233

Homosexualität Verprügelt, weil er schwul ist

Beim CSD können sich Schwule und Lesben einmal ganz offen zeigen und zusammen feiern. Doch der Alltag sieht anders aus. Diskriminierung und Gewalt gegen Schwule gibt es immer noch. Ein krasses Beispiel aus München.

Von: Vera Cornette

Stand: 14.07.2017

Homophobe versuchen eine Regenbogen Flagge zu zerreissen | Bild: Reuters (RNSP)

"Bist Du eine scheiß Schwuchtel?", fragt der Mann. Ja, antwortet Gregor. Schon knallt ihm die Faust ins Gesicht. Gregor bricht zusammen, spürt Blut. Ein Krankenwagen kommt, die Sanitäter nehmen ihn mit ins Krankenhaus. Der Knochen unter Gregors Auge ist zertrümmert, die Ärzte fürchten, dass er sein Augenlicht verliert.

Schwul-lesbische Demo im Glockenbachviertel

Das ist jetzt acht Wochen her. Als ich Gregor treffe, ist von den Spuren jener Nacht fast nichts mehr zu sehen. Wir gehen zusammen am "Prosecco" vorbei, einer Schlagerbar im Glockenbachviertel.

Dort wollte er mit Freunden seinen 30. Geburtstag feiern. Beim Verlassen der Bar kommen drei Männer auf ihn zu, pöbeln ihn an – und einer schlägt zu.

"Das erste was ich gedacht hab: Jetzt hast du Angst, öffentlich Händchen zu halten, und in manchen Kreisen zu äußern, dass du homosexuell bist. Mittlerweile muss ich sagen: Ich will keine Angst haben."

Gregor P.

Münchens Dunkelziffer

Der Angriff auf Gregor, ein tragischer Einzelfall? Laut amtlicher Polizeistatistik steigt die Zahl der Straftaten in Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung bundesweit. In München dagegen sind die Zahlen rückläufig. Allerdings weist die Münchner Polizei darauf hin, dass die Zahlen nur bedingt aussagekräftig sind:

"Das Dunkelfeld ist vermutlich höher, das muss man so feststellen, einfach vor dem Hintergrund, weil wir gerade bei niedrigschwelligem Sachverhalten davon ausgehen dürfen, dass Betroffene eher mal auf eine Anzeigenerstattung verzichten."

Marcus da Gloria Martins; Pressesprecher der MÜnchner Polizei München

Hauptgrund dafür dürfte Scham sein. Anders handhabt es Gregor. Er geht mit dem, was er erlebt hat, ganz offen um. Einer seiner Freunde hat ein Foto von ihm mit blauem Auge gemacht, es bei Facebook gepostet – in der Hoffnung, so Hinweise auf die Täter zu bekommen.

Rückzugsräume schwinden

Vom Täter fehlt zwar jede Spur, für Gregor gab es dafür viel Zuspruch von vielen Menschen, besonders aus der Community im Glockenbach - "die Szene war Gold wert", sagt Gregor.

"Mittlerweile bekommt man schon blöde Blicke, man muss schauen, wer einem entgegen kommt, und ob man dann noch Händchen hält. Das hat sich schon negativ entwickelt"

Gregor P.

Dabei scheint die Szene im Glockenbach in Gefahr: Viele Wirte machen zu, und das einstige exklusiv schwul-lesbische Glockenbach wird immer mehr von einem gemischten Party-Volk aufgesucht. Homosexuellen Männern und Frauen fehlt dadurch der traditionelle Rückzugsraum.

"Das führt immer mehr zu Reibereien, manchmal auch zu Explosionen."

Christopher Knoll, Schwules Kommunikationszentrum Sub


233

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Barbara, Samstag, 15.Juli, 16:36 Uhr

13. Menschen und Tiere sind alle Geschöpfe Gottes!

Aber nur den Menschen hat Gott als sein ABBILD erschaffen! Das Tier wurde NICHT als Abbild Gottes erschaffen! Im Unterschied zum Tier hat der Mensch eine Würde! Das Tier bewegt sich nur auf seiner tierischen Instinkt-Ebene und hat keine menschliche Würde!

  • Antwort von Nadine, Samstag, 15.Juli, 19:07 Uhr

    @Barbara
    Ich verstehe jetzt nicht, was Sie nur sagen möchten? Es geht doch um "Homosexualität" und der Vielfalt unter den Menschen. Was hat das jetzt mit den Tieren zu tun? Und was verstehen Sie unter "Abbild"? Der Mensch ist kein Gott. Gott ist Gott und Mensch ist Mensch.

