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Unkrautvernichtungsmittel im Bier Glyphosat und Malz - Gott erhalt's!

Ausgerechnet im Lieblingsgetränk der Bayern: Das als eingetragener Verein organisierte Umweltinstitut München hat das umstrittene Glyphosat in 14 verschiedenen deutschen Biersorten nachgewiesen. Der Bundestag hat sich für eine baldige Neuzulassung von Glyphosat ausgesprochen.

Von: Alex Brutscher / Lorenz Storch

Stand: 25.02.2016

Glyphosat: harmlos oder gefährlich?

Glyphosat: Biersorten im Vergleich (zum Vergrößern auf die Grafik klicken)

Das Herbizid ist umstritten: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), eine Behörde der WHO, hat es als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) hingegen hält es für "wahrscheinlich nicht krebserregend". Fakt ist: Das vom Agrarkonzern Monsanto entwickelte Glyphosat ist ein Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln und das am meisten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel weltweit. Im Jahr 2014 wurden allein in Deutschland rund 5.400 Tonnen davon auf Äckern und in Gärten verspritzt. Auch die Landwirte in Bayern verwenden es und zwar auf rund 40 Prozent der Ackerflächen. Durch das Versprühen auf Äckern kommt es in die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und dann zu uns Menschen.

"Dass Glyphosat fast überall eingesetzt werden darf, kann nicht im Sinne der Verbraucher oder der Umwelt sein."

Dr. Christoph Then, Testbiotech - Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie

Erst 1.000 Liter Bier am Tag schaden laut BfR der Gesundheit

Brauerei-Ausschank-Schild in Bamberg | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Fränkische Privatbrauereien Kein Imageschaden durch Glyphosat-Diskussion

Die Diskussion um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat im Bier schädigt das Image der Erzeugnisse kleiner Traditionsbrauereien in Franken nicht. Davon ist der Präsident des Verbandes der Privatbrauereien in Bayern überzeugt. [mehr]

Es gibt aber auch beruhigende Stimmen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Glyphosatrückstände in Bier seien aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff sei. "Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken", heißt es in einer Erklärung. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hält Gyphosat-Rückstände in Lebensmitteln für unbedenklich.

Bayerischer Brauerbund verteidigt sich

Der Deutsche Brauerbund hat die Studie des Münchner Umweltinstituts als nicht glaubwürdig bezeichnet. Die Brauereien in Deutschland betrieben einen hohen Aufwand, um die vier natürlichen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, die nach dem Reinheitsgebot zum Brauen verwendet werden, auf mögliche Schadstoffe zu kontrollieren. Auch der Bayerische Brauerbund sieht die Branche zu Unrecht an den Pranger gestellt. Gerade weil der Ruf des deutschen Biers so untadelig sei, werde es jetzt als Opfer einer Kampagne gegen Glyphosat missbraucht. Beim Braugerste-Anbau in Deutschland ist laut Brauerbund dieser Unkrautvernichter ohnehin verboten, weil er auch die Keimung des Getreides und damit den Produktionsprozess behindert. Überdies betreibe die Brauwirtschaft bei ihren Rohstoffen ein besonders intensives Kontrollsystem, so der Verband. Die Grenzwerte würden stets eingehalten. Geringe Rückstände seien jedoch nicht zu verhindern, denn Glyphosat finde sich nach jahrzehntelanger Verwendung in der Landwirtschaft inzwischen praktisch überall.

Der Brauerei-Riese Anheuser-Busch InBev, zu dem die Marken Beck's und Hasseröder Pils sowie Franziskaner Weißbier gehören, weist die Vorwürfe über nicht ausreichende Brauereikontrollen der Rohstoffe zurück. Ein Sprecher verwies auf Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, wonach Glyphosat-Spuren in Lebensmitteln als gesundheitlich unbedenklich eingestuft seien.

Der BR hat auch die schwäbische Brauerei Oettinger um eine Stellungnahme gebeten. Erfolgslos. Die Geschäftsleitung wolle sich nicht äußern, hieß es.

