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Glyphosat - harmlos oder gefährlich? Was hinter den Widersprüchen steckt

Krebserregend - ja oder nein? Die Diskussion um das Pestizid Glyphosat ist nach der jüngsten Entscheidung der EU-Lebensmittelbehörde EFSA um einen Widerspruch reicher. Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Einschätzungen?

Von: Miriam Stumpfe

Stand: 25.02.2016

Bauer spritzt auf seinem Acker  | Bild: pa/dpa

Die EFSA hat von den EU-Mitgliedsstaaten einen eindeutigen Auftrag bekommen: Sie sollte für den Wirkstoff Glyphosat eine Risikobewertung abgeben. Es sollte die Frage geklärt werden, ob der Wirkstoff eine Gefahr für den Menschen darstellt und ob es Grenzwerte geben muss bzw. wie stark Menschen dem Wirkstoff Glyphosat ausgesetzt sein dürfen.

Auf die Felder kommt kein reines Glyphosat

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Das Problem: Die EFSA sollte nur den Wirkstoff Glyphosat bewerten. Auf den konzentrieren sich auch die meisten Laborstudien. Denn wenn Wissenschaftler zum Beispiel in Tierversuchen herausfinden wollen, ob eine Substanz krebserregend ist, möchten sie kein Gemisch von verschiedenen Wirkstoffen testen. Wenn dann Versuchstiere Krebs bekommen, wäre am Ende ja nicht klar, auf welchen Wirkstoff das zurückzuführen ist.

Aber: Wenn Glyphosat-Kritiker oder auch die Internationale Krebsforschungsagentur IARC darauf verweisen, dass das Pflanzengift "wahrscheinlich krebserregend" sei, dann beziehen sie sich auch auf die Spritzmittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Diese Spritzmittel enthalten aber nicht nur Glyphosat. Mit dabei sind auch spezielle Chemikalien, die sogenannten Tallowamine. Sie sollen bewirken, dass der Wirkstoff auch in die Pflanzen eindringt. Und deren Wirkung ist sehr umstritten, in Deutschland zum Beispiel sind diese Zusatzstoffe verboten.

Einzelne Spritzmittel wurden nicht untersucht

Um tatsächlich bewerten zu können, welche Gefahr von glyphosathaltigen Spritzmitteln in der Landwirtschaft ausgeht, müsste also eigentlich eine Risikobewertung für jedes einzelne Spritzmittel erfolgen. Doch diesen Auftrag hatten die EU-Mitgliedsstaaten der EFSA nicht gegeben. Und für eine umfassende Antwort gibt es auch zu wenig Studien. Was aber klar ist: Glyphosat ist nicht gleich Glyphosat. Wenn man eine Pflanze (oder ein Versuchstier) dem reinen Wirkstoff aussetzt, hat das eine andere Wirkung, als wenn man Glyphosat mit speziellen Zusätzen wie den Tallowaminen versieht.

Keine umfassende Entwarnung der EFSA

Auch die Tallowamine sollte die EFSA für die EU-Mitgliedsstaaten bewerten und auch dazu hat sie Stellung bezogen: Im Vergleich zu Glyphosat, schreibt die EFSA, sind die Tallowamine eindeutig schädlicher. Allerdings gibt es nicht genug Studien, um eine fundierte Risikoabschätzung zu geben. Inwiefern diese Stoffe krebserregend oder schädlich für den Hormonhaushalt des Menschen sind, müsse geklärt werden, schreibt die EFSA. Eine Entwarnung ist das nicht.


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Hirsch, Mittwoch, 13.April, 19:12 Uhr

13. Glyphosat fürs Volk

Des würde mich schon bizeln ,zu wissen wie unser Herr Felber Markus im EU Parlament da mit abgestimmt ha t,vorausgesetzt er war auch dabei !

Baum Hans, Sonntag, 06.März, 13:28 Uhr

12. Gehring ein Träumer

Also bitte, wenn man von Ackerbau so wenig Ahnung hat, wie Herr Gehring, soll man nicht andere damit verunsichern. Von wegen, reife Körner nehmen keinen Wirkstoff auf. Die Ähren sind bei der Spritzung bereits offen. Alle Spritzmittel müssen innerhalb kurzer Zeit regenfest an der Pflane haften. Also auch Glyphosat. Die Ähre ist damit "einbalsamiert". Machen Sie doch reelle Untersuchungen. Und der totale Blödsinn, man müsste bei etwas Grünwuchs die Ernte auf dem Fed vernichten. Das Dreschen geht vielleicht etwas langsamer aber sonst nichts. Und eine Trocknung ist nicht notwendig, wenn der Erntezeitpunkt passt, weil die reifen Körner die anderen trocknen. Glyphosat bindet Magnesium, Eisen und Mangan, was zur Phostosystese notwendig ist. Also braucht man immer mehr Dünger oder diese Wirkstoffe. Die Industrie lacht und braucht solche Dampfplauderer. Wir denken selber und lassen uns davon nicht mehr beirren.

