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Sondermüll statt feschem Wiesn-Outfit Giftiges Chrom in Lederhosen festgestellt

Eine Lederhose für weniger als 100 Euro: Das geht. Doch was taugen solche Billig-Hosen? Das BR-Wirtschafts- und Sozialmagazin mehr/wert hat eine Stichprobe bei verschiedenen Händlern durchgeführt - mit erschreckenden Ergebnissen.

Von: Johannes Thürmer

Stand: 15.09.2017

Lederhose | Bild: picture-alliance/dpa/chromorange

Überall in München, vor allem zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese, gibt es zurzeit Billig-Tracht. Die günstigste Hose kostet gerade mal 27,90 Euro. Für die Schnäppchenjäger unter den Lederhosen-Fans also ein wahres Paradies. Oder?

Das BR-Wirtschafts- und Sozialmagazin mehr/wert  hat in den vergangenen Tagen Lederhosen bei einem Discounter, in einem Kaufhaus, an einem Stand im Münchener Hauptbahnhof und im Internet gekauft und in ein akkreditiertes Labor gebracht.

Giftiges Leder

Das alarmierende Ergebnis: Eine der vier getesteten Lederhosen wies eine deutliche Konzentration des Schadstoffes Chrom (VI) auf – und zwar das Sechsfache des Grenzwertes. Dabei ist Chrom (VI) längst verboten. Die Hose dürfte gar nicht in den Handel gelangen. Nicht ohne Grund, wie uns Dr. Barbara Büttner vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen erklärt:

"Chrom VI ist als hautsensibilisierend eingestuft. Das heißt, es hat ein allergenes Potential bei Hautkontakt. Menschen, die Chrom(VI)-sensibilisiert sind, entwickeln mit Chrom (VI) ein Kontaktekzem, also einen Hautausschlag. Zusätzlich ist Chrom (VI) als krebserregend beim Einatmen eingestuft."

Dr. Barbara Büttner, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Erlangen

Chrom (VI) EU-weit verboten

Seit 2015 dürfen Kleidungsstücke in ganz Europa kein Chrom (VI) mehr enthalten. Der Grenzwert liegt bei der Nachweisgrenze von 3 mg/kg. Trotzdem, so berichten die Experten vom LGL, finden Kontrolleure immer wieder das gefährliche Chrom (VI) in Lederartikeln. Dabei könnte dieses Gift komplett vermieden werden: "Wenn Chrom (VI) nachgewiesen wird, ist das immer ein Hinweis darauf, dass die Gerbung nicht nach dem aktuellen Stand der Technik durchgeführt wurde", so Dr. Barbara Büttner vom LGL.

Günstige Hosen waren nicht belastet

Finden die amtlichen Kontrolleure mit Chrom (VI) belastete Kleidungsstücke, werden diese sofort aus dem Verkehr genommen. Zusätzlich wird noch eine Warnmeldung über das europäische Schnellwarnsystem RAPEX abgesetzt. Das ist auch wichtig. Denn der Verbraucher kann selbst kaum feststellen, ob eine Chrom(VI)-Belastung vorliegt. So ist er auf die regelmäßigen Untersuchungen der Behörden angewiesen. Oder er achtet beim Kauf auf Ware mit Zertifikaten und Herkunftsnachweisen. So etwas gibt es immer öfter. Allerdings wohl nicht bei Lederhosen für 27,90 Euro. Doch diese Hosen waren bei der Stichprobe übrigens nicht mit Schadstoffen belastet.


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vielfahrer, Freitag, 15.September, 22:35 Uhr

1. Geiz ist Geil?

Habe meine Lederhose + Träger vom Hersteller gekauft (1983) kostete 650 DM.
Anfahrt war 170 Km. und ist es mir aber wert gewesen. (war auch auf dem Standesamt damit). (Trauung).
O.K. - ist nun zu klein. ;-)
Aber zum Artikel: - Ne Lederhos < billiger als 3 Maß Bier? die kann der Bursche dann auch voll bieseln.
Ein Prosit!