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Strafprozess gegen HRE-Banker Funke auf der Anklagebank

Die Hypo Real Estate war Deutschlands teuerster Schadenfall in der Finanzkrise. Mit 120 Milliarden Euro bürgte der Bund für den Immobilienfinanzierer. Ex-Chef Georg Funke und sein Finanzvorstand stehen seit heute in München vor Gericht.

Von: Margit Siller und Gabriel Wirth

Stand: 20.03.2017

Der ehemalige Chef der HRE-Bank, Georg Funke (li.), und sein Anwalt am 20.3.2017 vor dem Landgericht München I | Bild: pa/dpa/Peter Kneffel

An einem Sonntag Ende September 2008 stand die Hypo Real Estate vor dem Abgrund. Die hektischen Rettungsgespräche liefen telefonisch ab, zwischen München, Berlin und Frankfurt. Bereits 2009 wurden die Umstände der Rettung in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestages aufgearbeitet.

Mit dabei war Nina Hauer, die Finanzexpertin der SPD: "Wenn die Börse Tokio geöffnet hätte um eins nach Mitternacht, und die HRE dann weg gewesen wäre vom Finanzmarkt, hätte kein deutsches Kreditinstitut mehr gestanden."

Inbegriff des "Gierbankers"

Die Immobilienbank galt als "systemrelevant". Ihre Pfandbriefe lagen in den Depots von Pensionskassen, Fonds und Versorgungswerken. Die HRE finanzierte weltweit Bürotürme, Einkaufszentren, Straßen und Brücken.

Im Chefsessel saß seit 2003 Georg Funke. Der gebürtige Rheinländer, den die Boulevardpresse später zum "Gierbanker" machte, wirkte immer bieder; ein zurückhaltender Mann ohne Allüren. Im März 2008 war die Finanzkrise schon mit voller Wucht in Europa angekommen:    

"Die Verwerfungen, die wir an den internationalen Finanzierungsmärkten seit Mitte vergangenen Jahres erleben, sind von nicht wenigen Marktexperten mit dem Attribut 'historisch' versehen worden. Die Märkte sind in einem Maß unberechenbar, wie ich es in meiner mehr als 30-jährigen Berufszeit noch nie erlebt habe."

Georg Funke, Ex-Vorstandschef HRE

Im Strudel der Lehman Brothers

Zum Verhängnis wurde der Hypo Real Estate im Herbst 2008 die Pleite von Lehman Brothers. Ihr Geschäftsmodell, langfristige Darlehen mit kurzfristigen Krediten zu finanzieren, war am Ende, weil andere Institute ihr nichts mehr leihen mochten. Es kam zum Schlagabtausch mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück:  

"Über die Managementqualitäten von Herrn Funke lasse ich mich öffentlich nicht aus. Der Mann ist erkennbar getroffen."

Peer Steinbrück (SPD), 2008 Finanzminister

Merkel gibt Garantie

Hektisch wurden mehrere Rettungspakete geschnürt, zeitweise übernahm der Bund Garantien von mehr als 100 Milliarden Euro. Kanzlerin Merkel musste die deutschen Sparer beruhigen:

"Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein."

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

Funke überfordert?

In der Rückschau meinen einige, Funke sei damals überfordert gewesen. Der nun 61-Jährige habe die Risiken seines Geschäfts nie richtig bewerten können. Für andere ist er ein "Provinzbanker", der sich und anderen etwas beweisen wollte. Nach seinem Abgang arbeitete Funke vorübergehend als Immobilienmakler auf Mallorca. In einem seiner seltenen Interviews kritisierte er gegenüber dem ZDF die Aussage Steinbrücks vom Herbst 2008, die HRE müsse "geordnet abgewickelt" werden: 

"Herr Steinbrück hat die Bank zerstört. Ob er das jetzt wissentlich alleine oder mit Hilfe anderer gemacht hat, das ist nicht meine Beurteilung. Aber in der Konsequenz war das der finale Punkt, der dann zum Ende der HRE-Gruppe geführt hat. Und damit für den Steuerzahler zur teuersten aller Lösungen."

Georg Funke

Aber nicht nur für den Steuerzahler, sondern auch für die vielen Aktionäre, die eine Zwangsabfindung akzeptieren mussten, als die Hypo Real Estate notverstaatlicht wurde. Viele klagten später auf Schadensersatz. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben sich über acht Jahre hingezogen. Die Anklage wurde abgespeckt. Übrig geblieben ist der Vorwurf, Georg Funke und sein damaliger Finanzvorstand hätten Bilanzzahlen geschönt.

Funke sieht sich als Opfer

Georg Funke war und ist für viele eine Reizfigur. Als "Bankster", "deutsches Gesicht der Finanzkrise" und "Gierbanker" wurde er beschimpft und angefeindet. Er weist jede Schuld von sich und sieht sich als Opfer der Politik und will das offensichtlich auch vor dem Landgericht München darlegen. Der Anwalt des mittlerweile 61-Jährigen hat angekündigt, dass sich Funke selbst äußern wird und zwar sehr umfangreich in einer Einlassung, die über 190 Seiten umfasst. Man kämpfe für einen Freispruch, so sein Anwalt.

Das HRE-Desaster und seine Folgen


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