwerge - verlaufen im Bayerischen Wald?
Kann die Frau mal jemand stoppen? Irgendwie tut einem das "Wirtschaftsministerium" nicht gut. Der Kohle-Siggi und TTIP Befürworter der SPD in Berlin, obwohl 80% der SPD Wähler TTIP anlehnen. Dann die Elektrotechnikerin in Bayern, die jetzt mit einem Konzept Ihres Vorgängers Zeil in einem Atemzug genannt wird. Ja, genau, der Zeil, der in Bayern mit der FDP haushoch rausgeflogen ist. Will Aigner das mit der CSU auch schaffen?
Das Konzept, je mehr Erneuerbare, desto besser, kennen wir schon von unserem smarten Global Player Dr. Bieberbach von den Stadtwerken München. Erneuerbare sind ganz toll, wenn z.B. Windräder in der Irischen See oder vor Schweden stehen. Dann noch ein paar feine HGÜ-Leitungen für den europäischen Stromhandel dazu. Und wir zahlen's über die Netzenentgelte!

Gerhard Fischer, Sonntag, 18.Oktober, 15:30 Uhr

2. Strompreise

Aktuell haben wir folgende Situation: Fast der komplette Strom, der uns derzeit geliefert wird, stammt aus Braunkohle- und Atomkraftwerken. Der Ökostrom, durch die von uns zu zahlende EEG Umlage hoch subventioniert, landet hauptsächlich an der Leipziger Strombörse und wird dort an die Großindustrie oder ins Ausland "verschachert" - derzeit für knapp 4 ct/kwh. Der "kleine" Verbraucher wird, wie im kommenden Jahr, mit ständig steigenden Preisen belastet während Strom im Überfluss vorhanden ist.
Bei aller Sympathie für die Pläne von Fr. Aigner glaube ich kaum, dass sich die Stromkonzerne und Stadtwerke das aktuelle Geschäftsmodell kaputt machen lassen. Dies ist seitens der Regierung als kleine "Entschädigung" für den stop des so gewinnträchtigen Atomstroms gedacht.
Wenn das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist wird halt noch mehr Strom billig aus der Braunkohle gewonnen - sehr zur Freude unserer Umwelt - während sich die EEG Umlage weiter erhöhen wird. Ein perfides Spiel.

  • Antwort von Energierealist, Sonntag, 18.Oktober, 20:59 Uhr

    Sie scheinen keinerlei Ahnung vom EEG zu haben. Ökostrom unterliegt der Vorrang-Einspeisung. Somit wird der konventionelle Strom so lange abgeregelt, wie Ökostrom vorhanden ist. "verschachert" wir ausschließlich der über den Bedarf eingespeiste Ökostrom. Das ist häufig, weil die Ökostrom-Ganlinien katastrophal sind. Das Problem ist also der alleine der Öko-Zufallsstrom - und nicht der ideologische Schmarrn den Sie ableiten. Es gibt Ökostrom im Überfluss, aber zur falschen und unplanbaren Zeit, wenn er nicht gebraucht wird. Und dass es für den vielen überflüssigen Ökostrom keine Speicher gibt ist physikalisch bedingt. Strom hält sich immer noch an die Elektrotechnik und nicht an politische Wünsche.
    Daran ist nichts perfide, sondern der Ökostrom-Hype ist physikalisch einfach schwachsinnig.

Alex Burger, Sonntag, 18.Oktober, 15:12 Uhr

1.

Allein durch den Wegfall von drei Atomkraftwerken in den kommenden Jahren wird der Anteil sauberer Energie fast auf das Doppelte steigen. Frau Aigner führt uns gewaltig an der Nase herum. Sie baut die erneuerbaren Energien nicht aus, sie verhindert mehr saubere und sichere Energie. Entscheidend ist nicht die Produktion, sondern der Verbrauch. Denn was hilft es uns, wenn wir in Bayern deutlich weniger Strom erzeugen als wir verbrauchen und gleichzeitig dreckigen Kohlestrom importieren. Mit Klimaschutz und Energiewende hat der Plan von Frau Aigner jedenfalls nichts zu tun. Bei RWE und Eon werden sie aber schon an den Dankesbriefen sitzen.