Ewald Jäger, Montag, 29.Februar, 09:38 Uhr

11. Demokratie - Umkehr der Beweislast und keine Haftung

Ich bin der Meinung, dass die Beweislast von der chemischen Industrie einfach umgekehrt wird. N i c h t die Gesellschaft muss die Gefährlichkeit der Pestizide beweisen, sondern die Produzenten der Pestizide müssen die Ungefährlichkeit ihrer Produkte für die Gesundheit der Menschen, Tiere und Pflanzen beweissen - vor dem flächendeckenden Einsatz!
Ich möchte hier noch aus dem Manuskript zu einer Sendung des Deutschlandfunks am 09.12.2014 mit dem Titel TTIP – Transatlantischer Traum oder der Ausverkauf der Demokratie?: „In Texas wurde vergangenes Jahr der Unkraut-Notstand ausgerufen, weil drei Millionen Hektar überwuchert waren. Die Bauern hatten nur eine Wahl: die Dosis der Pflanzengifte zu erhöhen. Ist es denn erlaubt, die Dosis der Gifte immer weiter zu erhöhen?"
Ewald Jäger

  • Antwort von Marianne, Sonntag, 06.März, 11:15 Uhr

    Stimmt! die chemische Industrie verdient(e) sich die "goldene Nase" mit den Pestiziden.
    Die Bauern wären dann auch aus dem Schneider - aber die Chemiefirmen lassen sich wohl nicht so einfach und ungestraft als Umweltsünder abstempeln als die Bauern?

Thomas Borchert, Samstag, 27.Februar, 05:31 Uhr

10. Total lachhaft die Frage ob Glyphosat Krebs erzeugt!

Fakt ist, dass Prof. Dr. Monika Krüger der Universität Leipzig herausgefunden hat, dass Glyphosat auf die gesundheitsfördernden Bakterien im Magen – Darmtrakt abtöten wirkt, während krankheitsauslösende Bakterien von Glyphosat nicht betroffen sind und somit an Masse gewinnen!
Mal einfach erklärt: Wir haben gute wie böse Bakterien im Magen – Darmtrakt und von deren Gleichgewicht hängt Unsere Gesundheit ab. Werden nun gute Bakterien abgetötet, dann werden Wir krank und zwar so krank, dass z.B. durch Glyphosatverseuchtes Futter schon aber Tausende Kühe daran verstorben sind und durch deren Ausscheidungen die Landwirte ebenfalls schwer erkrankt sind, nur dieses Krankheitsbild für die Medizin neu ist, den Verlauf nicht kennt und keine adäquate Therapie besitzen!
Neben den Herbiziden kommen noch Fungizid und Insektizid zur Anwendung, das Ganze noch gesüßt mit Aspatam ohne eine Wechselwirkung zu kennen und fertig ist Unser leckeres Giftessen!
Guten Appetit!

  • Antwort von Marianne, Sonntag, 06.März, 10:14 Uhr

    Sie schreiben: "dass durch glyphosatverseuchtes Futter schon aber Tausende Kühe daran verstorben sind." Lässt sich das konkret nachweisen? Kann ich mir nicht vorstellen, denn dann würde es schon lange nicht mehr verwendet werden dürfen und verwendet werden. Welcher viehhaltende Landwirt zerstört denn seine Existenzgrundlage?
    Sie schreiben weiter: "und durch deren Ausscheidungen Landwirte ebenfalls schwer erkrankt sind" Wie geht das? Eine Kuh scheidet zum einen Milch aus - und die trinkt nicht nur der Landwirt sondern sie wird verkaufr und dadurch größtenteils von Nicht-Landwirten verzehrt. Zum anderen scheidet eine Kuh -wie jedes andere Lebewesen auch - Kot und Urin aus. Wenn dadurch Landwirte krank werden sollen....... ??? Der Landwirt nutzt dies als Dünger für seine Felder und sonst für nichts (was sollte er Ihrer Meinung nach auch sonst damit tun?) Guten Appetit

as, Freitag, 26.Februar, 12:50 Uhr

9. Warum ist es anderswo verboten?

Muss sich Schmidt hier wieder der Chemielobby unterwerfen? Es braucht hier keinen Beweis, es dreht sich hier um ein Gift, was sicher nicht gut ist für alle Lebewesen. Warum sterben Insekten wohl bei den vielen Chmikalien, die wir Menschen ausbringen?