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#HomoDigitalis Wie die Digitalisierung den Menschen verändert

Die immer engere Verbindung von Mensch und Maschine - ob durch digitale Assistenten wie Siri auf dem iPhone oder gleich durch Schnittstellen vom Gehirn zum Computer - zeigt schon jetzt spürbare Auswirkungen auf die Art, wie wir leben und uns weiter entwickeln.

Stand: 29.11.2017

Die kopernikanische Wende, die Relativitätstheorie, das Aufkommen der Raumfahrt: Erweiterungen des menschlichen Erkenntnishorizonts, die geistesgeschichtlich und auch gesellschaftlich vieles verändert haben. Der nächste, der aktuelle und wohl noch viel größere Umbruch ist die Digitalisierung. Denn dieser Umbruch betrifft uns alle unmittelbar: die Gesellschaft und den einzelnen Menschen.

Zum Roboter muss man nicht nett sein

Web-Serie Homo Digitalis

Werden wir irgendwann virtuelle Freunde und Freundinnen haben, Sex mit Robotern besser finden als echten, unseren eigenen Körper hacken? Was macht die digitale Revolution mit unserem Leben? Und: Wie lange sind wir eigentlich noch Mensch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Webserie "Homo Digitalis", die unter homodigitalis.tv zu sehen ist. Auf der Website und über einen Chatbot im Facebook-Messenger kann der Zuschauer selbst testen, welchen Einfluss digitale Gewohnheiten mittlerweile auf sein Leben nehmen.

Schon heute verändert digitale Technologie unser Sozialverhalten spürbar. Das gilt für die Art, wie wir per Videochat oder Messenger überall auf der Welt und wann immer wir wollen in Echtzeit miteinander kommunizieren. Längst befinden wir uns aber nicht mehr nur in Gesellschaft von anderen Menschen, sondern auch von digitalen Begleitern; also Software auf dem Handy oder auch Robotern, mit denen wir sprechen. Freundlich müssen wir da nicht sein. Es reicht, zu befehlen. Und wenn man seine Ruhe haben will, schaltet man den digitalen Assistenten einfach aus. Was macht das mit uns?

Roboter-Psychologin Martina Mara vom Ars Electronica Futurelab in Linz befürchtet im Gespräch mit dem BR gewisse Gewohnheitseffekte: "Es ist nicht auszuschließen, dass das auch in einer Wechselwirkung zueinandersteht. Das heißt, dass wir Schemata, die wir im Umgang, im Kontakt mit Robotern erlernen, dann auch auf andere Menschen anwenden."

"Ein Chatbot beispielsweise, den kann ich jederzeit ausschalten. Den kann ich einfach wegklicken. Wenn ich das beim Menschen auch mache, bin ich sehr schnell sehr unhöflich. Da könnte man von mangelnder Empathie sprechen."

Martina Mara, Ars Electronica Futurelab, Linz

"Ein Brain-Computer-Interface ist keine Einbahnstraße"

Bertolt Meyer

Zwar können auch Technik-Enthusiasten nette Menschen sein. Doch was passiert, wenn wir mit Maschinen nicht nur wie mit Menschen sprechen, sondern uns direkt mit ihnen zusammenschalten? Bereits heute können wir sozusagen mit Gedankenkraft einfache Fahrzeuge steuern, indem Elektroden am Kopf unsere Gehirnströme abnehmen. An weit engeren Verbindungen, quasi dem Chip im Gehirn, wird schon fieberhaft geforscht und zum Beispiel im Silicon Valley milliardenschwer investiert.

Die sogenannten Brain-Computer-Interfaces, also Gehirn-Computer-Schnittstellen, könnten das nächste große Ding der Digitalwirtschaft werden. Wirtschaftspsychologe Bertolt Meyer beschäftigt sich an der TU in Chemnitz mit den Auswirkungen von Technologie auf Mensch und Gesellschaft: "Tatsache ist: Ein Brain-Computer-Interface ist keine Einbahnstraße. Da wird es nicht nur darum gehen, durch das Gehirn Technik zu kontrollieren. Sondern man könnte natürlich auch Informationen, Dinge ins Gehirn hineinbringen. Ja wir hätten dann eine Verschmelzung zwischen Mensch und Technik auf Bewusstseinsebene", orakelt der Wissenschaftler.

Der Mensch nimmt seine Evolution selbst in die Hand

Doch der Mensch ist nicht nur dabei, sich immer enger mit Maschinen zu vernetzen. Wir sind auch immer besser in der Lage, unser eigenes Erbgut zu verändern. Die noch relativ junge CRISPR-Methode zur Gen-Manipulation erlaubt es vereinfacht gesagt, menschliche DNA am Computer umzuschreiben - ungefähr so, wie man eine Software programmiert. So könnten einmal Erbkrankheiten am Ausbruch gehindert oder bei Embryonen gleich ganz eliminiert werden. Alterungsprozesse des Körpers könnten verlangsamt, gestoppt oder vielleicht sogar umgekehrt werden. Bis zum völligen Designer-Menschen oder dem Bewusstsein im Cyberspace werden zwar sicher noch viele Jahre vergehen. Doch der Anfang ist gemacht: Der Mensch nimmt schon heute seine Evolution immer mehr selbst in die Hand.


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