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GTC-Konferenz Münchner Messe zeigt KI-Chips

Noch bis Mittwoch veranstaltet der Chip-Hersteller Nvidia auf dem Münchner Messegelände eine Konferenz über die Einsatzmöglichkeiten von Grafik-Prozessoren. Früher ging’s dabei meist um Computerspiele. Heute um künstliche Intelligenz.

Von: Achim Killer

Stand: 11.10.2017

Gehirnzelle - Vorbild für künstliche neuronale Netze | Bild: picture-alliance/dpa

Richtig gut kennen sich Bots mit Grafikkarten aus. Diese Schadprogramme sind nach „robota“, dem tschechischen Wort für Fron- oder Zwangsarbeit, benannt. Von Cyberkriminellen verbreitet, verrichten sie auf fremden Rechnern digitale Depperles-Jobs oder Drecksarbeit. Und mit welchem von beiden sie ihre trostlose Existenz fristen, das entscheidet sich, während sie die Rechner ihrer Opfer infizieren.

Der Bot muss in die Bitcoin-Mine

Als allererstes inspiziert Bot-Malware die Hardware es infizierten Computers. Wenn es sich dabei um einen normalen Büro-PC handelt, dann missbraucht ihn der Bot meist dazu, um massenhaft Spam-Mails zu verschicken: Das digitale Ungeziefer muss einen Depperles-Job erledigen. Ist es hingegen ein Spiele-PC mit einer starken Grafik-Karte, ist der Bot zu Schwerstarbeit verdammt. Er wird quasi zum Gold-Schürfen in die Bitcoin-Mine geschickt.

Grafik-Chips rechnen Geld aus

Die virtuelle Währung Bitcoin nämlich wird nicht wie herkömmliches Geld von Notenbanken emittiert, sondern ausgerechnet. Dafür braucht‘s mittlerweile Hochleistungs-Hardware wie die Prozessoren in Grafik-Karten. Deshalb fahren Bot-Herder, Internet-Kriminelle, auf Rechner mit viel Grafik-Power ab.

Tausende von Rechnereinheiten und Milliarden von Hirnzellen

Ein anderes Einsatzgebiet von Grafik-Chips wiederum prägt das Bild, das die GPU Technology Conference im Münchner International Congress Center bietet: die künstliche Intelligenz. Ein Grafik-Prozessor besteht aus vielen gleichartigen, mit einander verbundenen Verarbeitungseinheiten. „Unsere Spitzenprodukte haben mehrere Tausend davon“, erläutert Marc Hamilton, bei Nvidia für KI zuständig. Von der Struktur her ähnelt ein Grafik-Prozessor also dem menschlichen Gehirn. - Nur dass das mit zig Milliarden vernetzten Verarbeitungseinheiten oder Zellen natürlich sehr viel komplexer ist. - Deshalb lassen sich auf Grafik-Chips denn auch sogenannte künstliche neuronale Netzwerke programmieren, lernfähige Computer.

Paket-Bote mit KI-Autos

Autonome Fahrzeuge brauchen solche neuronalen Netze. So will etwa die Deutsche Post zusammen mit Nvidia Fahrzeuge für die Paketzustellung entwickeln. Die sollen selbständig einparken - exakt auf der Induktionsschleife für die Aufladung der Batterie. Und während sie sich selbst steuern, kann der Zusteller die Pakete sortieren. Künstliche Intelligenz wird eben auch gerne dazu eingesetzt, um menschliche Arbeit zu verdichten.

Smarte Haarbürsten und Genanalyse

Und auch darüber hinaus gibt es kaum ein Gebiet, auf dem die KI nicht Einzug hält. In der Medizin hilft sie bei der Erkennung von Krebs-Tumoren. In der Landwirtschaft entdeckt sie Unkraut, das gejätet werden muss. Und zur Handschriften-, der Sprach- und der biometrischen Erkennung wird sie eingesetzt. Weitere Themen der Konferenz sind: intelligente Haarbürsten, das automatisierte Schreiben, Genanalyse und Wetterprognosen, alles halt, was sich aus Grafik-Chips so herausholen lässt.

  • Achim Killer | Bild: BR Achim Killer

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