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Hanfmesse in München Cannabis: Medizin oder Gefahr?

In München findet an diesem Wochenende die Hanfmesse "CannabisXXL" statt – und die steht ganz im Zeichen der Medizin. Vorträge und Diskussionen beschäftigen sich mit dem Thema, aus der Politik kommen aber warnende Worte.

Von: Johanna Popp

Stand: 29.07.2017

Eine Fahne, auf der ein Hanfblatt abgebildet ist (Archivbild) | Bild: dpa/picture-alliance/Andreas Gebert

Rick Simpson behauptet Unglaubliches: Mithilfe eines aus Cannabis gewonnenen Öls, erklärt der Kanadier, habe er seinen eigenen Hautkrebs besiegt. Kaum verwunderlich, dass diese Geschichte Skepsis hervorruft. Der Mediziner Franjo Grotenhermen, der sich seit Jahren für die Anwendung der Pflanze in der medizinischen Therapie einsetzt, sprach mit Blick auf Simpson schon vor Monaten von fahrlässigem Handeln – der Kanadier sei schließlich kein Arzt. "Cannabis ist kein Wundermittel, es ist eine Möglichkeit", so Grotenhermen damals gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Dennoch ist Simpson ein Star der internationalen Hanfszene – und darf laut Pressemitteilung an diesem Wochenende auf der Münchner Cannabis-Messe von seinem (in Deutschland übrigens verbotenen) Öl berichten. Simpsons Vortrag ist nur einer von vielen Programmpunkten, die sich auf der Messe mit Medizin auf Hanf-Basis beschäftigt. Dabei geht es vor allem um das neue Cannabis-Gesetz, das im März in Kraft getreten ist.

Schwerkranke können seit März Cannabis auf Rezept bekommen

Cannabis-Aktivist Wenzel Cerveny (hier während einer Werbeaktion für ein Volksbegehren zur Cannabis-Legalisierung auf dem Marienhof München 2015)

Das Gesetz "Cannabis als Medizin" soll den Einsatz von Cannabis-Arzneimitteln regeln – etwa, wenn bei Schwerkranken keine anderen Medikamente zur Schmerzlinderung mehr helfen. In solchen Fällen können die Betroffenen Cannabis-Präparate oder getrocknete Cannabisblüten auf Rezept bekommen.

Damit sich die Betroffenen besser vernetzen und austauschen können, plant Wenzel Cerveny in München ein "Cannabis-Therapie-Zentrum". Der 56-Jährige setzt sich schon seit Langem für die Legalisierung von Cannabis ein und hat dafür auch eine Petition gestartet.

Außerdem hat er im Mai in der Münchner Einsteinstraße ein Geschäft mit dem vielsagenden Namen "Hanf – der etwas andere Bioladen" eröffnet – und er organisiert die Messe, auf der nicht nur Rick Simpson sein vermeintliches Wunderöl anpreist, sondern nach Angaben der Veranstalter auch Politiker wie Dieter Janecek (Bündnis90/Die Grünen) und Daniel Föst (FDP) mitdiskutieren. Der ehemalige Polizeipräsident von Münster, Hubert Wimber, wird demnach einen Vortrag halten.

Gesundheitsministerin warnt vor Verharmlosung

Eine Warnung kommt indes von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU): Die Gefahren durch Cannabis für die Gesundheit dürften nicht verharmlost werden. Insbesondere ein früher Einstieg in den Cannabis-Konsum könne dauerhafte Folgeschäden nach sich ziehen, so Huml.

Umso erschreckender sei es, dass der Veranstalter der Hanfmesse ausdrücklich auch Kinder als Besucher zulasse. Die Ministerin fügte zwar hinzu, sie begrüße sehr, dass der Bundestag die Freigabe von Cannabis auf Rezept zu medizinischen Zwecken beschlossen hat. Allerdings gehe es dabei um die Versorgung von Schwerkranken – und nicht um einen Rausch auf Kassenkosten.

"Wer eine Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken fordert, ignoriert das Gesundheitsrisiko bei einem Konsum dieser Droge. Das ist verantwortungslos."

Melanie Huml, Bayerns Gesundheitsministerin

Soweit die Warnung der Gesundheitsministerin. Unterdessen kommen die Teilnehmer der Cannabismesse zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen zusammen. Eine Veranstaltung trägt den Titel: "Weltweit wird Cannabis legalisiert – wie sieht die Lage in Deutschland aus?"


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Optic, Montag, 31.Juli, 08:54 Uhr

11. Cannabis versus Alkohol

Jetzt wird überall berichtet, dass Cannabis weniger schädlich als Alkoho ist.
Frau Huml, wenn Sie Kinder nicht zur Hanfmesse zulassen wollen, was ist dann mit den vielen Bier- und Weinfesten?
Erkennen Sie endlich die Realität. Legalisieren Sie Hanf. Geben Sie es kontrolliert frei. Tun Sie endlich was gegen den Alkoholmissbrauch.
Wer Hanf weiter kriminalisiert nicht nur einen Teil der Bevölkerung, er macht sich auch schuldig, weil er die Konsumenten in die Hände von Kriminellen treibt, die Cannabis mit fragwürdigen Beimengungen strecken.