  • Antwort von Leonia, Samstag, 15.Juli, 19:55 Uhr

    Da muss der liebe Gott aber ein paar Web-Fehler beim Menschen eingebaut haben, denn wenn ich mich recht erinnere, soll er auch demütig sein und nicht hochmütig (schwere Sünde!). Und was lese ich da? Ein Tier habe keine Würde, aber der Mensch habe eine? Weshalb spricht man dann selbst unter Christen so vielen Menschen die Würde ab? Einem Tier ist es egal, ob mir meine Mitmenschen meine Würde lassen, es schert sich zum Glück nicht darum.
    Die alte religiöse Fama von der Würde des Menschen und der angeblichen Nichtwürde der Tiere hat sich längst als Humbug herausgestellt, aber bei manchen Menschen ist die Verblendung zu groß, dies zu erkennen.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 15.Juli, 20:46 Uhr

    Leonia, der Mensch hat im Unterschied zum Tier eine Würde, weil er nicht wie das Tier seiner Triebhaftigkeit und Fleischesgier verfallen ist. Tiere verdienen zwar als Geschöpfe Gottes die ihnen gebührende artgemäße Behandlung, aber eine menschliche Würde haben sie nicht. Darum können Tiere auch nicht Gott anbeten. Nur der Mensch kann Gott anbeten.

Magdalena, Samstag, 15.Juli, 16:05 Uhr

12. Natur ist Vielfalt.....wer Augen hat, der sehe

Hätte Gott gewollt, daß die Welt nur schwarz und weiß ist, hätte er den Regenbogen nicht erschaffen

Natur ist Vielfalt.....wer Augen hat, der sehe

Sich von Mensch zu Mensch begegnen, miteinander reden, Zeit zusammen verbringen und feiern, hilft Vor-Urteile abzubauen,
sich zu verstehen und zu merken, daß der/die andere auch nur ein ganz normaler Mensch ist, egal wie die Natur ihn erschaffen hat.

Veranstaltungen, wie der Christopher-Street-Day in vielen Städten, Hans-Sachs-Straßenfest in München, etc. sind eine schöne Möglichkeit
sich kennenzulernen und zu begegnen. Ich bin heterosexuell und gehe dort immer gerne hin, um nette Menschen allgemein und auch homosexuelle Nachbarn aus meinem Haus (15 Wohnungen) zu treffen. Ich liebe meinen Nächsten, wie mich selbst...steht auch so in der Bibel

  • Antwort von Leo Bronstein, Samstag, 15.Juli, 17:09 Uhr

    @ Magdalena
    >Hätte Gott gewollt, daß die Welt nur schwarz und weiß ist, hätte er den Regenbogen nicht erschaffen<

    .
    Hätte Gott gewollt, dass der Regenbogen das Symbol der Gay Community werden sollte, so hätte er dem Regenbogen nicht bereits vor tausenden Jahren eine grundlegend andere Bedeutung gegeben.

  • Antwort von Hugo Trotz, Samstag, 15.Juli, 19:47 Uhr

    Was hat denn der Regenbogen mit einer Abneigung gegen das Schwulsein zu tun? Diese ganze Regenbogen-Polemik ist absolut absurd. Es handelt sich hier einfach um Farben, genau so, wie die Blumen verschiedene haben! An anderer Stelle betont man wieder gebetsmühlenartig, dass Mensch gleich Mensch ist. Dabei gibt es verschiedene Hautfarben, die sofort "ins Gesicht springen, von den unterschiedlichen Augenformen Menschen verschiedener Kontinente ganz abgesehen. Die will man aber auch nicht sehen, wohl auch nicht die verschiedenen Figur-Typen - alle Menschen seien ganz gleich... Ich komme mir manchmal vor, als wäre die Menschheit irre geworden im gegenseitigen Übertreffen an gutmenschlichem Gesabbel...

  • Antwort von Erich, Samstag, 15.Juli, 20:19 Uhr

    Natur ist nicht Vielfalt in einer Art! Die Natur ist auf Fortpflanzung in einer Art programmiert. Homosexualität ist für die Natur und Arterhaltung eine Sackgasse.

Nadine, Samstag, 15.Juli, 15:55 Uhr

11. Sex-Terror

Im Grunde muss man hier doch von Sex-Terror sprechen. Ob jemand heterosexuell ist oder homosexuell, ob jemand ein Mann oder eine Frau, ein Kind oder eine alte Person, Moslem oder Christ, arm oder reich, dick oder dünn, schwarz oder weiss, Brillenträger oder kein Brillenträger etc. pp. spielt doch gar keine Rolle: es kommt auf den Charakter eines Menschen an. Da kann man nur hoffen, dass der Täter oder die Täterin verhaftet werden kann, denn es ist nichts anderes als ein Angriff auf die Gesellschaft.

  • Antwort von Renate E., Samstag, 15.Juli, 19:48 Uhr

    Sex-Terror? Ist das nicht sowas, was an Silvester 2015 in einigen Großstädten Deutschlands herrschte? Wie kommt man denn in diesem Fall darauf?

  • Antwort von Leonia, Samstag, 15.Juli, 20:01 Uhr

    Oh Frau!
    Von Sexterror kann man sprechen, wenn einem beim Zappen im Fernsehen bald die Fernbedienung aus der Hand fällt, weil man plötzlich mit deftigen Sexszenen konfrontiert wird ohne zu wollen. Oder wenn einem auf der Straße von Werbeplakaten ständig Reizfleisch entgegengehalten wird, weil angeblich "Sex sells"!
    Ansonsten pflichte ich Ihnen bei, es ist völlig egal, welche Etiketten jemand trägt, wichtig ist sein oder ihr Charakter.

