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Wirtschaft kritisiert Bahnverbindungen Herrmann will mit Sonderprogramm Tempo machen

Die Schienenverbindungen im Freistaat sollen schneller ausgebaut werden, fordert die IHK. Verkehrsminister Herrmann sieht ebenfalls Verbesserungsbedarf und will mit einem Sonderprogramm Elektrifizierung antworten.

Von: Lorenz Storch

Stand: 09.10.2017

Stromabnehmer | Bild: picture-alliance/dpa

Bei den Schienenverbindungen in Bayern ist noch Luft nach oben, findet Peter Driessen vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag:

"Die Unternehmer sind nur eingeschränkt optimistisch. Wir haben bei einer unserer turnusmäßigen Standortumfragen die Firmen danach gefragt, wie sie ihren Standort im Hinblick auf Verkehrsanbindung bewerten - und das ist heute leider schlechter als vor der letzten Bundestagswahl 2013."

Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer IHK München und Oberbayern

Alles dauert zu lange

Wünscht sich mehr Tempo beim Bahnverkehr: Peter Driessen

Was auch eine Folge davon ist, dass die Wirtschaft brummt, die Städte wachsen und die Überlast gerade bei den Verbindungen zum Beispiel nach München spürbarer wird. Bis bei der Bahn einmal gebaut wird, dauert es einfach zu lang, kritisiert der IHK-Geschäftsführer - Beispiel Schnellfahrstrecke Nürnberg-Berlin, die im Dezember eröffnet wird:

"Darüber freuen sich alle Beteiligten, dann braucht man vier Stunden von München nach Berlin. Aber wenn man bedenkt, dass Friedrich List schon 1833 dieses Projekt vorgeschlagen hat, dann darf das nicht der Maßstab sein für künftige Bahnentwicklung."

Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer IHK München und Oberbayern

Der Minister schämt sich vor den Tschechen

Gerät in Prag in Erklärungsnot: Joachim Herrmann

Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) stößt ins gleiche Horn. Er schämt sich bei Treffen mit seinem tschechischen Amtskollegen, dass bei der Verbindung Nürnberg-Marktredwitz-Prag noch immer nichts vorangegangen ist, obwohl Deutschland schon vor 20 Jahren einen Staatsvertrag dazu mit Tschechien unterschrieben hat.

"Während die Tschechen ihre Zielsetzungen voll umgesetzt haben, die Strecke von Prag bis kurz vor der Landesgrenze voll ausgebaut und elektrifiziert ist. Und bei uns ist 20 Jahre nichts passiert. Ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, wie das ist, wenn man sich mit dem tschechischen Verkehrsminister trifft und dann sehr höflich gefragt wird, welchen Sinn es eigentlich hat, mit der Bundesrepublik Deutschland einen Staatsvertrag zu schließen."

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Verkehrsminister

Sonderprogramm Elektrifizierung soll kommen

Nun geht Joachim Herrmann ja vermutlich demnächst selbst nach Berlin – wenn auch wahrscheinlich nicht als Verkehrsminister. In den Koalitionsverhandlungen will er sich nun für das Thema einsetzen:

"Wenn wir das Thema Energiewende ernst nehmen, brauchen wir für ganz Deutschland ein Sonderprogramm Elektrifizierung, und da sind wir in Bayern ganz vorne mit dabei."

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Verkehrsminister

Überall Strecken ohne Strom

In Bayern zu oft zusehen: Diesel-Loks

München-Lindau, Hof-Regensburg, Hof-Bamberg - überall fehlen noch die Oberleitungen. Aber selbst im Münchner Umland südlich von Holzkirchen nach Lenggries und Tegernsee, weswegen die Oberlandbahn mit Dieselzügen bis zum Münchner Hauptbahnhof fährt. 

"Wir könnten uns auch die Dieselabgase - Thema Luftreinhaltung in München - sparen. Wenn diese Strecken vollständig elektrifiziert wären, würden nur noch Elektrozüge fahren."

Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Verkehrsminister

Nur dann dürften sie im Übrigen auch durch den zweiten Münchner S-Bahn-Tunnel fahren, wenn der denn mal fertig ist.

Hoffnung auf neues Planungsverfahren

Ab 1. Januar gilt ein neues Planungs- und Finanzierungsverfahren für Schienenprojekte. Das könnte durchaus etwas bringen, glaubt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel:

"Wenn ein Projekt im Bundesverkehrswegeplan prioritär verabschiedet worden ist, dann steht Geld dafür zur Verfügung, und dann kann man das von A bis Z durchziehen."

