34

Gülle-Verordnung Was bringt sie wirklich?

Es ist eine schier unendliche Geschichte – der Streit ums saubere Grundwasser. Kontrahenten sind die Zweckverbände kommunaler Wasserversorgung, die für die Qualität des Trinkwassers garantieren müssen und einem der Hauptverursacher von Grundwasser-Verschmutzung: der Landwirtschaft.

Von: Elisabeth Veh und Trang Dang

Stand: 20.03.2017

Viele Menschen verstehen nicht, warum es zum Schutz des Grundwassers keine strikteren und klaren Regeln gibt - ist doch das Wasser unser Lebensmittel Nummer 1. Vor allem die Belastung durch Nitrat liegt in weiten Teilen Bayerns über dem erlaubten Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Grund für diese Werte ist die Landwirtschaft bzw. die Menge an Gülle und Mist, die auf die Acker- und Grünflächen ausgebracht wird.

Verursacher Landwirtschaft?

Gülle und Mist sind die effektivsten und günstigsten Dünger für die Landwirte.

"Mittlerweile überlegt sich ein junger Landwirt, ob er das noch machen soll: Er wird als Tierschänder verurteilt, als Pestizidverteiler betrachtet und als Grundwasser-Verseucher beschuldigt!"

Reinhard Herb, Landwirt

Der Landwirt Reinhard Herb hat 150 Rinder, 1.500 Schweine und 40.000 Hühner in seinen Ställen. Da fällt jede Menge Gülle an. Und die muss irgendwo hin. Er glaubt nicht daran, dass das Nitrat im Grundwasser von der Landwirtschaft kommt.

Niederbayern stark belastet

Zweimal im Jahr werden an den Grundwassermessstellen die Nitratwerte ermittelt. In Niederbayern an den Messstellen des Wasserwirtschaftsamtes Landshut zeigt sich dabei immer wieder das gleiche Ergebnis.

"Für unser Amtsgebiet ist der aktuelle Zustand, dass 50 Prozent unseres Amtsgebiets im schlechten Zustand sind. Das heißt, dort ist der Grenzwert nicht eingehalten."

Antje Uhl, Wasserwirtschaftsamt Landshut.

Natürlicherweise ist Grundwasser nur mit 10 Milligramm Nitrat belastet. Dieser Wert wird bereits jetzt an jeder zweiten bayerischen Messstelle überschritten.

Aber wohin mit der Gülle?

Die neue Düngeverordnung soll nun den Einsatz von Gülle reduzieren. Die Landwirte empören sich darüber: Denn weniger Gülle auf den Feldern heißt weniger Ertrag. Und wo soll die Gülle sonst hin? Landwirt Reinhard Herb meint dazu frustriert:

"Meine Lösung ist, dann fährt man es eben weiter weg. Die Holländer fahren es zu uns nach Deutschland, und dann fahren wir es halt was weiß ich, nach Dänemark. Wenn das die Lösung ist, wenn die Politik und die Gesellschaft glaubt, das ist die Lösung, also ich kann damit leben!"

Reinhard Herb

Reichen die neuen Vorgaben?

Beispiel Hohenthann in Niederbayern. Hier leben gut 4.000 Menschen. Und 68.000 Schweine. Deshalb sind die Nitratwerte hier so hoch, dass der örtliche Wasserversorger, die Rottenburger Gruppe, das Trinkwasser mischen muss, mit saubererem Wasser aus einer anderen Quelle. Aus Sicht des Vorstands Hans Weinzierl wird die neue Düngeverordnung das Problem nicht entschärfen.

"Wenn die Düngeverordnung so kommt, wie sie jetzt auf dem Papier ist, dann wird man der Belastung des Grundwassers mit Nitrat weiter zuschauen können. Das Grundwasser verträgt nur 20 bis 30 Kilogramm Stickstoff nach der Vegetation. Alles was darüber hinausgeht, landet mit einer entsprechend zeitlichen Verzögerung im Grundwasser."

Hans Weinzierl

Auch andere Wasserversorger haben Probleme. Brunnen müssen geschlossen, neue gebohrt werden. Neben den gesundheitlichen Risiken muss der Verbraucher dann auch Mehrkosten in Kauf nehmen.

Freiwilligkeit schützt nicht

Die neue Düngeverordnung geht auch den Umweltverbänden nicht weit genug – zu viele Zugeständnisse an die Agrarlobby, so die einhellige Meinung.

Wenn es nach dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium geht, sind gesetzliche Regelungen ohnehin nicht zielführend. Über ein Jahr lang arbeitet man hier an einem Wasserpakt. Die Politik setzt dabei auf Vernunft und freiwillige Maßnahmen der Landwirte. Doch die brachten auch in den letzten 30 Jahren nichts. Auch der Bayerische Gemeindetag war eingeladen, sich an dem Pakt zu beteiligen. Der hat es aber aufgrund der anhängigen Klage der EU gegenüber Deutschland abgelehnt, Pakte zu schmieden.

"Nun ist es an der Zeit sich einzugestehen, dass das Prinzip der Freiwilligkeit beim Schutz unseres Grundwassers versagt hat."

Marion Ruppaner, Landwirtschaftsexpertin des Bund Naturschutz in Bayern

Der Streit wird weiter gehen

Ende des Monats wird die neue Düngeverordnung wahrscheinlich durch den Bundesrat beschlossen. Den Landwirten geht sie zu weit, den Naturschützern ist sie zu zahm. Der Grundsatzstreit wird also in die nächste Runde gehen.


34