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#HomoDigitalis Wie die Digitalisierung die Arbeit verändert

Auf dem Arbeitsmarkt sorgt Technologie nicht nur für Erleichterung, Maschinen machen dem Menschen auch Konkurrenz. Immer öfter übernehmen Computer Kopfarbeit - von Anwälten, Journalisten oder auch Programmierern.

Stand: 22.11.2017

Technik macht das Leben leichter. Das gilt im Haushalt oder im Verkehr und natürlich auch bei der Arbeit. So haben Maschinen und Roboter schwere körperliche Tätigkeiten übernommen, die Generationen von Arbeitern ihre Rückengesundheit gekostet haben. Und immer öfter leisten Maschinen heute auch schon geistige Arbeit. Die Folge sind aber nicht nur Erleichterungen - sondern auch dramatische Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt.

Computer schreiben journalistische Texte

Web-Serie Homo Digitalis

Werden wir irgendwann virtuelle Freunde und Freundinnen haben, Sex mit Robotern besser finden als echten, unseren eigenen Körper hacken? Was macht die digitale Revolution mit unserem Leben? Und: Wie lange sind wir eigentlich noch Mensch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Webserie "Homo Digitalis", die unter homodigitalis.tv zu sehen ist. Auf der Website und über einen Chatbot im Facebook-Messenger kann der Zuschauer selbst testen, welchen Einfluss digitale Gewohnheiten mittlerweile auf sein Leben nehmen.

"Arbeit wird sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren dramatisch verändern. Wir werden sehr schnell merken, dass durch den Einsatz von Robotern und die Automatisierung weltweit viele Arbeitsplätze vernichtet werden", sagte der britische Zukunftsforscher Ian Pearson dem Bayerischen Rundfunk. Die Digitalisierung, insbesondere selbst lernende Software und künstliche Intelligenz (KI), beschleunigen diese Entwicklung - und dehnen sie weit über schon länger betroffene Wirtschaftsbereiche wie die industrielle Produktion hinaus aus.

So werden etwa in der Sportberichterstattung bereits Computerprogramme eingesetzt, die aus Daten wie Spielständen und Mannschaftsaufstellungen vollautomatisch Texte erzeugen; auch mit Börsen- oder Wetterdaten funktioniert dieser Roboterjournalismus. Einfache Arbeiten eines Rechtsanwalts kann ebenfalls bereits der Computer übernehmen: Im vergangenen Jahr sorgte etwa der Chatbot DoNotPay für Furore. Der Online-Dienst, entwickelt von einem Stanford-Studenten, verfasst für Autofahrer automatisch Widerspruchsschreiben gegen Strafzettel, auf Basis einiger weniger Angaben zum begangenen Delikt. Und: Die DoNotPay-Software lernt, welche Widerspruchs-Schreiben am häufigsten erfolgreich waren. Die jeweilige Taktik wendet sie dann in Zukunft bevorzugt an. Wird also auch mancher akademische Beruf bald von Computern ausgeübt, schon schneller als wir denken?

Was sollen wir in Zukunft arbeiten?

Bertolt Meyer, Wirtschaftspsychologe an der TU in Chemnitz, beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Technologie auf Mensch und Gesellschaft. Und Meyer sieht nicht so schwarz, was die Folgen der Digitalisierung für Arbeit und Beschäftigung angeht:

"Eine solche große Vernichtung von Arbeitsplätzen aufgrund von technischen Neuerungen ist historisch nicht neu. Bisher war es immer so, wenn Branchen weggebrochen sind, dann hat es im Großen und Ganzen irgendwo neue Betätigungsfelder gegeben. Auf einmal brauchte man ganz viele Designer, weil es das Internet gab und auf einmal jeder eine Website brauchte. Das hat man 20 Jahre vorher auch nicht gewusst."

Bertolt Meyer, Wirtschaftspsychologe, TU Chemnitz

Ist die Hälfte unserer Jobs in 25 Jahren weg?

Die immer weiter zunehmende Online-Kriminalität sorgt für einen steigenden Bedarf an IT-Sicherheitsexperten.

Diesmal könnte es aber vielleicht doch anders kommen - weil Maschinen und Software immer autonomer werden, immer weniger auf menschliches Zutun angewiesen sind. Zwar ist zum Beispiel in Nischen wie dem Bereich der IT-Sicherheit ein steigender Fachkräftebedarf zu erwarten, aufgrund der immer weiter zunehmenden Online-Kriminalität. Doch eine vielbeachtete Studie der Uni Oxford vom Januar kam zu dem Ergebnis, dass knapp die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Industrieländern in den nächsten 25 Jahren der Digitalisierung zum Opfer fallen werden.

Computer programmieren eigenständig Software

Wirtschaftspsychologe Bertolt Meyer hofft auf den Faktor Mensch, der an der Entwicklung neuer Technologien stets beteiligt ist: "Wir haben Möglichkeiten, diese Zukunft zu gestalten. Wir können als Gesellschaft daran mitwirken, wie sich Technik auf uns auswirkt." Zumindest ist das heute noch so. Zum Beispiel bei Google experimentiert man bereits mit künstlicher Intelligenz, die eigenständig andere KI-Software programmiert; In einem Test programmierte der Computer ein intelligentes Computerprogramm, das eigenständig Spracherkennungs-Software vergleicht - und erzielte dabei bessere Ergebnisse als menschliche Programmierer, die vor die selbe Aufgabe gestellt waren. Vor diesem Hintergrund ist zumindest Denkbar, dass Maschinen demnächst andere Technik entwerfen - ohne das Zutun eines menschlichen Designers.


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