5

Ergebnisse im Kunstfall Gurlitt Fünf Jahre Recherche sind Forschern nicht genug

Welche Bilder gehörten dem Kunstsammler Cornelius Gurlitt und welche waren Raubkunst aus der Nazi-Zeit? Diese Frage sollte eine sogenannte Taskforce in den vergangenen Jahren beantworten. Elf Ergebnisse konnte sie nun vorlegen - von über 700 Fällen. Klar, dass die Arbeit damit nicht beendet ist.

Von: Oliver Fenderl

Stand: 14.01.2016

Die Expertenkommission zur Erforschung des spektakulären Münchner Kunstfunds hat am Donnerstag die Abschlussbilanz vorgelegt. Die wichtigsten Ergebnisse: Bei allen 499 raubkunstverdächtigen Werken aus der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt ist die Grundrecherche abgeschlossen. Grundlage waren fast 15 000 Abgleiche von Datenbanken, 4200 Suchen in Publikationen und 1400 Literaturscans.

Nur 11 von über 700 Werken identifiziert

Gurlitt | Bild: dpa-Bildfunk zum Artikel Ein Prozent Aufklärungsquote Dürftige Bilanz der Gurlitt-Taskforce

Seit zwei Jahren erforscht eine Expertengruppe die umstrittene Gurlitt-Sammlung. Die Ausbeute der Taskforce ist dürftig: Bei gerade einmal fünf der 499 raubkunstverdächtigen Werke ließ sich klar Nazi-Unrecht nachweisen. [mehr]

Die Geschichte von 11 der 499 Werke ließ sich lückenlos klären: 4 sind NS-Raubkunst, 5 nachweislich keine, bei zwei Werken gibt es einen starken Verdacht. Die restlichen 488 Münchner Werke müssen weiter erforscht werden. In 25 Fällen gibt es laut Bericht "sehr konkrete Anhaltspunkte" für NS-Unrecht. Zu den 239 Werken aus dem heruntergekommenen Haus in Salzburg gibt es bisher nur vorläufige Ergebnisse. Eines hat sich als NS-Raubkunst erwiesen, 53 Objekte wurden von der Forschungsliste gestrichen, weil es keine Kunstwerke sind. Weitere Recherche zu den restlichen 185 steht noch aus.

Wichtige Stationen im Gurlitt-Fall

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kündigte eine Fortsetzung der Forschung an. Ziel sei, die Herkunft aller Bilder aus der Gurlitt-Sammlung aufzuklären. Für das zunächst auf ein Jahr befristete Folgeprojekt werde gut eine Million Euro aus ihrem Haushalt bereitgestellt, sagte Grütters. Deutschland habe die Verpflichtung gegenüber den NS-Opfern, die Herkunft der Werke und den nationalsozialistischen Kunstraub rückhaltlos aufzuklären. Insgesamt 1,9 Millionen Euro hatten Bayern und Bund für die Arbeit der Taskforce zur Verfügung gestellt. Das neue Forschungsprojekt wird von der Kunsthistorikerin Andrea Baresel-Brand geleitet.

Noch nicht alle Ansprüche geklärt

Auf 104 der Werke aus den Gurlitt-Beständen seien insgesamt 118 Ansprüche angemeldet worden, hieß es weiter. Einige Anfragen hätten zum Teil konkurrierende Ansprüche auf eine Vielzahl von Werken enthalten. 53 Prozent der Ansprüche seien inzwischen geklärt, in vier Fällen der Münchner Kunstwerke sei ein NS-verfolgungsbedingter Entzug bestätigt worden. Bei dem fünften bestätigten Fall handelt es sich um ein in Salzburg gefundenes Kunstwerk, auf das zunächst niemand Anspruch erhoben hat.Ein Kunstwerk, auf das mehrere konkurrierende Ansprüche angemeldet worden seien, sei zudem durch die Recherchen als Fälschung identifiziert worden.

Fünf Jahre Recherche sind nicht genug

2010 geriet Cornelius Gurlitt bei einer Zugfahrt ins Visier der Steuerfahnder, 2012 wurde seine Wohnung in München durchsucht. Ende 2013 wurde der Fall öffentlich bekannt, am 11. November 2013 wurde die Taskforce zur Klärung der Herkunft der sichergestellten Kunstwerke eingesetzt. Weitere rund 240 Kunstwerke wurden im Februar 2014 in einem Haus Gurlitts in Salzburg gefunden. Der Taskforce gehörten Experten aus Frankreich, Israel, Österreich, Polen, Ungarn, den USA und Deutschland an.


5