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Einbruchsschutz Verbrecherjagd mit Algorithmen

Precobs ist das Datenanalyse-Programm, mit dem das LKA die Einbrecherzahlen noch mehr senken möchte. Wie das klappt? Ein Besuch bei den Pionieren der vorausschauenden Polizeiarbeit.

Von: Vera Cornette

Stand: 10.11.2016

„Wir haben keine Glaskugel und keinen schwarzen Raben“, scherzt Günther Okon vom Bayerischen Landeskriminalamt. Beides braucht der Leiter der Analyseabteilung auch nicht, denn er hat Precobs. Eine Software, die ihm und seinen Kollegen bei der Vebrecher-, vor allem bei der Einbrecherjagd hilft.

Das Programm analysiert Einbruchsmeldungen nach Tatzeit, Tatort, der Vorgehensweise und der Art der Beute. So kann Precobs auf organisierte Banden schließen. Bei Einbruchsdelikten von Banden wiederholen sich Muster, die auch die Polizeibeamten erkennen könnten – Algorithmen können es allerdings viel schneller.

"Bei uns wird jeden Tag die Lage bewertet. Wir haben auch schon früher gewusst, welches Viertel wir besonders im Blick haben müssen. Mit Precobs wird unsere Arbeit granularer: So wissen wir, wo wir in den nächsten Tagen besonders präsent sein müssen."

Günther Okon, LKA Bayern

Einbruchsvorhersage mit dem PC

Big Data soll vorhersagen, wo Verbrecher das nächste Mal zuschlagen. Im besten Fall hat Wolfgang Inderst von der Polizei München eine Streife, die Bereitschaftspolizei oder sonstige zusätzliche Kräfte informiert und losgeschickt:

"Wenn Precobs und ich das analysiert haben, bekommen die Beamten Gebietsinformation, eine zeitliche Information, welche Straßenzüge besonders gefährdet sind – und dann folgt die polizeiliche Verdichtung."

Wolfgang Inderst, Polizei München

Kommissar Algorithmus hält Wohngebiete mit Einfamilien- und Reihenhäusern für besonders gefährdet. Auch Straßenzüge in der Nähe von U-Bahnstationen oder günstigen Unterkünften sind für Einbrecher besonders attraktiv. Zwölf Prozent des Münchner Stadtgebiets werden derzeit von Precobs beobachtet.

Wie gut die Software tatsächlich ist, dass lässt sich schwer sagen. Über 1.300 Mal ist 2014 in München eingebrochen worden. 2015 sind die Delikte um 17 Prozent zurückgegangen.

Ein Erfolg - aber nicht allein von Precops

Im von Precobs überwachten Bereich sind die Einbrüche 2015 um 58 Prozent gesunken. Ein Kausalzusammenhang muss das nicht sein, davor warnt auch Kriminalhauptkommissar Wolfgang Inderst. Schließlich kommen mehre Instrumente und nicht nur Precobs zum Einsatz.

"Das LKA ist in jedem Fall Befürworter von Precobs und möchte in wenigen Wochen das Anwendungsgebiet erweitern: „Wir sollen die Daten der Verbrechen analysieren, die im öffentlichen Raum passieren – dazu gehören Beispielsweise KfZ-Einbrüche, Graffitischmierereien oder Raubdiebstähle."

Günther Okon, LKA Bayern.

So lange es bei sachbezogenen Daten bleibt, finden auch Big Data-Expertinnen wenig Anstoß an Precobs. „In Amerika werden auch Daten zu Personen gespeichert und soziale Netzwerke analysiert, um möglichst genaue Bewegungsprofile herzustellen. Das wäre gefährlich. Aber Precobs zeigt, dass man auch grundrechtschonende Programme bauen kann“, sagt Yvonne Hofstetter.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.

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Kleiner Problembär, Donnerstag, 10.November, 14:37 Uhr

3. Warum müssen diese taktischen Fähigkeiten publiziert werden?

Ich finde das ja alles ganz toll und schön, was technisch möglich ist. Aber eines stört mich dann doch.
Man darf ja davon ausgehen, daß der eine oder andere Kriminelle auch mal Zeitung liest, TV oder BR kuckt. Der taktische Vorteil geht doch dann verloren, wenn sich Kriminelle an diese Technik "anpassen".
Das heisst, noch mag es vorhersehbare Schwerpunkte geben, weil manche Täter mehrmals im gleichen Gebiet "tätig" werden. Was ist, wenn sie sich genau in diesem Punkt der modus operandi verändert und nur noch weit auseinanderliegende Tatorte oder Städte aufsuchen?
Natürlich wissen die Täter zunächst mal nicht, wo Häufungen auftreten.

Aber schwindet der Vorteil der Vorhersage nicht signifikant, wenn über diese Themen berichtet wird?

Wahlforscher, Donnerstag, 10.November, 12:55 Uhr

2. Hoffentlich,

funktionieren die Vorhersagen besser als die letzten Wahlvorhersagen.
Mehr Polizei wird gebraucht und zwar auf der Strasse, nicht online, sondern live. Mehr Rechte und modernes technisches Gerät, z.B. Kennzeichenerkenungssysteme, Videoüberwachung, Bodycams und verkürzte Verfahren bei Kleinkriminalität.

  • Antwort von john doe, Donnerstag, 10.November, 14:36 Uhr

    und das soll genau was bringen ?

  • Antwort von Herbert, Donnerstag, 10.November, 15:02 Uhr

    Das soll bringen das sich der Herr sicherer fühlt!

    Leider wird man ihm dann sagen, "die Kennzeichen waren leider gestohlen" und "auf den Videoaufnahmen waren die Täter maskiert".

    Es gibt eben Menschen die fühlen sich lieber sicher als frei.

  • Antwort von Asia-Fan, Donnerstag, 10.November, 15:43 Uhr

    Und wie das was bringt. In Asien sind die Strassen voll mit CCTVs und keinen stört es. Passiert was, hat die Plizei sehr schnell die Täter gefasst. Sind die Asiaten unfreier?
    Kennzeichenlesegeräte automatisieren den analogen Blick von Polizisten. Bin ich unfreier, weil an einem Strassenabschnitt statt einem Polizisten mein Kennzeichen automatisiert abgeprüft wurde?
    Für mich kein Problem.
    Unfreier fühle ich mich mehr mit den ganzen privaten Datenabschnorchlern, sie halten sich an keine Datenschutzgrenzen, siehe Browserverlauf, Smartphone-IDs, usw.
    Nun sage mir keiner, er geht tagtäglich nur mit Tor ins Netz. Ausserdem geben die Nutzer ja ihr ok in den AGB's, die keiner liest und versteht. Jetzt kommt bestimmt wieder, ja ich habe das freiwillig gemacht. Richtig, aber die Tragweite nicht berücksichtigt oder verstanden. Kann ein Nichtjurist auch kaum verstehen. So etwas nennt man optimierte Vertragstexte.
    Von Profilbildung dieser Klasse träumt die Polizei.

Walterius, Donnerstag, 10.November, 11:15 Uhr

1. Wir brauchen mehr Fachkräfte, die sich mit organisierter

Kriminalität auskennen, z.B. aus Rumänien.