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Ein Modell für die Zukunft? Modul-Holzhäuser für Flüchtlinge

Hundertausende Flüchtlinge sind in den letzten Monaten bei uns angekommen, viele davon werden bleiben und müssen trotz der angespannten Wohnungssituation langfristig untergebracht werden. Der Landkreis Augsburg zeigt, wie das Problem gelöst werden könnte.

Von: Florian Danner und Sandra Demmelhuber

Stand: 20.12.2015

Beim Thema Unterbringung gibt es in der aktuellen Flüchtlingssituation die meisten Probleme: zum einen fehlt es vor allem im städtischen Raum an verfügbaren Wohnungen, zum anderen hören wir fast täglich von Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen in den Aufnahmeeinrichtungen. Hinzu kommt das oft angespannte Verhältnis zur heimischen Bevölkerung.

Langfristig könnte deshalb der soziale Frieden in Gefahr sein. In manchen Großstädten gab es schon länger Bezirke mit einem hohen Anteil an Migranten. Jetzt werden auch auf dem Land und in kleineren Städten Containersiedlungen aufgestellt, um Flüchtlinge unterzubringen. Die Gefahr von Ghettos droht - und damit von Abgrenzung statt Integration. Doch der Landkreis Augsburg beweist gerade, dass es auch anders geht.

Landkreis Augsburg nimmt Vorreiterrolle in der Flüchtlingsunterbringung ein

So wurden in Stadtbergen bei Augsburg kürzlich vier Module in Holzbauweise zu einem Flüchtlingswohnheim zusammengebaut. Für den Zimmermeister Jan Meyer ist das mittlerweile schon Routine, denn es ist schon das neunte Gebäude dieser Art, das er im Landkreis Augsburg aufstellt. Die Holzmodule von 12,5 auf 4,3 Metern sind revolutionär: fast sofort bewohnbar. Der Heizungsbauer muss nur noch die Dach- und Schmutzwasserentwässerung anschließen. Das Fundament und die Anschlüsse sind bereits ein paar Tage zuvor gelegt worden.

Das erste Modul steht bereits

Versuchter Brandanschlag auf die Holzhäuser

Etwa eine Woche nach den Dreharbeiten für den Beitrag (zu sehen heute Abend ab 18 Uhr in der Sendung "Schwaben und Altbayern") wurde ein versuchter Brandanschlag auf genau das Holzhaus verübt, in dem das BR-Team zuvor gedreht hatte. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, fand die Kripo an fünf verschiedenen Stellen des neu errichteten Holz-Modulhauses Brandspuren.

Insgesamt 160 Flüchtlinge sollen in fünf Häusern an der Bismarckstraße unterkommen, direkt an der Grenze von Stadtbergen und Augsburg. Der Landkreis geht einen ungewöhnlichen Weg. Er verzichtet auf die üblichen Blechcontainer aus dem Ausland und setzt auf hochwertigen, bayerischen Holzbau. Das Ziel: die Häuser sollen im Gegensatz zu den Containern keine Fremdkörper im Stadtbild sein - und so die Integration der Bewohner fördern.

"Wir finden, das ist ganz gut für alle Beteiligten, weil wir in diesen Häusern sozialen Frieden gewährleisten können. Weil die Bewohner sehr zufrieden sind mit der Unterbringung. Es gibt bereits einige Häuser in derselben Bauweise und uns sind überhaupt keine Schwierigkeiten bekannt."

Max Rauscher, Landratsamt Augsburg

Der erste Stock eines Hauses ist seit Ende November von zwei Afghanen und neun Nigerianern bewohnt: Küche, Dusche, vier Betten auf 12 Quadratmetern und je ein Spind für die wenigen persönlichen Sachen. Viel ist das nicht, doch die Bewohner sind zufrieden: "Uns geht's gut. Andere Flüchtlinge staunen, wenn sie unsere Unterkunft sehen. Die ist besser als andere."

Geringe Kosten, hohe Qualität

Dreifach Verglasung, doppelte Wände, Mineralwolle als Dämmmaterial - das klingt teuer, doch die Unterkünfte kosten tatsächlich nicht mehr als die üblichen Blechcontainer. Außerdem gilt auch hierfür die bayerische Bauordnung. Die Unterkünfte erfüllen jeden einzelnen Punkt davon - selbst Schallschutz und Energieeffizienz. Und: sie können innen jederzeit umgebaut werden und sind komplett umzugsfähig. Die Häuser werden von Privatinvestoren errichtet, der Landkreis Augsburg übernimmt die Miete.

Modularer, umzugsfähiger Wohnraum, hochwertige Einfamilienhäuser, vielseitig nutzbar - das war die ursprüngliche Idee von den jungen Rosenheimer Ingenieuren Jochen Müller und Josua Scheerer. An Flüchtlinge gedacht hatten sie dabei ursprünglich nicht, doch die Low-Budget-Variante der modularen Holzhäuser birgt für alle Beteiligten Vorteile.

Geringe Kosten, hohe Qualität - die Revolution im Wohnungsbau beginnt vielleicht mit Flüchtlingsunterkünften im Landkreis Augsburg. Die nächsten entstehen bereits im Februar in Neusäß.


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