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Trauer um den "Kanzler der Einheit" Kohl soll mit europäischem Staatsakt geehrt werden

Der Tod von Helmut Kohl hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Der Altkanzler soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden.

Von: Arne Meyer-Fünffinger

Stand: 17.06.2017

Altkanzler Helmut Kohl | Bild: dpa/picture-alliance/Ulrich Baumgarten

"Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen. Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde", sagte Juncker der "Bild am Sonntag". Der Staatsakt ist nach Angaben des Blattes in Straßburg vorgesehen. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird. Juncker unterstrich die Verdienste des Altkanzlers für Europa.

"Helmut Kohl war ein deutscher Europäer und ein europäischer Deutscher. Er hat die Geschicke und die Geschichte dieses Kontinents geprägt, indem er die Menschen in Ost und West in Einheit zusammengebracht hat. Dies war ihm eine besondere Mission."

Jean Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident

Trauer um Helmut Kohl

Schloss Bellevue, Kanzleramt, die CDU-Parteizentrale, ausländische Botschaften – das politische Berlin trägt Trauer. Die Flaggen hängen auf Halbmast; auch auf dem Reichstag. Dass sich auf dem Dach dieses für die deutsche Geschichte so wichtigen Gebäudes die Farben der Bundesrepublik und die Europas im Wind in und her wiegen, ist auch und vor allem ein Verdienst Helmut Kohls. So zumindest lässt sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verstehen.

"Wir haben einen Politiker und Staatsmann verloren, der Historisches für unser Land erreicht hat. Helmut Kohl war ein Ausnahmepolitiker und ein Glücksfall für die deutsche Geschichte. Das Ziel, für unser Land die Einheit in Freiheit zu erlangen, verfolgte er genauso beharrlich, wie den Bau des Hauses Europa."

Bundespräsident Steinmeier

Glücksfall, Ausnahmepolitiker. So sieht auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer Helmut Kohl. Und nahezu gleichlautend äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in Rom vom Tod ihres Vorgängers erfuhr und dort sehr persönliche Worte fand.

"Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat. Wir alle können dankbar für das sein, was Helmut Kohl in langen Jahren des Dienstes für uns Deutsche und unser Land getan hat. So wird er in unserer Erinnerung weiterleben als der große Europäer und als Kanzler der Einheit. Ich verneige mich vor seinem Angedenken."

Bundeskanzlerin Merkel

Ein Kreis, der sich schließt? Im Dezember 1999 hatte sich Merkel in einem Zeitungsartikel wegen der damals tobenden CDU-Spendenaffäre von Kohl distanziert. „Die von ihm eingeräumten Vorgänge haben der Partei Schaden zugefügt“, so Merkel damals. Jetzt bezeichnete auch sie den Kanzler der Jahre 1982 bis 1998 als – Zitat – „Glücksfall für uns Deutsche“. 

"Ich weiß, dass die Spendenaffäre das Ansehen von Helmut Kohl beschädigt hat. Aber heute Abend, in Erinnerung an den Tod eines großen Deutschen und eines großen Europäers halte ich es mit Helmut Schmidt: alles dieses, worüber wir jetzt sprechen, kann die große historische Leistung Helmut Kohls nicht beschädigen und nicht beseitigen. Und dabei möchte ich es eigentlich belassen."

Ehemaliger Bundesinnenminister Rudolf Seiters

…so ein früherer enger Weggefährte: Rudolf Seiters, zunächst Kanzleramtsminister, dann Bundesinnenminister unter Kohl. Der Ex-Kanzler sei verlässlich gewesen und habe die Gabe gehabt, die Völker zusammenzubringen, sagte der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel in den ARD-Tagesthemen:

"Es bleibt eine ungeheure Dankbarkeit an einen großartigen Menschen. Und jeder, der mit ihm so zusammengearbeitet hat, wird dankbar sein für diese Zeit und sich an diese Zeit und an diesen großen Deutschen und an einen persönlichen Freund gerne erinnern."

Ehemaliger Bundesfinanzminister Theo Waigel

…der nach Einschätzung des früheren Bundesaußenministers Klaus Kinkel zwar harsch und hart sein konnte, allerdings auch gütig war. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte ebenfalls in den ARD-Tagesthemen, er habe einen guten Freund verloren.

"Ich habe ihn als Freund erlebt, auch als Kumpel. Helmut Kohl konnte sehr kumpelhaft sein. Aber: ich habe ihn vor allem als ich luxemburgischer Premierminister war, als jemanden erlebt, der die kleinen Länder ernst nahm, und der den Regierungschefs kleiner Länder so viel Aufmerksamkeit schenkte wie denen größerer Länder."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Helmut Kohl, so Juncker weiter, war einfach komplett.

