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Computerspiele und Gewalt Warum es diesmal keine "Killerspieldebatte" gibt

In den sozialen Netzwerken wächst die Empörung darüber, dass Computerspiele verantwortlich gemacht werden für den Amoklauf von München. Die Debatte allerdings wird sehr viel vorsichtiger geführt als früher.

Von: Christian Schiffer

Stand: 25.07.2016

Mann spielt Computerspiel | Bild: picture-alliance/dpa

Seit Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der Tagesschau vor der schädlichen Wirkung gewaltverherrlichender Spiele gewarnt hat, scheint sie wieder da zu sein: Die sogenannte "Killerspieldebatte". "Killerspiel" - dieses Wort ist bei vielen Computerspielern ein rotes Tuch, wirkt aber heute ähnlich aus der Zeit gefallen wie "Rauschgift" oder "Raubkopie". Vor zehn Jahren war das noch anders, da diskutierte die Republik über ein Verbot von Ego-Shootern, die Forderung schaffte es sogar in den schwarz-gelben Koalitionsvertrag.

Das Problem mit den Studien

Von Verboten ist in diesen Tagen kaum die Rede, eher davon, dass man vielleicht über die Inhalte diskutieren müsste, kaum jemand behauptet noch ernsthaft, Computerspiele alleine würden Amokläufer produzieren. Die Debatte hat sich weiterentwickelt und das hat mehrere Gründe. Zum Einen ist sich die Wissenschaft immer noch uneins, was die Wirkung solcher Spiele angeht: Es gibt Studien, die sagen, dass diese Spiele aggressiv machen, es gibt Studien, die das Gegenteil behaupten.

Und natürlich gibt es auch Metastudien (also Studien über Studien), die aber zu keinen eindeutigen Ergebnissen kommen. Und letztens erst kam eine neue Studie aus England heraus, die vor allem untersucht hat, wieso es eigentlich so schwierig ist, Studien über die Wirkung von Computerspiele zu machen.

Das Schmuddelimage abgelegt

Hinzu kommt noch eine weitere Entwicklung: Computerspiele sind mittlerweile als Kulturgut und Kunstform anerkannt, haben ihr Schmuddelimage weitgehend abstreifen können.

Auch die Demographie spielt eine Rolle: Diejenigen, die früher Counter Strike gespielt haben, sitzen mittlerweile selbst in Medienhäusern, manchmal sogar im Bundestag und haben oft selbst Kinder.

Die Folge: Anders als nach den Bluttaten in Erfurt, Emsdetten oder Winnenden kann die Debatte diesmal ruhig und sachlich geführt werden, anders als damals gibt es auch sehr viel weniger Fehlinformationen, es werden keine Genres durcheinandergeworfen und Inhalte in Spiele hineinphantasiert, die es dort gar nicht zu sehen gibt.

Inhalte kritisch hinterfragen

Darin liegt eine Chance: Denn natürlich kann und muss man Inhalte in Computerspielen auch kritisch hinterfragen - viele Spiele setzen immer noch auf brachiale Gewalt, auf Soldatenpathos und Hurra-Patriotismus und das wiederum wird auch von manchen Computerspielern kritisch gesehen. Computerspiele sind in den letzten Jahren erwachsen geworden und nun scheint endlich auch die Debatte über Computerspiele zu guter Letzt der Pubertät entwachsen zu sein.

Tipps für Eltern:

  • Fragen Sie Ihr Kind: Was sieht es sich gerne an und welche Computerspiele spielt es gerne? Dabei sollten Sie sich vom Kind oder Jugendlichen selbst erklären lassen, worin die Faszination liegt.
  • Geben Sie Orientierung: Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung - auch durch wirkliche Vorbilder. Eltern leben bestimmte Werte vor und sollten diese auch immer wieder thematisieren.
  • Reden Sie: Das Thema "Gewalt" immer wieder ansprechen: Eltern sollten mediale Gewalt oder Gewalt im Computerspiel zum Thema machen. Das kann Distanz schaffen, die notwendig ist, um gegen die aszination der Gewalt anzugehen.
  • Informieren Sie sich: Einen ersten Anhaltspunkt, für welche Altersgruppe zum Beispiel ein Film oder ein Computerspiel freigegeben ist, gibt die FSK-Freigabe. Eine Einordnung von Computrerspielen aus Pädagogensicht gibt folgender Link:

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Stefan, Donnerstag, 04.August, 19:37 Uhr

5.

Ist statt Amstetten möglicherweise Emsdetten gemeint? Kann mich nicht erinnern, dass es im Zusammenhang mit Fritzl eine Killerspiele-Diskussion gab.