14 Biersorten getestet

Abstimmung in Berlin

Der Bundestag hat sich für eine baldige Neuzulassung des umstrittenen Pflanzengiftes Glyphosat in der EU ausgesprochen. 446 Abgeordnete stimmten gegen den Antrag der Grünen-Fraktion, die eine "voreilige" Neuzulassung von Glyphosat durch die EU-Kommission stoppen wollte. 117 Abgeordneten votierten für den Antrag der Grünen, drei enthielten sich. Die Grünen hatten in dem Antrag gefordert, "aus Gründen des vorsorgenden Gesundheits- und Umweltschutzes" einer Neuzulassung von Glyphosat in der EU "zum jetzigen Zeitpunkt nicht zuzustimmen". Die Zulassung von Glyphosat in Europa läuft Ende Juni aus.

Dieses Jahr feiert das Reinheitsgebot sein 500-jähriges Jubiläum. Für das Umweltinstitut München der Anlass, ein Labor zu beauftragen, die 14 meistgetrunkenen Biere Deutschlands auf Rückstände des Pestizids zu testen. Und zwar jeweils das absatzstärkste Produkt der 2015 beliebtesten Biermarken in Deutschland. Ausschlaggebend war für das Umweltinstitut nicht die Größe der Brauerei, sondern die Absatzmenge der Biermarke, von der wiederum jeweils das meistverkaufte Produkt getestet wurde. Das Ergebnis: In allen getesteten Bieren gab es Rückstände von Glyphosat. Die gemessenen Werte lagen zwischen 0,46 Mikrogramm pro Liter (μg/l) und 29,74 μg/l und damit im Extremfall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser (0,1 μg/l). Für Bier existiert kein eigener Grenzwert. Zur Erklärung: 1 Mikrogramm (µg) = 1 Millionstel Gramm.

"Alle getesteten Biere enthielten das Pestizid Glyphosat. Damit droht das deutsche Reinheitsgebot ausgerechnet in seinem 500. Jubiläumsjahr zur Farce zu werden."

Sophia Guttenberger, Umweltinstitut München

Das Umweltinstitut startet heute eine Online-Aktion, mit der man sich direkt an die Hersteller der getesteten Biere wenden kann. Gefordert ist laut dem Insitut aber auch die Politik: Die Bundesregierung müsse auf europäischer Ebene gegen eine erneute Zulassung von Glyphosat stimmen. Über diese wird voraussichtlich schon im März entschieden - für weitere zehn Jahre.

Der SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn ist schockiert über den Nachweis des Pflanzenschutzmittels Glyphosat im Bier: „Ich finde es unfassbar, dass es zwar für Trinkwasser, aber nicht für Bier einen entsprechenden Grenzwert gibt."

Biersorten im Test
MarkeGeteste BiersorteUnternehmenGlyphosatmenge
HasseröderHasseröder PilsAnheuser-Busch InBev29,74 μg/l
JeverJever PilsRadeberger Gruppe23,04 μg/l
WarsteinerWarsteiner PilsWarsteiner Gruppe20,73 μg/l
RadebergerRadeberger PilsnerRadeberger Gruppe12,01 μg/l
VeltinsVeltins PilsenerVeltins5,78 μg/l
OettingerOettinger PilsOettinger Brauerei3,86 μg/l
KönigKönig PilsenerBitburger Braugruppe3,35 μg/l
KrombacherKrombacher PilsKrombacher Brauerei2,99 μg/l
ErdingerErdinger WeißbierErdinger Weißbräu2,92 μg/l
PaulanerPaulaner WeißbierPaulaner Brauereigruppe0,66 μg/l
BitburgerBitburger PilsBitburger Braugruppe0,55 μg/l
Beck'sBeck's PilsAnheuser-Busch InBev0,50 μg/l
FranziskanerFranziskaner WeißbierAnheuser-Busch InBev0,49 μg/l
AugustinerAugustiner HellesAugustiner Bräu0,46 μg/l

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Dr. Rolf Zimmermann, Donnerstag, 25.Februar, 20:48 Uhr

201. Glyphosat im Bier

Da die Politiker ja dauernd unter dem "Druck" der Lobbiisteninformationen stehen, kann hier nur eine kritische Käuferhaltung zu rascher Veränderung führen, die aber auch auf solche interessanten Informationquellen/verbreitern (danke BR). Jever und Hasseröder würden bei deutlich rückläufigen Verkaufszahlen sehr schnell für einen Rückgang der Glyphosatbelastung in deren Bieren sorgen. Hoffentlich aber sind genug Biertrinker unter den Abgeordneten, dass die Bereitschaft, gegen eine Verlängerung zu dem Glyphosatgestz zu stimmen, wächst .