Rückblick: Die Reaktionen zum Tod Helmut Kohls im Liveblog

Kondolenzblog


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Gabi, Dienstag, 20.Juni, 07:13 Uhr

33. Kohls Vermächtnis

Für mich bleibt Kohl im Gedächtnis, als der Kanzler, der halt zufällig zum richtigen Zeitpunkt Kanzler war. Ich sehe es auch als Genschers Verdienst,
nach "Vorarbeit" der DDR-Bürger und von Gorbatschow.
Von Kohl bleiben für mich für "blühende Landschaften" geplünderte Rentenkassen, denn es durfte ja keine Steuererhöhung für die deutsche Einheit geben,
und die Schwarzgeldaffäre.

  • Antwort von Heiner Rahnrich, Mittwoch, 21.Juni, 13:13 Uhr

    "Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten", Zitat Kohl 01.06.95 und passt auf ihren Kommentar.

Anna, Montag, 19.Juni, 11:20 Uhr

32.

Zu Kommentar 31 und zur Antwort:
Es stimmt meiner Meinung nach: Merkel hat die DDR(nicht den Staat sondern die Methoden) in die BRD gebracht.
Natürlich etwas "verfeinert" - aber zum Schaden der BRD.

  • Antwort von konstanze, Montag, 19.Juni, 19:22 Uhr

    sie ist noch nicht fertig . (s. auch @29)

Francesco, Montag, 19.Juni, 09:33 Uhr

31. Kohl Kanzler der Wiedervereinigung?

Kohl hat es geschaft Deutschland zu vereinigen, aber nicht wie gedacht.
Leider hat die DDR die BRD übernommen, danke für nichts!

  • Antwort von Logic Analyzer, Montag, 19.Juni, 10:01 Uhr

    Nach ihrer Logik hat also Honecker den Kohl eingesackt?
    Prüfen sie nochmal ihre Aussage.

  • Antwort von Francesco, Donnerstag, 29.Juni, 14:10 Uhr

    Sorry, aber dieser Kommentar ist nicht von mir (siehe 23.). Der Hammer !!!

Kritiker 834, Montag, 19.Juni, 09:26 Uhr

30.

Für mich der schlechteste Kanzler Deutschlands(außer Merkel). Die Wiedervereinigung geht auf das Konto von Genscher nicht auf das von Kohl.
Die Geschichtsbücher werden aber konform berichten.
Der einzige Vorteil den er gegenüber von A. Merkel hatte, er konnte auch manchmal Fehler zugeben und im lag trotzallem häuptsächlich an Deutschland.
Was normal für einen deutschen Kanzler sein sollte.

  • Antwort von History, Dienstag, 20.Juni, 23:30 Uhr

    Kucken sie al mehr History oder andere Geschichte Sendungen und ihr Verständnis dazu wird klarer.
    Empfehlenswert auch Wikipedia.

    Vieles hat eine Rolle gespielt, aber Kohl hat die Gunst der Stunde erkannt und trotz aller Widerstände die Gelegenheit genutzt. Denken sie an alle innerdeutschen Kritiker und Vereinigungsverweigerer.
    Das ist sein Verdienst und natürlich hat auch der herausragende Diplomat Genscher dazu beigetragen.

konstanze, Montag, 19.Juni, 08:59 Uhr

29. fragt seine frau und akzeptiert es !

seine frau sollte entscheiden wo und wie er beigesetzt wird, nicht andere. es ist anzunehmen, dass er mit ihr darüber gesprochen hat. im og. artikel steht im zusammenhang mit merkel "ein Kreis, der sich schließt ?" nein, er schließt sich noch nicht ! in ihrem nachruf sagte sie: auch ihren "lebensweg" habe er "entscheidend verändert". dafür sei sie ihm "ganz persönlich dankbar". denn "ich konnte von da an auch ohne angst beim alles überwachenden staat leben." sie betrachtet also helmut kohls vereintes deutschland als "alles überwachenden staat" indem sie als politikerin "ohne angst" leben kann ? dieser freud'sche versprecher, lässt wieder einmal ihre gesinnung durchblitzen. sie will den umbau der bundesrepublik nach ostdeutschem vorbild. erst dann schließt sich der kreis wieder. es war einer seiner größten fehler, wenn nicht gar der größte, die überzeugte DDR-bürgerin und sozialistisch geschulte angela merkel als "sein mädchen" zu betrachten. sie war es nie.