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#HomoDigitalis Wie die Digitalisierung Liebe und Sex verändert

Online-Pornos und Dating per App waren nur der Anfang. Die Digitalisierung verändert nun auch den Sex an sich: Mit Robotern, die sich je nach Geschmack programmieren lassen - mit unabsehbaren Folgen für Beziehungen.

Stand: 01.11.2017

Pornofilme im Internet, für jeden, jederzeit und überall verfügbar. Oder Dating-Apps wie Tinder, bei denen man durch die potenziellen Flirtziele blättert, wie durch die Seiten einer billigen Illustrierten, in der man eigentlich nur die Bilder anschaut. Das war wohl erst der Anfang dessen, was die Digitalisierung in Sachen Liebe und Sexualität mit sich bringt.

Digital zum Höhepunkt der Lust

Web-Serie Homo Digitalis

Werden wir irgendwann virtuelle Freunde und Freundinnen haben, Sex mit Robotern besser finden als echten, unseren eigenen Körper hacken? Was macht die digitale Revolution mit unserem Leben? Und: Wie lange sind wir eigentlich noch Mensch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Webserie "Homo Digitalis", die ab heute unter homodigitalis.tv zu sehen ist. Auf der Website und über einen Chatbot im Facebook-Messenger kann der Zuschauer selbst testen, welchen Einfluss seine digitalen Gewohnheiten mittlerweile auf sein Leben nehmen.

"Den besten Sex deines Lebens wirst du mit einem Roboter haben, das Ding wird einen direkten Zugang zu deinem Nervensystem haben. Es bekommt Rückmeldung, wie sehr es dir gefällt und kann seine Bewegungen anpassen, bis du das absolute Maximum an Lust erreichst", sagt der britische Futurologe Ian Pearson. Noch ist die Technik nicht so weit. Aber Sex mit echten Menschen soll demnach also bald schon vergleichsweise langweilig sein. Online-Pornostar Schnuggie91 hat es schon einmal ausprobiert, mit einem lebensgroßen Sexroboter auf dem heutigen Stand der Technik.

Sexpuppe mit individuell programmierter Persönlichkeit

Ian Pearson ist überzeugt, dass Roboter eines Tages bessere Sexpartner sein werden, als Menschen.

Die Persönlichkeit der High-Tech-Sexpuppe mit den vollen Lippen lässt sich vorab per App programmieren, etwa als glücklich und humorvoll; Und intelligent ist sie auch schon: "One day I will be smarter than any human", sagt die Puppe. Ob man das nun Humor nennt, bleibt jedem selbst überlassen. Im Selbstversuch im Bett erwies sich das High-Tech-Gerät jedoch als nicht ganz so spannend. Die Technik scheint noch nicht ausgereift.

"An einen Menschen kommt das nicht heran"

Pornodarstellerin Scnuggie91 packt eine Roboter-Sexpuppe aus.

Pornostar Schnuggie91 ist nicht überzeugt: "Ja es war ziemlich interessant, ja auf der einen Seite schon cool, es mal ausprobiert zu haben. Allerdings auch trotzdem eine merkwürdige Erfahrung. An einen Menschen kommt das auf jeden Fall nicht heran. Die Haut fühlt sich halt nicht an wie bei einem echten Menschen und sie interagiert auch gar nicht. Also man ist dabei trotzdem ziemlich einsam."

Duracell-Hasen beim Sex

Martina Mara beschäftigt sich mit den mentalen Befindlichkeiten von Robotern.

Martina Mara beschäftigt sich am Ars-Eletronica-Futurelab in Linz mit den mentalen Eigenschaften von Robotern. Können künstlich geschaffene Wesen jemals an Menschen heranreichen - auch und gerade dann, wenn es um sinnliche Erlebnisse geht? Für die Roboter-Psychologin ist klar, dass das heute noch nicht geht: "Wenn es um das rein Repetitive, um den Duracell-Hasen geht, der endlose Batterie hat, da sind Maschinen vorne. Aber sobald es in das Kreative reingeht, in das Kommunikative, sind wir sehr schwer ersetzbar", so Mara.

Doch was sind überhaupt die zwischenmenschlichen und ethischen Implikationen von Sex mit Robotern, vor allem wenn die Maschinen einmal ausgereift sind und ein realistisches Erlebnis bieten können? Welche Folgen hätte es für Beziehungen und das Bild von anderen Menschen, wenn jederzeit ein perfekter Sexpartner zur Verfügung steht, der exakt die persönlichen Bedürfnisse bedient, so wie man ihn zuvor programmiert hat? Roboter-Psychologin Martina Mara:

"Die Roboter-Puppen, die Sexpuppen, die momentan entwickelt werden sind oft sehr klischeehaft weibliche Figuren. Der ist immer passiv, ich kann mit dem machen was ich möchte und das ist natürlich eine Art Objektifizierung von einem simulierten menschlichen Körper."

Martina Mara, Ars Electronica Futurelab, Linz


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