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Trauer um Hugo Strasser Die Klarinette ist verstummt

Hugo Strasser ist tot. Der Klarinettist starb nach Informationen der Abendschau gestern in München-Trudering. Wie sein Freund Max Greger hatte Hugo Strasser eine Weltkarriere hingelegt und war bis zuletzt auf der Bühne gestanden.

Von: Veronika Beer

Stand: 18.03.2016

Swinglegende Hugo Strasser spielt am 02.04.2012 in Frankfurt am Main (Hessen) auf der Klarinette. | Bild: picture-alliance/dpa

Die Welt trauert um ihren "Klarinetten-Hugo". Bis ins hohe Alter stand Hugo Strasser auf der Bühne und tourte umher, um seine Bigband mit Ansagen durchs Programm zu leiten und noch bei fast jedem zweiten Stück ein Solo zum Besten zu geben. Der Bayer war besessen von gut klingenden Tanzmelodien - ein Swinger, der sich mit musikalischer Leichtigkeit in die Herzen von Millionen Fans spielte.

Seine Weggefährten James Last, Paul Kuhn oder Hazy Osterwald hatte Strasser in den vergangenen Jahren zu Grabe tragen müssen. Zuletzt auch seinen engen Freund Max Greger, der im August 2015 an Krebs gestorben war. Strasser spielte ihm auf dem Grünwalder Waldfriedhof den Beatles-Klassiker "Yesterday". Die Klarinette voll im Klang, der Blick etwas leer auf den geschlossenen Sarg gerichtet.

Vorbild Benny Goodman

Wie Greger war Strasser ein gebürtiger Münchner. Früh erkannte der Vater die musikalische Begabung seines fünften Kindes. Er selbst hatte Zitherspieler werden wollen, aber auf Wunsch seiner Eltern den "ordentlichen Beruf" eines beamteten Schul-Hausmeisters erlernt.

Sein Sohn Hugo aber sollte gefördert werden: Bereits als Siebenjähriger durfte er sich als Mundharmonika-Virtuose im Bayerischen Rundfunk vorstellen. Mit gerade einmal 16 Jahren begann er sein Musikstudium an der Akademie der Tonkunst in München. Das Multitalent Strasser konzentrierte sich auf die Klarinette und fand im amerikanischen Jazzmusiker Benny Goodman ein Leitbild.

Mit der "Lonely Trumpet" um die Welt

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Strasser in Clubs der US-Army und in deutschen Bands, unter anderem fünf Jahre bei Greger. Seit 1955 leitete Strasser seine eigene Bigband, mit der er sich auf Melodien "im strikten Tanzrhythmus" spezialisierte. Bald zählte die Gruppe zu den weltweit besten Tanzorchestern. Unzählige Male wurden Strasser und Band für große Bälle, internationale Tanzturniere und Fernsehshows gebucht.

Auch auf dem Schallplattenmarkt war der Münchner erfolgreich. Allein seine legendäre "Tanzplatte des Jahres" erreichte jährliche Verkaufsauflagen von 300.000 Exemplaren, wovon ein beachtlicher Teil in den swingverwöhnten USA landete. Ein Welterfolg, der im Ohr bleibt: seine Komposition "Lonely Trumpet" mit Ray Anthony.

Der Privatmann Strasser

Hugo Strasser war in der knapp 7.000-Einwohner-Gemeinde Grasbrunn im Landkreis München zu Hause. In seiner Freizeit wanderte, schwamm und radelte er gerne. Zudem widmete er sich einem eher überraschenden Hobby: der Blumen-Fotografie.

Von seiner Frau Ilse, der er vor rund 70 Jahren das Ja-Wort gegeben hatte, lebte er seit einigen Jahren getrennt. Der gemeinsame Sohn Thomas ist ebenfalls in der Unterhaltungsbranche tätig, wird als Gitarrist und Produzent aber wohl nicht das musikalische Erbe des Vaters antreten. Es wäre vermutlich ohnehin zu groß.

Einer der letzten Auftritte

Am 15. Dezember 2015 war Hugo Strasser zu Gast im BR - nur rund drei Monate, bevor seine Klarinette für immer verstummte.


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H. Hocheder, Mittwoch, 23.März, 20:20 Uhr

22. Hugo Strasser und Tanzsport gehören auf ewig zusammen

Die großen Meister verlassen die Bühne aber trotzdem leben sie in unseren Herzen weiter. Als Tanzsportler sind sie auch nicht wegzudenken und in ihrer Musik leben sie weiter.

Günter Ditters, Sonntag, 20.März, 19:23 Uhr

21. Hugo Strasser

Im Jahre 2004 habe ich an der Organisation des Konzertes der Swing- Legenden Hugo Strasser, Paul Kuhn und Max Greger in meiner Heimatstadt Anholt mitgewirkt. Das Konzert fand im Park der Wasserburg Anholt ( bekannt, unter anderem durch Rivalen der Rennbahn) statt. Alle Drei waren große Musiker der alten Schule und ich habe sie in bester Erinnerung. Mit dem Letzten, der uns jetzt auch verlassen hat verlieren wir einen Teil deutscher Musikgeschichte. Ihre Musik wird immer in Erinnerung bleiben und weiterleben.

MARC BIANCO, Freitag, 18.März, 20:53 Uhr

20. Danke für die gute Zusammenarbeit

Meinem 1. Produzenten, in den Anfängen meiner Karriere, möchte ich gedenken und danken für die gute Zusammenarbeit.

MARC BIANCO

Mayer Wally, Freitag, 18.März, 16:12 Uhr

19. Vergelt's Gott was Du uns allen gegeben hast

Ein herzliches vergelt's Gott für die vielen schönen Tanzstunden, die wir im Kreis der Hugo-Strasser Fan's verbringen durften. Es war immer ein besonderes
Erlebnis nicht nur die einzigartige Klarinette auch die Menschlichkeit und die Freude sowie die leise Bescheidenheit bei der Nennung seiner Talente. Der offene
Umgang mit der Krankheit auf der letzten Ballnacht. Es sind die vielen leisen und kleinen Töne in der Musik und in der Sprache die uns fehlen.
Gute Reise Hugo bis zum Wiedersehen
Peter und Wally

G. v. O, Freitag, 18.März, 15:47 Uhr

18.

Nach Max Greger, James Jast, Roy Etzel und Paul Kuhn nun auch noch Hugo Strasser. Das Swing - Orchester im Himmel wird immer größer.
Da tritt eine Generation gerade ab, die sicher Viele nicht nur passiv zur Musik gebracht hat.
Durch die spürbare Freude, die sie mit ihren jeweiligen Instrumenten in ihrer Musik verkörpert haben, sind zahlreiche Menschen auch aktiv zur Musik gekommen, indem sie Klarinette, Saxophon, Trompete, Bass, Klavier oder Violine gelernt haben.
Auch wenn es letztlich bei dem Einen oder Anderen vieleicht in anderen Musikrichtungen gelandet ist, empfinden all diese Menschen tiefe Dankbarkeit mit diesen großen Meistern der Unterhaltungsmusik.