Meiler, Donnerstag, 25.Februar, 20:38 Uhr

200. Glyphosat

Bayrisches Bier ist angeblich am wenigsten belastet, ich weiß warum. Bayerns Brauer kaufen Braugerste aus bayrischen, landwirschatl. Betrieben
und nicht aus dem Ausland. Im Ausland gibt es kaum Kontrollen den Pflanzenschutz betreffend, hier in Bayern ist dieser sehr streng.

Jörg Müller, Donnerstag, 25.Februar, 20:21 Uhr

199. Glyphosat im Bier

Mit viel Beharrungsvermögen ist es lt. einer ARD-Dokumentation einer deutschen Ärztin und anderen Wissenschaftlern gelungen den Zusammenhang von Glyphosateinsatz und Erkrankung von Viehbeständen und Landwirten herzustellen und wissenschaftlich zu dokumentieren. Durch das mittlerweile sensible Umweltbewusstsein gelingt es in Deutschland und Europa die Verbraucher zunehmend vor dem skrupellosen Einsatz chemischer Substanzen in der Nahrungsmittelproduktion zu schützen. Dies ist ein hohes Gut, das es zu verteidigen und auszubauen gilt. Wir sind die Verbraucher, wir bestimmen, wo unser Geld hingeht. Insbesondere der Plan der deutschen und europäischen Handelspolitik, TTIP , das ominöse Freihandelsabkommen mit den USA zu verabschieden, gefährdet diesen Verbraucherschutz! Wäre es nicht so, bräuchte es keine Geheimverhandlungen und Verbraucherschützer hätten Zugang zu den Verträgen!
Lasst euch unbelastetes Bier schmecken, das gibts!
Freundliche Grüße
Jörg Müller

Edward, Donnerstag, 25.Februar, 20:14 Uhr

198. Glyphosat

In der Vergangenheit hat user Gesundheitwesen solche Dinge wie Blei, Asbestos, und DDT als unbedenklich fuer die Gesundheit bezeichnet. Spaeter stellte sich heraus was fuer verherende Auswirkungen es wirklich auf den Koerper hatte. Jahrzehnte lang wurden Menschen beruhigt waerend Sie vergiftet wurden. Und jetzt sollen wir unserem Gesundheitsministerium Glauben schenken wen Glyphosat als unbedenklich bezeichnet wird. Fakt ist. Monsantos in den USA macht Milliarden an dem Gift und wirbt mit Lobbyisten in Europa so dass sich hier nichts aendert. Wie immer sind unsere Politiker in der Tasche von Grossindustriellen die sich nicht um uns sondern nuer dem Profit hingeben. Es spielt keine Rolle wie vergiftet unser Erdreich ist und wie giftig Lebensmittel sind. Profit ist Alles.

R.Deckert, Donnerstag, 25.Februar, 20:09 Uhr

197. Wozu noch Grenzwerte bei Glypo

Interessant ist es, dass sich die Bierkonzerne sofort darauf berufen, dass es für Bier keinen eigenen Grenzwert zu Glyphosat gibt. Zum Glück gibt es den jedoch im Trinkwasser. Den halten die Konzerne auch wegen der regelmäßigen Kontrollen ein. Die Macht der Konzerne wird allgemein überbewertet. Letztendlich geht es Konzernen immer um Gewinnmaximierung. Somit entscheidet der Konsument, was auf dem Markt abgesetzt wird. Die WHO hat Glyphosat als erbgutschädigend und wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Für mich als Konsument bedeutet das, dass ich auf hochbelastete Biere wie Hasseröder und Jever zukünftig verzichten werde, unabhängig davon wie das dass Bundesinstitut für Risikobewertung sieht. Hier geht es um meine persönliche Risikoeinschätzung und die sagt, das Glypphosat Bestandteil eines Herbizides ist und nichts in Nahrungsmittel oder Genussmitteln zu suchen hat. Wenn Politik und Wirtschaft nicht reagiert, muss ich das als Konsument tuen.