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HRE-Prozessauftakt Hat Funke die Bilanzen frisiert?

Seit dem Vormittag steht Ex-Hypo Real Estate-Chef Georg Funke in München vor Gericht. Er soll angesichts der Finanzkrise 2008 die Geschäftszahlen geschönt haben. Funke sieht das anders.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 20.03.2017

Es war ein Wiedersehen nach bald neun Jahren. Äußerlich hat sich Ex-HRE-Chef Georg Funke kaum verändert, als er um kurz vor halb zehn den Sitzungssal im Münchner Landgericht betritt. Im dunkelblauen Anzug mit weißem Hemd und gestreifter Krawatte lässt er das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Blass und unnahbar wirkt er.

Seinen Wohnort hält er geheim. Seit seinem Ausflug auf die Insel Mallorca, wo er sich als Immobilienmakler versuchte, hat er sich zurückgezogen. Funke wirkt sehr konzentriert und blickt aufmerksam Oberstaatsanwältin Bäumler-Hösl an. Die wirft ihm und dem ehemaligen Finanzvorstand Markus Fell Bilanzfälschung vor. Das wäre nach dem Handelsgesetzbuch strafbar, wie die Gerichtssprecherin Andrea Titz erläutert: "Die Anklage wirft ihnen vor, dass sie bewusst falsche Angaben gemacht haben, dass sie also wussten, dass die finanzielle Lage der HRE-Gruppe bedeutend schlechter war, als das im Geschäftsbericht 2007 und im zweiten Quartalsbericht 2008 zum Ausdruck kam."

Funke fühlt sich unschuldig

Ganz anders sieht das Funke selbst. Über seinen Verteidiger ließ er mitteilen, dass er sich in einem umfassenden Statement rechtfertigen will. Dazu dürfte er morgen ausreichend Zeit haben. Doch schon vorher stellte Verteidiger Wolfgang Kreuzer klar:

"Die Bilanzen waren richtig, objektiv richtig. Herr Funke war nicht derjenige, der die Bilanzen erstellt hat. Er hat sie intern und extern überprüfen lassen. Es gibt keine einzige Zeugenaussage, nicht die Spur einer Andeutung, dass irgendwo eine Anweisung bestanden hätte, die Zahlen zu schönen oder irgendetwas schöner darzustellen, als es war."

Verteidiger Wolfgang Kreuzer

Bilanz geschönt?

Und genau das ist der Punkt. Im Jahr 2007 hat die die Hypo Real Estate die Depfa übernommen, einen Staatsfinanzierer mit Sitz in Dublin. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt für so einen Deal, denn die Immobilienkrise in den USA erreichte eben ihren Höhepunkt. Und die Depfa hatte einen Großteil ihres Geschäfts in den USA gemacht. Und verantwortlich war dafür plötzlich die HRE, deren Refinanzierung ins Stocken geriet. Unruhige Zeiten. Die Frage aber ist, ob Funke und seine Kollegen die Lage zu schön darstellten. Gerichtssprecherin Titz:

"Wenn es um die finanzielle Ausstattung einer Bank, einer ganzen Bankengruppe geht, und die wird positiver dargestellt, als sie tatsächlich ist, dann kann das den Bereich der strafbaren unrichtigen Darstellung betreffen."

Gerichtssprecherin Andrea Titz

Andererseits hat die Staatsanwaltschaft zunächst gegen Funke und seine Kollegen wegen Untreue ermittelt. Dieser Vorwurf ließ sich nicht halten. Funkes Verteidiger Kreuzer ist ein wenig sarkastisch: "Die meisten Prozessgegenstände haben sich schon erledigt. Im langen Vorverfahren weggeschmolzen wie ein Eisberg im Klimawandel."

Der Anwalt geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft auch jetzt Schiffbruch erleiden wird, wie in anderen ähnlichen Verfahren gegen Banker. Der Prozess könnte sich hinziehen. Bisher sind bis Ende September Verhandlungstage vorgesehen. Funke und Fell droht im schlimmsten Fall eine Gefängnisstrafe.

Das HRE-Desaster und seine Folgen


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Kommentare

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Wolfgang Schönfelder, Montag, 20.März, 17:03 Uhr

2. Man hätte keine Bank retten sollen.

Hallo,
man hätte garkeine Bank retten sollen, auch um den Preis daß einige Lebensversicherungen oder fondgestütze berufständische Versogungswerke 10 bis 30% ihres Kapital velieren.
Wer gieriig nach hohen Zinsen aufgrund von "Rendite" aus riskanten Kreditvergaben ist darf auch im Pleitefall Verluste tragen.

So aber wurden die hohen verspriochenden Erträge staatlich garantiert zu Lasten der Steuerzahler. Wer kein Spargeld hatte bezahlt die Gewinner der Gierköpfe mit seinen Steuerrn.

Eine schöne soziale Gerechtigkeit...

brain09, Montag, 20.März, 16:29 Uhr

1. HRE-Chef Funke

Wundern würde mich in dem Zusammenhang gar nicht´s! Gerade bei Banken versucht doch jeder auf Kosten anderer in dem Fall der Steuerzahler seine eigene Haut zuretten! Jedem Mittelständler und Handwerker wird bei den Bilanzen bzw. Jahresabschlüssen deutlich mehr auf die Finger geschaut/gehauen! Als bei Banken! Warum Wohl? Drum Trau schau wem! Banken vertrau ich nicht mehr weiter als ich spuken kann! Der schlechte Ruf kommt nicht von ungefähr!Für Misswirtschaft müssen "Banker" selten selber gerade stehen! Wie es bei anderen Unternehmen der Fall ist! Denn es ist ja "nur" das Geld der Kunden! Hier sollte/Muß grundsätzlich mal die Haftungsfrage überdacht werdenNEIN ICH BIN KEIN lINKER oder Gerechtigkeit´s fanatiker! Sondern ein ehemaliger Mittelständler! der weis wie weit man die Hosen runter lassen muß für jedweden Kredit!

  • Antwort von Rechthaber, Montag, 20.März, 16:59 Uhr

    Warum entschuldigen sie sich bei ihrer berechtigten Kritik ?
    Ihr Kommentar zeugt doch von Praxiserfahrung.

  • Antwort von B.Dieter, Montag, 20.März, 18:11 Uhr

    @brain09
    Als ehemaliger Unternehmer der auf fast 40 Jahre Erfahrung zurückblickt kann ich ihnen nur Recht geben. Als erschreckendes Beispiel wie diese Bankmanager agieren darf ich den Verkauf der HVB an die Uni-Kredit - Italien nennen. Eine kern Gesunde Bayrische Bank wurde nach Italien verscherbelt mit dem Ergebnis das die Italiener, die nur rote Zahlen schreiben die noch gesunde HVB melken bis kein Geld mehr zu holen ist und der letzte Mitarbeiter in Deutschland gehen muss. Die ganz guten sind sowie so schon alle weg.
    M.f.G.