Chris C, Dienstag, 26.Juli, 23:19 Uhr

4. Eine heiße Kartoffel

Die Debatte ist nicht einfach, sie wird manchmal etwas reflexhaft geführt. Ich habe keine Lösung, möchte aber auch noch einen Stichpunkt mit einbringen. Bei Killerspielen wissen die Jugendlichen, dass sie da etwas tun, was sie nicht sollten. Das bewahrt labile Menschen auch nicht davor, schädliche Verhaltensweisen anzunehmen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem gebührenfinanzierten Programm was den Ruf von pädagogischer Werthaltigkeit hat, was mit und ohne Eltern unbenklich angeschaut werden kann, werden Kindern und Jugendlichen unter dem Vorzeichen "alles in Ordnung" vielen brutalen Krimiserien, der Glorifzierung von Alkohol (Sport wird regelmässig in der Werbung mit Alkohol in Verbindung gebracht) und auch der fast voyeuristischen ewigen Wiederholung der Bilder von Attentaten etc. ausgesetzt. Alles wo man nicht bewusst drüber nachdenkt, geht ungefiltert und unbemerkt ins Unterbewusstsein über. Gerade weil ARD und ZDF als "in Ordnung" gelten, passiert das leider.

Peter, Dienstag, 26.Juli, 17:26 Uhr

3. Satire

Hallo?
Zitat : anders als damals gibt es auch sehr viel weniger Fehlinformationen, es werden keine Genres durcheinandergeworfen und Inhalte in Spiele hineinphantasiert, die es dort gar nicht zu sehen gibt.
Früher gab es auch keine Fehlinformationen... die Medien haben nur einfach totale Nichtskönner interviewt und die echten Zocker als psychopatische Massenmörderzeitbomben vorgeführt
Heute hat man den Vorteil das der Praktikant der den Artikel vorbereitet schon mal selber am PC gespielt hat und nicht einen Leitzordner durchblätern müssen.
Ok, doch Fehlinformationen... aber damals mit Absicht, heute hat man glücklicherweise Psychosen als besseres Alibi.

Ritzer S., Dienstag, 26.Juli, 14:07 Uhr

2. Gewalt Computerspiele

Die Gesellschaft macht es sich zu einfach, die Akzeptanz eines verbesserten Schmuddelimage verhindert in keinstet Weise, dass sich junge Erwachsene durch die Gewaltspiele bestätigt in aufgestauten Aggressionen fühlen. Als nächstes erlauben wir dann Waffenbesitz?
Wie viele Eltern nehmen sich nicht Zeit, zu beobachten, mit was sich Jugendliche beschäftigen, ich denke das sind einige.

Jürgen Krämer, Montag, 25.Juli, 15:56 Uhr

1. Killerspiele

Bevor es wieder zu dieser Killerspieldebatte kommt, bei denen sich ja die Forscher selbst nicht einig sind: glaubt irgendeiner unserer Politiker (Herr De Maiziere?) ernsthaft, diese syrischen Flüchtlinge, die aus einem Kriegsgebiet geflohen sind, saßen dort und haben den ganzen Tag vor dem PC "Killerspiele" gespielt? Draußen auf der Straße tobt der Bürgerkrieg und wer nicht als Militär dabei ist, sitzt zu Hause und spielt den Krieg am PC? Und dann kommen sie als Flüchtlinge zu uns und spielen weiter? Wollt ihr uns das Glauben machen? Dann empfehle ich allen Politikern dringend, Denkspiele zu spielen - denn wenn Computerspiele zur Krieg und Attentaten führen, müssten Denkspiele ja die Intelligenz stärken und zu klaren Gedanken führen.
Wie wäre es, statt mit blindem Aktionismus, bei dem man sich ja dann stolz auf die Schulter klopfen kann, weil man was getan hat (auch wenn es völlig an der Realität vorbei war), mit einem Waffenverbot für Privatleute?

  • Antwort von Babsi, Dienstag, 26.Juli, 07:27 Uhr

    Waffenverbot für Privatleute? Das ist ja auch völlig an der Realität vorbei!
    Klopfen Sie sich stolz auf die Schulter.

  • Antwort von Münchner1977, Mittwoch, 27.Juli, 06:42 Uhr

    Und warum sollen 1,5 Mio. Sportschützen, Jäger, Waffensachverständige und Büchsenmacher kriminalisiert werden, weil jemand mit ner illegalen Waffen Massenmord begangen hat?
    Der Fall München zeigt es wieder, die Hürden um eine legale Schußwaffe zu bekommen sind extrem hoch. Wer aber die nötige kriminelle Energie besitz findet einen Weg. Der Täter hat übrigens seit einem Jahr nach einer Glock im Darknet gesucht und über 2000 Euro für Waffe und Munition geboten. Auf dem legalen Markt kostet eine Glock 500Euro, 300 Schuß Munition keine 100.... Wer also so was vor hat, der schreckt vor nix zurück. Warum also wieder Mio. andere, gesetzestreue Bürger in Sippenhaft nehmen. Im Grunde ist das wie mit den Killerspielen. Millionen Menschen spielen das. Warum diesen das verbiete, weil ein paar aus ticken. Das Austicken hat andere Gründe...