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Gideonbund Umstrittene Verteilaktion an Münchner Schulen

Der Gideonbund ist eine anerkannte, christliche Organisation. Die Mission: Bibeln verteilen und Menschen für die christliche Botschaft gewinnen. Doch eine Verteilaktion an Münchner Schulen hat Kritik hervorgerufen.

Von: Katharina Wysocka und Gloria Stenzel

Stand: 30.03.2016

Bundespräsidenten lassen sich gerne mit den Mitgliedern des Gideonbundes fotografieren. Kurz vor den Osterferien findet eine Verteilaktion an Münchner Schulen statt. Auch hier vor der Grund- und Mittelschule an der Fromundstraße. Der Gideonbund meldet das dem Ordnungsamt und verspricht: "Die Weitergabeaktion findet auf öffentlichem Gelände statt."

Nach Recherchen von Kontrovers hat sich der Gideonbund aber nicht daran gehalten. In einer E-Mail beklagt sich die Schulleiterin bei der Stadt, die Verteiler seien zuerst im Schulhaus gewesen. Sie schreibt: "Nachdem wir sie hinausgeschickt hatten, blieben sie hartnäckig vor dem Schulhaus stehen und belästigten Grund- und Mittelschüler."

"Zackig und ganz bestimmt"

Ähnliche Erfahrungen macht der Tierarzt Klaus Zahn. Als er seinen elfjährigen Sohn zum Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium bringt, stehen zwei Männer mittleren Alters davor und wollen dem Jungen unbedingt eine Bibel in die Hand drücken. Klaus Zahn sagt, sie seien nicht freundlich in dem Sinne gewesen, "wie man es sonst erwarten würde, ja schauen Sie doch mal her, wir verteilen das gerne, sondern zackig und ganz bestimmt".

Auch die Schulleitung der Grund- und Mittelschule an der Simmernstraße in München beschwert sich. Der Gideonbund hätte die Schulleitung nicht informiert, sich mitten in die Eingänge gestellt, sie "ließen keinen vorbei und hatte eine "ruppige" Art".

"Wir haben von sechs Schulen erfahren, die sich bei uns gemeldet haben, die über ähnliche Vorfälle berichtet haben. Zum Beispiel gingen diese Verteiler nicht aus dem Weg oder Kinder wurden am Ärmel angefasst und ihnen wurden die Bibeln in die Hand gedrückt."

Ursula Oberhuber vom Referat für Bildung und Sport Stadt München

Keine Antwort vom Gideonbund

Der Gideonbund sieht sich seit mehr als einer Woche nicht in der Lage, unsere Anfrage zu beantworten - aus Termingründen. Selbst bezeichnet er sich als "eine Vereinigung von Geschäftsleuten und Führungskräften, deren Anliegen es ist, die Bibel, das Wort Gottes, weiterzugeben". Beschwerden über Verteilaktionen vom Gideonbund sind für den Weltanschauungsbeauftragten des Erzbistums München Freising nichts Neues. Es gebe öfter Ärger vor Ort, bis hin zu Rangeleien. Kinder würden verängstigt.

"Ich glaube, das hat damit zu tun, dass hier jemand oder eine Gruppe absolut überzeugt ist, dass alle Menschen diese Bibel benötigen und aufgrund dessen sehr vehement, ja manchmal auch bis hin zum Fanatischen versuchen, diese Bibeln unter das Volk zu bringen."

Axel Seegers, Erzbistum München und Freising

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverbandes meint, grundsätzlich sollte nichts vor Schulen verteilt werden - erst recht nicht religiösen Schriften.

"Wir befinden uns gerade in einer ganz sensiblen Phase der interkulturellen Erziehung, der verschiedenen religiösen Erziehungen. Und genau da ist es doch wichtig, dass unser christliches Glaubensgut von Menschen vertreten wird, die sehr sensibel damit umgehen, die keinesfalls ruppig auftreten und grenzüberschreitend sind."

Simone Fleischmann, Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband

Schule sollen tabu sein

Auch Klaus Zahn ärgert nicht die Gideon-Bibel an sich, sondern die Art und Weise, wie sie Schülern aufgedrängt wird: "Dass diese Personen oder diese Gruppen die Schule oder die unmittelbare Nähe zur Schule als Plattform benutzen, um wirklich an ganz viele Kinder, an viele heranreifende Mitbürger, heranzukommen, um ihre Ideologien zu verteilen. Das könnte eben jetzt nicht nur dieser Gideonbund sein, dass könne auch eine andere religiöse Splittergruppe sein, eine Sekte, Scientology, wie auch immer, eine Partei, die ihre Parteiprogramme hier verteilt." Für Kinder schwer zu unterscheiden, wer oder was hinter solchen Verteilaktionen steckt. Deshalb sollten Schulen tabu sein.


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G.Everss, Samstag, 09.April, 02:05 Uhr

7. Ihre Schilderung Schule Simmernstraße ist falsch

"...mitten in die Eingänge gestellt, sie "ließen keinen vorbei und hatte eine "ruppige" Art" ist falsch.
Ich habe zur gleichen Zeit Pakete in diese Schule geliefert. Es verteilten 3 nette Herren kleine Bibeln und waren sehr zurückhaltend. Mitten im Eingang standen viele Schüler und nicht diese Herren. Ich musste ja mit den Paketen durch. Die meisten Schüler gingen ohne Kommentar vorbei. Zwei der Herren wurde von einer Moslema stark beschimft. Die hilten das gelassen aus. Bewundernswert. Diese Schule ist ja "Probem" mit hohem Ausländeranteil bekannt.

