Grünen-Parteitag in Augsburg Roth triumphiert - andere weniger
Die bayerischen Grünen gehen mit Claudia Roth an der Spitze in den Bundestagswahlkampf 2013. Knapp 85 Prozent der Delegierten stimmten in Augsburg für die Bundesvorsitzende. Andere verdiente Bayern-Grüne wurden enttäuscht.
Stand: 08.12.2012Jung gegen Alt: Am zweiten Tag des Nominierungsparteitags der bayerischen Grünen für die Bundestagswahl 2013 in Augsburg ist der Ton rauer geworden. Viele junge Nachwuchspolitiker haben altgediente Abgeordnete herausgefordert. Der ehemalige Landesvorsitzenden Jerzy Montag, 65 Jahre alt, und der 60 Jahre alte Umweltpolitiker Hans-Josef Fell - 2009 noch auf Listenplatz zwei - mussten herbe Niederlagen einstecken. Sie verloren die Kampfabstimmungen um einen aussichtsreichen Listenplatz. Montag landete auf Platz 16, Fell immerhin auf Platz zwölf.
"Neue Besen kehren manchmal gut. Aber alte wissen, wo der Dreck sitzt."
Jerzy Montag in seiner Bewerbungsrede
Der Versuch des 27 Jahre alten früheren Bundessprechers der Nachwuchsorganisation Grüne Jugend, Karl Bär, den 63 Jahre alten Landshuter Bundestagsabgeordneten Thomas Gambke von seinem Listenplatz zu verdrängen, scheiterte allerdings. Bär landete auf einem "Eventuellplatz", auf Platz 14 vor der derzeitigen Vorsitzenden der Grünen Jugend, Sina Doughan (25).
Rückenwind für Claudia Roth
Die Wahl der bayerischen Bundestags-Spitzenkandidatin war am Freitagabend dagegen ohne Probleme über die Bühne gegangen. 84,7 Prozent stimmten für Claudia Roth, die keine Gegenkandidatin hatte. Die 57-Jährige ist damit bereits zum vierten Mal bayerische Bundestags-Spitzenkandidatin. 2009 war sie mit 82,2 Prozent nominiert worden. Nach ihrer Wahl dankte die Augsburgerin den Delegierten für den "Rückenwind", wie sie sagte.
Details der Roth-Wahl
Konkret bekam Roth 222 von 262 gültigen Stimmen. 34 Delegierte stimmten mit Nein, 6 enthielten sich.
Bei ihrem Versuch, Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl zu werden, war Roth im November noch schmerzlich gescheitert. Erst ein parteiinterner Sturm von Roth-Lobhudelei überzeugte sie vom Weitermachen. Die Spitzenposition in Bayern dürfte für sie nun ein verspätetes Trostpflaster sein.
Auf den Plätzen: Hofreiter, Deligöz, Janecek
Rundschau-Video
Erstmals für den Bundestag kandidiert der Landesvorsitzende Dieter Janecek, der auf Platz vier gewählt wurde, ebenfalls ohne Gegenkandidaten. Auf Platz zwei tritt mit dem Verkehrspolitiker Toni Hofreiter ein etablierter Bundestagsabgeordneter aus dem Stimmkreis München-Land an. In der Kampfabstimmung um Platz drei setzte sich Vizefraktionschefin Ekin Deligöz gegen ihre Herausforderin Elisabeth Scharfenberg durch.
Seit 2009 zehn Grüne im Parlament
Insgesamt 44 Kandidaten bewerben sich für einen aussichtsreichen Listenplatz. Bei der Wahl im Jahr 2009 waren das die Plätze eins bis zehn. Die Grünen in Bayern errangen damals 10,8 Prozent der Zweitstimmen, das beste Ergebnis in ihrer Geschichte. Zehn bayerische Grüne zogen in den Bundestag ein. Aktuelle Umfragen zum voraussichtlichen Wahlverhalten der Bayern gibt es derzeit nicht. Deutschlandweit liegen die Grünen derzeit in der ARD-Sonntagsfrage bei 14 Prozent.
B5-Audio
Rekordergebnis als Ziel
Bayerns Landeschefin Theresa Schopper hatte zum Start des Parteitags am Freitagabend das Ziel ausgegeben, im kommenden Jahr mit 15 statt bisher zehn bayerischen Abgeordneten in den Bundestag einzuziehen. Dann hätten die Grünen in Bayern auf jeden Fall ihren Teil dazu beigetragen, "dass wir Schwarz-Gelb in Berlin ablösen", rief Schopper den etwa 300 Delegierten zu.
"Bisher kannte man blöd, blöder, Söder. Seit neuestem ist ein neuer Komparativ hinzugekommen: doof, doofer, Dobrindt."
Der Grünen-Fraktionschef und Bundestags-Spitzenkandidat der Partei, Jürgen Trittin auf dem Parteitag in Augsburg

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