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Internationale Handwerksmesse Wenn der Kunde zum Designer wird

Was moderne Unternehmen unter Einsatz digitaler Technik alles leisten können, zeigen über 1.000 Aussteller eine Woche lang in München. So darf der Kunde auf der Internationalen Handwerksmesse vor allem Eines: Selbst entscheiden. Tische und Sandalen etwa werden individuell nach den Vorgaben der Kunden gefertigt.

Von: Karsten Böhne

Stand: 24.02.2016

Die Unternehmen präsentieren sich dieses Jahr besonders modern – unter dem Motto Handwerk 4.0. Der Dachdecker fliegt mit einer Drohne die Häuser ab, um sie zu analysieren und der Schreiner tauscht den Hobel gegen den Fotoapparat, um dem Kunden regelmäßig Bilder vom Entstehen seines Tisches zuzuschicken. Ohne digitale Medien und neue Techniken seien viele Arbeiten nicht mehr vorstellbar, sagt der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Hans-Peter Wollseifer.

"Und das vermitteln wir auch jetzt in diesem Jahr mit einem Kompetenzzentrum 'Digitales Handwerk', das wir an vier Standorten positionieren - und dort wollen wir dann Netzwerkthemen nach außen tragen und den Betrieben dann vermitteln, wie sie vorgehen können, welche Innovationen sie aufnehmen können hinsichtlich der Digitaliät."

Hans-Peter Wollseifer, Präsident Zentralverband Deutsches Handwerk

Handwerk goes digital

In vielen Betrieben herrsche bei der Digitalisierung noch Nachholbedarf. Das meint auch die Staatsekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Iris Gleicke.

"Das ist unsere Erfahrung, dass gerade kleine Betriebe sagen - wieso, ich habe doch meine Buchhaltung schon digital, aber es geht ja um andere Anwendungen, es geht um wesentlich mehr und ich glaube, dass das Handwerk hier gut daran tut, sich intensiv damit auseinanderzusetzen."

Iris Gleicke, Staatssekretärin Bundeswirtschaftsministerium

Die Stimmung im Handwerk ist hervorragend. Die Zinsen sind niedrig und die Verbraucher in Konsumlaune. Dieses Jahr rechnen die Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von bis zu zwei Prozent.  

Was die Entwicklung ein wenig bremst: Vergangenes Jahr konnten die Betriebe im Handwerk 17.000 Ausbildungsplätze nicht besetzen. Denn noch immer würden viele die Karrierechancen nicht sehen.

"Die Debatte in den vergangenen Jahrzehnten war nicht immer glücklich wenn drüber geredet worden ist, dass nur das Studium die beste Voraussetzung ist um sein Leben zu meistern. Im übrigens weise ich darauf hin, dass eine gute Ausbildung im Handwerk auch eine gute Voraussetzung sein kann für ein Studium, denn das sind junge Leute die wissen worum es geht."

Iris Gleicke, Staatssekretärin Bundeswirtschaftsministerium

Nachwuchs ist gefragt

Die Unternehmen würden um alle jungen Leute werben, sagt Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer. Dazu gehörten Abiturienten und  Studienabbrecher genau so, wie besonders lernschwache Jugendliche. Diese begleite man intensiv mit der so genannten assistierten Ausbildung. Und auch für Flüchtlinge interessiere man sich, die Fachkräftelücke könnten sie aber nicht schließen.

"Ganz klar: Nein, aber sie können das Problem ein bisschen lindern. Wir können die jungen Leute, die da kommen ausbilden, wir müssen sie qualifizieren, damit sie sich nachhaltig integrieren können, das ist die Grundlage tun, das wollen wir gerne tun mit einer Ausbildung."

Hans-Peter Wollseifer, Präsident Zentralverband Deutsches Handwerk

In den nächsten zwei Jahren will das Handwerk in seinen Bildungsstätten mindestens 10.000 Flüchtlinge auf eine Ausbildung vorbereiten. Eine Situation, von der beide Seiten profitieren. Die Flüchtlinge erhalten eine Zukunftsperspektive - die Betriebe bekommen Lehrlinge. Und die Sicherheit, dass die jungen Leute nicht gleich nach der Ausbildung abgeschoben werden, sagt Staatsekretärin Iris Gleicke.

"Wir haben uns jetzt darauf verabredet - das wird diese Woche beschlossen - dass nicht nur für die 3-jährige Ausbildung, sondern auch für die zwei Jahre danach derjenige hierbleiben kann, es also ein Bleiberecht gibt. Das gibt Planungssicherheit gerade für das Handwerk, das ja auch die Kosten für die Ausbildung aufbringen muss."

Iris Gleicke, Staatssekretärin Bundeswirtschaftsministerium

Entlastungen für Erben gefordert

Was die Unternehmen noch beschäftigt, ist die anstehende Reform der Erbschaftssteuer. Hier fordert das Handwerk weitere Entlastungen.

In den kommenden zehn Jahren würden in Deutschland 200.000 Betriebe übergeben. Das Thema kommt sicherlich auch am Freitag zur Sprache. Dann trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel in München die Spitzenvertreter der Wirtschaftsverbände.

Handwerkspräsident: Dem deutschen Handwerk geht es gut

Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer

Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer zieht eine positive Bilanz fürs deutsche Handwerk . "Unseren Kollegen geht es sehr gut. Letztes Jahr war ein gutes Jahr für das deutsche Handwerk und auch die Stimmung im deutschen Handwerk ist gut. Und auch für dieses Jahr 2016 prognostizieren wir einen Umsatzwachstum von zwei Prozent", sagte er der radioWelt im Bayerischen Rundfunk.

Viele freie Lehrstellen

Etwas Sorgen machten die vielen nicht besetzen Lehrstellen, sagte der Handwerkspräsident weiter: "Obwohl wir den Trend gestoppt haben, dass die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge einen Rückgang hat. Im letzten Jahr hatten wir das erste Mal einen Zugang und das stimmt uns eigentlich sehr positiv."

Flüchtlinge sind eine Chance

Flüchtlinge sind dabei für das Handwerk eine Chance, so Wollseifer weiter, auch wenn sie die Lücken nicht füllen können, "aber sie könnten das Problem etwas abmildern, und von daher ist das Handwerk auch gerne bereit die Bundesregierung bei ihren Integrationsbemühungen zu unterstützen."
Dass die heute beginnende Internationale Handwerksmesse unter dem Motto "Digitalisierung" steht, erklärte Wollseifer so: "Weil die Digitalisierung, die steht schon im Mittelpunkt aller Branchen und in sofern wollen wir das jetzt auch mal deutlich machen."

Heute vormittag eröffnete Hans-Peter Wollseifer mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Internationale Handwerksmesse in München.


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