Klaus-Dieter Josel, Deutsche Bahn AG

Künftig traut sich die Bahn sogar, bei Bauprojekten ein verbindliches Datum der Fertigstellung zu nennen. Braucht sie länger, muss sie Strafe zahlen.


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Kommentare

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udo, Montag, 09.Oktober, 23:34 Uhr

9. elektrifizierung bahn nordostbayern -cz

die ewigen planungen in deutschland dauern VIEL ZULANG . es gibt länder in einem jahr wird geplant- und nächstes jahr gebaut ( man muss nur zum hauptstadtflughafen schauen was da rauskommt ) z. beispiel die elektifizierung hof - marktredwitz - nur 42 km, soll lärmschutz geplant werden und das soll 2 jahre extra dauern- somit wird wieder die elektrifiezierung verzögert. wie herr herman schon sagte ,wir sollen uns von den tschechen schämen (STAATSVERTRAG ZUR ELEKTRIFIZIERUNG NÜRNBERG -MARKTREDWITZ-PRAG WURDE VOR ÜBER 20 JAHREN GESCHLOSSEN) wie lange wird bei uns noch geplant und die jahre vergehen weiter.

Florian Alexander Riedl , Montag, 09.Oktober, 21:13 Uhr

8. Güterverkehr auf die Bahn

Wenn man unsere Autobahnen täglich fährt und es im Radio hört wegen LKW Unfall gesperrt da fragt man einfach warum kann man die Güter oder die LKWs nicht auf die Schiene verladen es muss eine Möglichkeit geben dieses Problem zu beseitigen. Darum stimme ich den Ausbau im Güterverkehr voll zu damit es auf den Autobahnen und auf Landstraßen weniger LKW Unfälle gibt.

Florian Alexander Riedl , Montag, 09.Oktober, 20:14 Uhr

7. Ausbau von den elektrifierungen auf strecken

Der Ausbau auf die elektrische Bahn ist schon mal ne Gute Idee aber nehmen wir mal an wenn es mal ein Unwetter kommt und die Oberleitung beschädigt wird können dann noch elektrische Triebzüge fahren ? Nein. Dafür ist der Dieselbetrieb in manchen Regionen einfach Besser dran. Außerdem rüstet die Deutsche Bahn ihre Lokomotiven so um das weniger die Umwelt verpeste wird. Ganz richtig finde ich es schon das der Ausbau in manchen Regionen fortschreiten soll damit die Züge nicht so eine lange stand zeit haben, aber die andere Seite ist es wenn man eine zweite Strecke baut zerstört man auch die Landschaft.

Ralf , Montag, 09.Oktober, 19:35 Uhr

6. Die Strecke Basel-Friedrichshafen-Lindau immer noch eingleisig mit Diesellocks.

Ausbau und Modernisierung zuerst verschoben wegen den hohen Kosten der Wiedervereinigung und jetzt vermutlich nochmal verschoben wegen den steigenden Asyl-Kosten. Traurig, Züge müssen oft warten wegen der Eingleisigkeit der Strecke und die Dieselocks verpesten die Luft in den vernachlässigten veralteten Bahnhöfen. Traurig.

  • Antwort von Elke , Montag, 09.Oktober, 20:06 Uhr

    Der Länderfinanzausgleich von Süd nach Nord macht die Finanzierung auch schwerer. Oder?

Waschmaschinenfan, Montag, 09.Oktober, 17:57 Uhr

5. Aktionismus

Also wenn es die Streckenführung nicht her gibt, dann nützt eine Elektrifizierung auch nichts. Damit kann der Zug dann auch nicht schneller fahren. Und die privaten Gesellschaften werden ihre relativ neuen Dieselloks und Dieseltriebwagen deswegen auch nicht abstellen wollen. Nebenbei betreibt die Deutsche Bahn selbst Dieseltriebwagen mit Neigetrchnik auf diesen Strecken, für die sie keinen elektrischen Ersatz hat. Sie hat zwar den ICE-T, aber das ist kein Regionalzug. Und Fernverkehr gibt es auf den Relationen Hof-Nürnberg via Marktredwitz sowie Hof-Regensburg schon lange nicht mehr.