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Nach Organskandal Drastische Konsequenzen

Nach den Skandalen im Transplantationswesen werden drastische Konsequenzen gezogen. Das Klinikum rechts der Isar in München und die Klinik in Erlangen werden keine Lebertransplantationen mehr durchführen.

Stand: 15.05.2013

Die Skandale im vergangenen Jahr an bayerischen Transplantationszentren sorgten für Entsetzen bei den Menschen im Freistaat. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch setzte dann im Herbst 2012 eine Expertenkommission ein, um die Arbeit an den Zentren zu untersuchen und mögliche Fehler in den Abläufen vor Ort genau unter die Lupe zu nehmen.

Die Konsequenzen, die die Minister Wolfgang Heubisch und Marcel Huber (CSU/ Gesundheit) ziehen, sind drastisch. So soll das Münchner Klinikum rechts der Isar und das Klinikum in Erlangen keine Lebern mehr verpflanzen dürfen. Und damit nicht genug. Beide Ressortchefs wollen den Bereich im Freistaat komplett neu strukturieren. In Zukunft werden nach den vorgestellten Plänen nur noch die Kliniken Großhadern in der Landeshauptstadt sowie die Krankenhäuser in Regensburg und Würzburg berechtigt sein, das Organ zu verpflanzen. Für Patienten im Bereich Mittelfranken gibt es aber eine gute Nachricht: das Therapiezentrum in Erlangen bleibt erhalten.

Den Ministern ging es bei der Schaffung der Kommission nicht nur darum aktuelle Missstände aufzudecken, sondern auch darum Fehlerquellen zu entdecken, um eine Wiederholung in der Zukunft auszuschließen. Im Bayerischen Rundfunk sprach sich Heubisch dafür aus, auch bei der Transplantation von anderen Organen genauer hinzuschauen. In Bayern 2 sagte er: "Als nächsten Schritt haben wir schon im Auge, immer in engem Zusammenspiel mit dem Gesundheitsminister Marcel Huber, dass wir uns auch die anderen Transplantationen ansehen und dort auch Empfehlungen erarbeiten."

Experten nehmen Zentren unter die Lupe

Unter dem Vorsitz von Professor Ferdinand Mühlbacher aus Wien hatten die Experten, Vertreter der Bayerischen Landesärztekammer sowie des Bayerischen Wissenschafts-und Gesundheitsministeriums, alle seit 2007 durchgeführten Lebertransplantationen untersucht - insgesamt 896. Basis ihrer Arbeit waren die internen Prüfberichte und Strukturpapiere, die die Zentren in der Zeit vor der Kommissionsarbeit erstellt hatten. Zudem wurden die Wartelisten überprüft und die fünf bayerischen Transplantationszentren von der Kommission besucht. Prof. Mühlbacher und sein Team stellten weitere Verstöße fest, allerdings keine bewußten Manipulationen und damit vorsätzlich kriminelles Handeln. Eine Bevorzugung einzelner Patienten wurde nicht festgestellt.

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Insgesamt kam es bei 7,6 Prozent aller Leber-Transplantationen zu Regelverstößen (68 von 896). Viele Ärzte seien verunsichert, wie mit den seit 2006 gelten Richtlinien umzugehen sei, so der Wiener Mediziner. Er mahnte daher eine Novellierung an. Auf die Reduzierung der Fachkliniken hieß es, dass drei Zentren ausreichend für die jährlich 60 Lebertransplantationen in Bayern seien, so die Kommission, und auch die Fläche des Freistaats werde so ausreichend abgedeckt. Das Regensburger Klinikum begrüßte den Fortbestand ihrer Einrichtung.

Spende-Bereitschaft sinkt

Der Organspendeskandal an bayerischen und anderen deutschen Kliniken hatte für starke Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt. In der Folge sank die Bereitschaft der Menschen Organe zu spenden. Tausende Patienten warten in Deutschland auf ein lebenswichtiges Organ. Mit der konsequenten Aufklärung wollen die zuständigen Minister in Bayern das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen.


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Hombre, Donnerstag, 16.Mai, 00:58 Uhr

14. @Andrea, Mittwoch, 15.Mai, 20:49 Uhr

vllt lesen sie den Artikel nochmal und dann nochmals meinen ....evtl. verstehen sie ihn dann??????

und dann kann man doch meckern^^

copilot, Mittwoch, 15.Mai, 21:05 Uhr

13. Organschacher

Bravo !
Erstklassige Arbeit von den beiden Power-Männern !
Es gibt also doch noch Leute, die wissen warum und wozu es Regeln gibt und wie man deren Einhaltung durchsetzt.
Leider kassieren die allermeisten ihre fetten Verantwortungs-Gehälter und spielen aber Everybodys Darling und ducken sich feige weg, wenn der Schaden den sie damit für die Allgemeinheit angerichtet haben hochkocht.

Andrea, Mittwoch, 15.Mai, 20:49 Uhr

12. @ 3 Hombre - 17:32: Erlangen ist Franken genauso wie Würzburg!

@ 3 Hombre - 17:32,

falls Sie es noch nicht wissen: Erlangen gehört auch zu Franken genauso wie Nürnberg! Von daher: dass mit der Bundesland-Zuordnung war richtig.

Von daher gibt es da gar nichts zu meckern....

Gruß
Andrea

F.X. Stangel, Mittwoch, 15.Mai, 19:57 Uhr

11. Der Fisch stinkt vom Kopf weg

Heubisch ist nicht kompetent und hat gar nicht die Zeit als Minister sich um klinikinternen Angelegenheiten kümmern. Die FDP braucht sowieso niemand. Abwählen. Ein Dr. Otto Bertermann wäre viel geeigneter diesen Transplantationsskandal lückenlos aufzuklären.

HinterTürkisch, Mittwoch, 15.Mai, 19:20 Uhr

10. die Falschen

Eine Verknappung der Versorgung bringt vielleicht bessere Überprüfbarkeit der Abläufe, dennoch steht wahrscheinlich außer Frage dass die Versorgung in der Fläche beschnitten wird. Das als Erfolg zu verkaufen ist Hohn; klare Regelungen nicht einzuführen (aus welchen Gründen auch immer) ist Unfähigkeit der Regelgeber, also der Politik.