Hansen, Sonntag, 03.April, 20:31 Uhr

6. Kirche im Dorf lassen

Bei uns in Franken bekommen die Schüler im Rahmen des Religionsunterrichtes IHRE Gideonbibel - da hat es auch seinen Platz , denn das Thema Bibel steht auf dem Lehrplan. Gerade die so genannte "Goldene Regel" ist ja eine Blaupause für ein friedliches Miteinander - auch der Religionen.
Insofern war ich schon irritiert, als in dem Beitrag der Gideonbund in einigen Redebeiträgen, aber auch in der Anmoderation in eine dubiose Ecke gestellt wird. Die Mitglieder des Gideonbundes sind Mitglieder von evangelischen Kirchengemeinden und auch durch ihre Berufe wie z. B. Lehrer, Polizisten, Landwirte und Selbstständige sind sie "in der Mitte der Gesellschaft".
Was zu Irritationen an einigen wenigen Münchner Schulen geführt hat, darüber kann ich nur spekulieren.
Die Zusammenstellung des Beitrags verunglimpft aber eine ganze Gruppe. Das wäre ja so, als wenn ich den BR als Boulevard-Sender bezeichnen würde, was er definitiv nicht ist. Fazit: Gideons in die Schulen lassen und die Kirche im Dorf.

Sep Wirthy, Freitag, 01.April, 22:19 Uhr

5. Falsche Fakten

BR - KONTROVERS
Ich finde es absolut unfair, dass Sie so unsachlich berichten. Die richtigen Fakten stehen in diesem Artikel:
http://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/deutschland-gideons-verteilen-in-muenchen-30000-bibeln.html
1) Es wurden Bibeln an 130 Schulen verteilt.
2) 6 Schulleitern gefiel die Aktion nicht = 4,6 %
3) 3 mal kam die Polizei =2,3 %
4) In einigen Klassen und Pausenhöfen genemigten die Schulleiter die Verteilung.
5) Damit lief die Verteilung zu 93.1 % ohne jegliche Spannungen.
Bei "Problemen" mit so geringen Prozentzahlen ist es nicht wert darüber zu berichten. Ich habe die Meinung, dass die Redaktion von Kontrovers stark übertreibt und sich mit Wichtigerem beschäftigten könnte.
Demokratie hat was mit Mehrheiten zu tun. Und dem Respekt mit Miderheiten.
Die Mehrheit ist nicht lauteste Brüller in den Medien.
Warum ist der Tierarzt K. Zahn ein so agressvier Propagandist gegen Christen ? Das ist "ein Unding"

Dr. Ralf Hille, Donnerstag, 31.März, 17:06 Uhr

4. Sendung "Kontrovers" zum Thema Gideonbund

Ich bin im Vorstand des Gideonbundes und bedauere, dass wir Ihnen eine Stellungnahme nicht rechtzeitig zukommen ließen. Das mag Zeitgründe haben, mag aber auch in einer durchaus berechtigten Sorge liegen, von den Medien als "konservativer" Christ nicht immer fair behandelt worden zu sein. Ich will das jetzt nicht bewerten.
Der Vorstand des Gideonbundes weist seine Mitglieder immer wieder darauf hin, dass Verteilaktionen vor Schulen sehr zurückhaltend erfolgen müssen. Es soll nicht einfach ein "Geschenk" angeboten werden, sondern ausdrücklich die Bibel, damit die Schüler mit einem einfachen Kopfschütteln ihre Ablehnung bekunden können. Das ist dann kommentarlos zu akzeptieren. Wir können naturgemäß nicht ausschließen, dass das nicht immer von jedem unserer über 3000 Mitglieder konsequent befolgt wird. Wo das nicht der Fall war, bitten wir um Nachsicht. Andererseits halten wir jede Dramatisierung solcher Vorgänge für unangebracht. Wir werden aber auf noch mehr Zurückhaltung hinwirken.

Rumplhanni, Donnerstag, 31.März, 10:54 Uhr

3. Solche Erzieher sollten mehr Unterstützung finden.

Sie werden auch andere religiöse, auch politische Seiten nicht auf Kinder einprallen lassen, eher kritisches Interesse wecken. Neu-Ulm Lehrer handelten ebenso vorbildlich, als Muslime gegen Mitschüler hetzten. Wer eine christliche Schule besucht, sollte wiederum nicht darauf drängen, Kreuze abzunehmen, den christlichen Unterricht zu beeinflussen, dadurch die ganze Schule umzukremplen. Sie gehören zu unserem Kulturkreis, manche wählen diese zudem bewusst. Wer verlangt Moscheen zu besuchen, muss auch Kirchen besuchen. Wer sich weigert, gehört gerügt, auch Eltern zur Rede gestellt!

Lehrer haben auch die Pflicht Schützlingen beizubringen, nicht jedem zu vertrauen, egal ob derjenige Bibel oder Koran verteilt. Mich hat der Aufschrei einer gewissen verständigen Seite erstaunt, als Lehrer vor den jungen „Flüchtlingen“ warnten. Muslimischer Kulturkreis, aber viele scheinen vorrangig auf Beutezug, was Lehrer wiederum nicht benennen sollten, aber nicht mehr zu verschweigen ist.