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SPD Mitgliedervotum Groko Ja oder Nein? Bernhard Goodwin, der Macher des "Grokomat" im Interview

Die SPD-Spitze wirbt bei den Mitgliedern fürs Ja zum Koalitionsvertrag, die Jusos kämpfen fürs Nein. Dazwischen; die SPD-Mitglieder, die sich bald entscheiden müssen. Für sie hat der Münchner Kommunikationswissenschaftler Bernhard Goodwin eine Entscheidungshilfe gebaut. Er ist selbst SPD-Mitglied, will dagegen stimmen. Sein "Grokomat" will aber neutral sein.

Von: Ann-Karthrin Wetter

Stand: 14.02.2018

Kommunikationswissenschaftler Bernhard Goodwin | Bild: picture-alliance/dpa

An neutrale Infos zu kommen, das ist für die SPD-Basis im Moment schwierig. Das dachte sich Bernhard Goodwin. Er ist ein ehemaliger Bundestagskandidat der SPD, und hat mit einem Parteikollegen den  "Grokomat" entwickelt. Das Tool soll in Anlehnung an den Wahl-o-mat für die Bundestagswahl unentschlossenen SPD-Mitgliedern bei ihrer Entscheidung helfen. Dazu kann der Nutzer 22 Thesen beantworten und erhält am Ende die Antwort, wie er abstimmen sollte.

Bernhard Goodwin selbst ist gegen die Große Koalition – kann ein solches Tool dann überhaupt neutral sein? BR24 hat darüber mit ihm gesprochen.

BR24: Herr Goodwin, die erste These des "Grokomat" lautet: "Die Erfahrungen aus der letzten Legislaturperiode zeigen, dass die Union ein unzuverlässiger Partner ist. Dies ist erneut zu erwarten." – neutral ist das nicht wirklich, oder?

Goodwin: Die erste These ist natürlich steil formuliert, sie ist aber durchaus Konsens bei  Sozialdemokraten. Die Zielgruppe sind ja nicht unentschlossene Wähler, die überlegen, ob sie Union oder SPD wählen sollen. Die Zielgruppe sind Leute, die sowieso in der SPD sind, und ich glaube, dass viele in der SPD nicht gut fanden, wie die Union sich in der Großen Koalition verhalten hat. Das sind Dinge, die sowohl im NoGroKo-Lager als auch im Groko-Lager vermutlich so gesehen werden.

Sie sagen "vermutlich" – beziehen Sie sich da jetzt auf Umfragen, oder ist das eher so ein Bauchgefühl bei Ihren Thesen?

Also ich habe tatsächlich keine Umfrage gemacht für diese Thesen. Aber ich setze  mich stark mit der Kritik auseinander, die jetzt von beiden Seiten kommt. Es gibt sowohl Leute, die sehr stark für NoGroko sind.  Die sagen: Ihr macht ja viel zu nette Thesen. Umgekehrt gibt es Leute, die uns kritisieren, dass wir zu sehr gegen die GroKo sind. Also wird sind wohl irgendwo dazwischen. Und das passt wieder.

Die eigene Meinung bei den Thesen ganz rauslassen, das ist wahrscheinlich unmöglich – hatten sie eine Strategie, das gezielt zu vermeiden?

Wir haben die Thesen unterschiedlich gepolt. Die Hälfte der Thesen sind Thesen, die man bejaht, wenn man für die Groko ist und die andere Hälfte bejaht man, wenn man gegen die Groko ist. Und wir haben uns an offizielle Veröffentlichungen der Lager gehalten und geschaut, was sind die Schwerpunkte, die sie setzen. Und wir haben die Begründungen aus dem entsprechenden Material geholt. Das ist das, was wir versucht haben, um die Neutralität herzustellen, weil es uns natürlich auch wichtig ist, ernst genommen zu werden. Gleichzeitig biete ich jedem an, der das Ergebnis kritisiert, konkrete Umformulierungen vorzuschlagen, die ich dann gerne in einer zweiten Version aufnehmen will – weil ich kein Interesse daran habe, Leute auszutricksen, damit sie anders abstimmen als sie eigentlich wollen.

Warum braucht es einen Grokomat?

Mir hat sowohl vom Parteivorstand als auch von der NoGroKo-Seite der Versuch gefehlt, eine Übersicht über die Argumente zu geben. Deshalb haben wir den "Grokomat" gemacht – auch wenn ich weiß, dass das kein Überblick ist, wie ich ihn da gefordert habe. Aber wir haben es einfach mal versucht.


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