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Rasenroboter Gefahr für Igel und andere Gartentiere

Leise surren sie über die Wiese: Rasenroboter. Wie von Geisterhand gesteuert, ziehen sie ihre Runden und kürzen den Rasen. Doch leider nicht nur den, denn sie machen vor vielen kleinen und größeren Gartentieren leider nicht halt. Mit schrecklichen Folgen, wie Tierschützer berichten.

Von: Gabriel Wirth

Stand: 12.08.2016

Herbert Martin, Betreiber einer Igel-Auffangstation, hält am 07.09.2015 in Gerbrunn bei Würzburg (Bayern) das fünf Wochen alte Igelkind Maja in der Hand. | Bild: dpa/Daniel Karmann

Den Anblick werden Oliver Lincks und seine Tochter Rebecca nicht vergessen: die beiden haben bis vor kurzem eine Igelstation in Weyarn geleitet. Ein Gartenbesitzer aus dem Tegernseer Tal brachte ihnen einen Igel, der von einem Rasenroboter verletzt wurde. Die hintere Seite war offen, wie von einer Flex weggehobelt. Lincks brachte den Igel dann zum Tierarzt. Der hat die Wunde genäht, allerdings konnte sich der Igel deshalb nicht mehr zusammenrollen. Deshalb musste ihm noch der linke Fuß abgenommen werden.

Beobachtungen aus einer Schweizer Igelstation

Diesen und weitere von Rasenrobotern verletzte Igel, die ihm gebracht wurden, konnte Lincks noch retten. Für viele Tiere allerdings kommt jede Hilfe zu spät, wie Erika Heller schildert. Sie leitet seit 48 Jahren in Winterthur in der Schweiz eine große Igelstation. Dort sind Rasenroboter bei Tierschützern schon länger ein Thema:

"Seit drei Jahren bekomme ich ab und zu Anrufe, dass Leute im Garten kleine Häufchen von Igelstacheln finden; dann frage ich zuerst, ob sie einen Rasenroboter haben."

Tierschützerin Erika Heller

Oft ist die Antwort positiv - und dann weiß Erika Heller, was los ist:

"Kleine Igel, wenn sie das Nest verlassen, liegen häufig ausgestreckt auf dem Rasen. Und der Roboter kommt dann und zerschnetzelt sie."

Erika Heller

Gefahr droht auch Blindschleichen und Kröten

Dabei werden nicht nur kleine Igel von Rasenrobotern überrollt, sondern auch Größere. Und viele andere Tiere, wie Blindschleichen, Feuersalamander und Kröten. Darauf weist unter anderem der LBV hin. Martina Gehret ist die Igelexpertin des Naturschutzverbands:

"Es gibt natürlich Tiere, die bei Geräuschen die Flucht ergreifen. Die Roboter arbeiten allerdings sehr leise; oft ist es auch eine ganz neue Situation und die Tiere werden dann einfach überrascht."

Martina Gehret, LBV

Hersteller hüllen sich in Schweigen - oder wissen von nichts

Opfer eines Mähroboters

Offizielle Daten, wie viele Tiere der Roboter nun verletzt oder tötet, gibt es nicht. Unter anderem die Firma "Wolf Garten" hat solche Rasenroboter im Angebot, die als wahre Alleskönner angepriesen werden. Was das Thema Igel betrifft, wollte das Unternehmen auf Anfrage keine Stellung nehmen. Ein weiterer großer Anbieter ist Husquarna, der Mutterkonzern von Gardena. Seit 1995 verkauft der Konzern Mähroboter, in einer schriftlichen Stellungnahme heißt es:

"Seit dieser Zeit haben uns direkt keine konkreten Anwenderberichte in Bezug auf tatsächliche Verletzungen von Igeln, Kröten, Schnecken oder anderen Kleintieren erreicht."

Stellungnahme von Husquarna

Wer auf einen Rasenroboter nicht verzichten will, dem empfiehlt die Igelexpertin vom LBV, Gehret: "Zuerst unbedingt die Wiese absuchen und den Roboter unter Beobachtung fahren lassen; am besten tagsüber."

Roboter nur unter Beobachtung mähen lassen

Opfer eines Mähroboters

Deshalb sollte man zum Beispiel auf den Roboter verzichten, wenn man im Urlaub ist. Experten befürchten, dass Igel schon bald auf der roten Liste stehen könnten, wenn es so weitergeht. Denn auch ohne Rasenroboter haben sich die Umweltbedingungen für die possierlichen Tiere schon deutlich verschlechtert, durch die zahlreichen Eingriffe der Menschen in die Natur: Straßen, Versiegelung der Landschaften, Monokulturen in der Landwirtschaft und wenig Unterschlupfmöglichkeiten.

Wer mithelfen will, mehr über Igel zu erfahren: der BR hat zusammen mit dem LBV die Aktion „Igel in Bayern“ gestartet.

Hier werden sie aufgepäppelt: Bilder von der Igel-Auffangstation in Gerbrunn


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Stephania, Freitag, 12.August, 13:02 Uhr

5. immer mehr Technik

Und das alles, weil der Mensch immer fauler wird. Mähroboter, selbstfahrende Autos .....
Aber ja nicht über die Folgen nachdenken.

  • Antwort von Ulrike Graf, Freitag, 12.August, 14:16 Uhr

    Sehr richtig, der Mensch wird immer fauler und bequemer, die Umwelt leidet. Es ist nicht alles gut, was machbar ist. Die armen Igel und andere Gartentiere tun mir leid.

Paul, Freitag, 12.August, 10:09 Uhr

4.

Glyphosat schafft nicht alles, den Rest vernichtet der Roboter. Meine Nachbarn haben so ein teures Teil gekauft, jetzt 2 Jahre später wird es nicht mehr benutzt.
Grund: bleibt oft hängen, außerdem müssen vorher Kabel verlegt werden. Die schwierigen Stellen muss man sowieso mit dem normalen Rasenmäher mähen.
Die Blumen bekommen mit dem Roboter überhaupt keine Chance mehr zum blühen, denn es wird permanet gemäht.
Wer braucht schon Bienen? Die Pinsel zum selbstbestäuben würden die Wirtschaft doch wieder ein wenig ankurbeln!

Harald, Freitag, 12.August, 08:43 Uhr

3. Spielzeug für Faulpelze

Ich glaube, so ein Mähroboter ist überwiegend nur was für Faulpelze, die gerne einen Rasen haben wollen, ohne sich persönlich dafür anzustrengen. So Begründungen wie "Mir fehlt die Zeit zum Mähen" kann ich nicht gelten lassen. Dann braucht der oder die auch keinen kurz geschorenen Rasen. Wer tatsächlich so "fußkrank" ist, dass er selber nicht mehr mähen kann (das werden wohl die wenigsten sein), der kann auch ein paar mal im Jahr einen Nachbarn oder Gärtner mähen lassen.

wm, Freitag, 12.August, 08:42 Uhr

2. Der Tag kommt......

....an dem die "grünen Naturfreunde" Rasenroboter den Kampf ansagen?

hubi, Freitag, 12.August, 07:46 Uhr

1. nur tagsüber laufen lassen

So erwischt es weniger igel und das trockene gras lässt sich besser mähen als nachts wenn es feucht wird..