  • Antwort von Johann, Montag, 31.Juli, 18:21 Uhr

    Was erwarten Sie?
    Frau Huml ist als Bierbotschafterin fest in den Klauen der Alkohol-Lobby.

    Eine Gesundheitsministerin als Werbeträger einer Droge, die jedes Jahr zehntausende Menschen tötet.
    Man könnte laut loslachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Stefan, Samstag, 29.Juli, 14:10 Uhr

10. Gesundheitsrisiko?!?

Wenn Cannabis als Medizin zugelassen wird bei Schmerzen, warum dann nicht auch bei Streß oder als Genussmittel?
So hätten wir wenigstens ein einziges substitutionsmittel für Alkohol. Ich kenne genug Alkoholiker die weniger oder garnicht mehr drinken weil sie ab und zu ihren Joint rauchen.
Es ist einfach verachtenswert von der Politik dass sie uns nicht mal ein "Mittel der Wahl" läßt um uns zu "berauschen" (bzw. entspannen) und uns mit enormen Strafen droht falls wir es dann doch mal konsumieren. Aber die Politik schafft das schon.
Frag mal jemanden mit Rezept wann die Apotheken wieder liefern können. September? Oktober?! Und was ist mit dem Land, dass den meisten anderen ihr Cannabisverbot aufgedrückt hat.. dort darf natürlich in vielen Staaten seit jahren wieder gekifft werden.
Frei nach dem Motto "Tut was ich sage und nicht was ich tue."

Squareman, Samstag, 29.Juli, 12:41 Uhr

9. Verteufelt

Ich frage mich schon wieso Canabis derart verteufelt wird und andere Drogen wie Tabak und Alkohol nicht. Nikotin hat eine süchtig machende Wirkung vergleichbar mit Heroin, trotzdem wird da nichts dagegen unternommen. Jedes Jahr sterben allein in Deutschland an die 5 000 Menschen an den Folgen des PASSIVRAUCHENS trotzdem gibt es keinen wirksamen Schutz der Leute die nicht rauchen und die auf eine rauchfreie Umgebung wert legen.

  • Antwort von Klau Weniger, Samstag, 29.Juli, 15:53 Uhr

    "Maßnahmen zum Nichtraucherschutz und Tabakentwöhnung gefährden die Tabaksteuer*"
    Ihr
    Bundesfinanzmister

    *diese beträgt 14 Mrd p.a. und ist nach der Mineralölsteuer der zweit höchste Posten der Verbrauchssteuern.

Oliver M. , Samstag, 29.Juli, 11:44 Uhr

8. Natur Contra Pharmaindustrie?

Letztlich wird häufig eh nur das in der Medizin für gut befunden, was der Pharmaindustrie gute Umsätze einbringt. Gibt genug Beispiele, wo auch alternative Methoden geholfen haben, an denen die Pharmaindustrie aber dummerweise nix verdient. Und damit isses uninteressant. Na ja und die Politiker sind Marionetten der Industrie und mangels eigenem Sachverstand müssen sich Politiker dummerweise auf Experten verlassen. Dumm nur, wenn diese Experten nicht neutral sind.

Übe Cannabis wird gestritten, die Nebenwirkungen der chemischen Arzneimittel werden wenig erwähnt. Häufig brauchen Patienten wegen der Nebenwirkungen eines Präparates und dessen Folgeerscheinungen noch weitere. Und in einigen Fällen ginge es auch anders.

Nix gegen die Pharmaindustrie per se. Ich kritisiere nur, dass hier der Gewinn im Vordergrund steht und damit mögliche Alternativen nicht betrachtet werden, wenn die keine Gewinne abwerfen. Primäres Ziel muss sein, Menschen gesund zu machen bzw. zu halten ...

Marie, Samstag, 29.Juli, 11:42 Uhr

7. Dr. Christian Rätsch auf Youtube anschauen, wissenschaftlich fundierte Erfahrung

Lächerlich, das Geschwätz der unwissenden Politiker, die ja nicht mal praktische Erfahrungen mit der Materie haben, zumindest nicht offiziel. Ich empfehle, folgende 3sat Scobel-Sendung auf Youtube anzuschauen:

"Ein Leben im Rausch - Braucht der Mensch die Grenzerfahrung?". Gäste: Prof. Dr. Gundula Barsch, Sozialwissenschaftlerin, FH Merseburg; Dr. Christian Rätsch, Ethnopharmakologe, Hamburg; Prof. Dr. Walter Zieglgänsberger, Arzt und Molekularbiologe, Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Essen, Sex, Sport oder Drogen: Im Körper werden die gleichen Lustreaktionen ausgelöst. Das Ergebnis, der Mensch befindet sich im Rauschzustand. Doch wie kommt dieser Rausch biologisch zustande?

Hier kommt auch Dr. Christian Rätsch, Ethnopharmakologe zu Wort. Rätsch lebte jahrelang bei Naturvölkern und studierte und erlebte dort den richtigen, natürlichen Umgang und Anwendung (Dosierung, Herangehensweise) mit psychoaktiven Kräutern. Auf Youtube gibt es dazu von ihm viele gute Vorträge