IH, Samstag, 15.Juli, 14:38 Uhr

10.

"Homosexuellen Männern und Frauen fehlt dadurch der traditionelle Rückzugsraum." Entschuldigung, was genau will die Community? Goldene Käfige oder ganz normal in der Gesellschaft leben? Was ist mit dem traditionellen Rückzugsraum für Heterosexuelle? (Ironie aus).

Ernsthaft, in wenigen Ländern der Welt geht es den Homosexuellen so gut wie bei uns. Idioten, die Leute für fadenscheinige Gründe verprügeln wird es immer geben, und es tut mir Leid, dass es Herrn P. so schlimm erwischt hat. Das hier jetzt so aufzublasen, als wäre Deutschland ein homophobes Höllenloch, ist absolut unseriös und bescheuert. Es ist nicht perfekt, keine Gesellschaft wird jemals perfekt sein.

Und ein Appell: Vielen Leuten geht es auf den Geist, wenn die Persönlichkeit eines Menschen komplett um seine sexuelle Orientierung aufgebaut ist und man es bei jeder Gelegenheit aufs Brot geschmiert bekommt. Solche Stereotypen schüren die Vorurteile und schaden ihrer Community selbst.

  • Antwort von Wolfgang, Samstag, 15.Juli, 15:54 Uhr

    @ IH: Zustimmung und Ergänzung:

    Vor allem das penetrante völlig dumme Fordern von Gleichberechtigung nervt. In Deutschland gib es kein Gesetz, keine Verordnung oder Verwaltungsanweisung die Bezug nimmt auf die sexuelle Orientierung, die wird nie abgefragt, nie werden von oder über Personen dazu Stellungsnahmen, Nachweise oder Erklärungen verlangt.

  • Antwort von RobertH, Samstag, 15.Juli, 16:40 Uhr

    @ IH und Wolfgang
    Auch meine volle Zustimmung

  • Antwort von Haderner, Samstag, 15.Juli, 16:44 Uhr

    Und ein Appell: Vielen Leuten geht es auf den Geist, wenn die Persönlichkeit eines Menschen komplett um seine sexuelle Orientierung aufgebaut ist und man es bei jeder Gelegenheit aufs Brot geschmiert bekommt. Solche Stereotypen schüren die Vorurteile und schaden ihrer Community selbst.

    Sind sie auch nur sexuell orientiert, so wie sie es Homosexuellen unterstellen ?
    Dann tun sie mir leid !

  • Antwort von MaryS, Samstag, 15.Juli, 17:38 Uhr

    @IH: Bei dem vorletzten Satz im Artikel hinsichtlich des Rückzugraums habe ich auch inne gehalten und mich gefragt, was denn nun seitens der Community gewollt ist. M.E. ist es eher als positives Zeichen zu werten, wenn auch Heteros dort gerne feiern gehen. Aber ich kann auch verstehen, wenn die Community Rückzugsräume für sich haben möchte. Ich bin der Meinung, dass Deutschland eins der liberalsten Länder ist und ich möchte gerade als Frau, dass das so bleibt. Ich möchte mein eigenverantwortlich geführtes und selbst bestimmtes Leben behalten. Jeder soll im Rahmen des Erlaubten tun und lassen können, was er will.

  • Antwort von Hans Holtz, Samstag, 15.Juli, 19:52 Uhr

    Genau. In Deutschland herrscht eine besondere Erlebnisfreiheit. Nicht nur eine Gedankenfreiheit. Dass aber diese Freiheit im Ausdruck abnimmt, weil sich viele Mitmenschen kritisch dazu äußern und leider sogar mit den Fäusten dagegen angehen, hat mit der Veränderung zu tun. Dass sich unser Land vom Nationalstaat weg zum Zuwanderungsland verändert. Es wird zukünftig also für Homosexuelle, wie Minderheiten generell, nicht besser werden.

MaryS, Samstag, 15.Juli, 14:33 Uhr

9. Knochen unterm Auge zertrümmert - eine brutale Straftat, die geahndet gehört

Und es ist gleichgültig, ob der Faustschlag aufgrund von sexueller Orientierung, Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder einfach so erfolgt. Dem Opfer Gregor P. wünsche ich alles Gute und dass er und die Community im Glockenbach und anderswo sich nicht unterkriegen lassen in ihrem Recht so zu sein wie sie sind.

  • Antwort von B. Sachse, Samstag, 15.Juli, 20:03 Uhr

    Jeder zivilisierte Mitbürger ist entsetzt über diese Tat! Außerdem ist es völlig egal, aus welchem Motiv sowas passiert. Es ist eine Straftat und die muss hart geahndet werden. Man weiß bloß nicht, ob es einen solchen medialen Aufschrei gegeben hätte, wäre es ein "üblicher Fall" gewesen, wie er leider immer häufiger passiert in unseren Städten, völlig unbeachtet vom Journalismus. Jedoch genauso schlimm für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Wenn aus Gruppen heraus einzelne Jugendliche oder Männer angegriffen, zusammengetreten und sogar getötet werden...