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Gewalt gegen Kinder Smartphone als "ultimatives Tatmittel"

Die Zahlen von Gewalt gegen Kinder sind im Jahr 2016 erneut gestiegen. Kinderschützer und Behörden sind alarmiert. Sexueller Missbrauch erreicht durch Smartphones und soziale Netzwerke eine neue Dimension.

Von: Wolfgang Kerler

Stand: 13.07.2017

133 Kinder unter 14 Jahren wurden im vergangenen Jahr ermordet, totgeschlagen oder tödlich verletzt. Es waren drei mehr als im Vorjahr. Auch bei versuchten Mord- und Tötungsdelikten gab es einen Anstieg von 52 auf 78. Die Zahl der Opfer von Misshandlungen war 2015 leicht gesunken auf 3.950. 2016 stieg sie wieder an – auf 4.237. Das Bundeskriminalamt nennt die Zahlen "alarmierend".

"Kinder werden täglich Opfer von Gewalt und Misshandlung. Sie werden vernachlässigt, sexuell missbraucht und die Bilder des Missbrauchs im Internet veröffentlicht. Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist hierfür ein trauriger Beleg."

BKA-Präsident Holger Münch.

Sexuelle Gewalt: Bis zu eine Million Opfer

In Berlin stellte die Deutsche Kinderhilfe gemeinsam mit anderen Kinderschutz-Organisationen, Wissenschaftlern und Ermittlern die Kriminalstatistik zu kindlichen Gewaltopfern vor. Alle Anwesenden sahen großen Handlungsbedarf.

Fast 14.300 Kinder wurden 2016 aktenkundig Opfer sexueller Gewalt, fast 400 mehr als 2015 und in etwa so viele wie 2014. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Julia von Weiler vom Verein "Innocence in Danger" zitierte eine Studie der Universität Ulm. Demnach sind bis zu eine Million Kinder betroffen. Das wären zwei in jedem deutschen Klassenzimmer.

Soziale Netzwerke für Täter „paradiesisch“

Durch digitale Medien habe sexuelle Gewalt gegen Kinder eine neue Dimension gewonnen. Für Julia von Weiler ist das Smartphone „das ultimative Tatmittel“. Damit können Täter mit ihren Opfern permanent in Kontakt bleiben.

"Soziale Netzwerke, Online-Spiele, all das sind paradiesische Zugangsmöglichkeiten für Täter oder Täterinnen, weil sie in aller Regel dort schon ganz viele Informationen über die Kinder sammeln können, die sie, wenn sie das Kind anders kennenlernen würden, gar nicht erst hätten."

Julia von Weiler, Verein Innocence in Danger

Mehr Geld für Ermittler und Jugendämter

Die Forderung der Deutschen Kinderhilfe und der anderen  Kinderschutz-Experten: Höhere Strafen – und mehr Geld. Zum einen für die Strafverfolgungsbehörden, damit diese in der digitalen Welt besser ermitteln können, zum anderen für Jugendämter. Außerdem müsse man die Betreiber sozialer Netzwerke in die Pflicht nehmen, geschützte Räume für Kinder zu schaffen.  


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Kommentare

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Atze, Donnerstag, 13.Juli, 19:07 Uhr

5. Spürbar nah, aber weit weit weg...

In unserer Kinderzeit wäre Kindesmissbrauch eher aufgefallen.Sicherlich ist einiges im Dunkeln geblieben.
Heute hat der Täter freie Hand, er kann oft ohne seine Identität preiszugeben mit den Kindern Kontakt aufnehmen und wie beschrieben, ausbauen. Von den Kindern wird das unterschätzt, weil sie sich sicher fühlen. Die Sicherheit ist trügerisch, das sich das Kind verstrickt. Kürzlich tauschten sich zwei Mädchen im öffentlichen Raum lautstark aus. Verbotenes zieht an, war schon immer so.
Eltern und Schule müssen immer wieder in Abständen aufklären oder vertrauliche Gespräche führen.
Gespräche unter 4 Augen, wo gar nicht alles gleich an die grosse Glocke gegangen wird, sind oft zielführend. Kinder fühlen sich dann ernstgenommen. Hauptsache, die Kinder reden.Eltern sind gefordert.Vertrauen ist das Zauberwort. Ich finde auch, dass Eltern Grenzen setzen müssen.Da, im Vorfeld liegt auch der Hase im Pfeffer.

websaurier, Donnerstag, 13.Juli, 15:15 Uhr

4. Da fehlt was...


Mit dem Artikel kann man nicht viel anfangen...
Es fehlen die Vorjahreszahlen oder zumindest prozentuale Angaben der Veränderungen.
Der Anstieg könnte auch die Folge von erhöhter Sensibilität in der Bevölkerung sein. Das heißt die "Dunkelziffer" ist evtl. dadurch gesunken.
Und nicht zu vergessen: Es sind auch mehr Kinder...

Alles in Allem, auch ohne den nichtssagendem Artikel: Auch schon ein einziger Fall von Gewalt gegen Kinder ist einer zu viel !

birkhahn, Donnerstag, 13.Juli, 14:25 Uhr

3. Gewalt gegen Kinder

Die Kriminalität in Land nimmt zu. Die Gewalt gegen Kinder - auch Mord und Totschlag - erreicht eine neue Dinension. Jetzt muss uns der BR nur noch sagen, warum das so ist. Wenn man da was ändern will, muss man die Ursachen bekämpfen. Sonst wirds nix.

  • Antwort von Truderinger, Donnerstag, 13.Juli, 14:38 Uhr

    soziale Netzwerke, Online-Spiele...das wollen Sie vermutlich nicht hören, oder?

  • Antwort von Erich, Donnerstag, 13.Juli, 15:20 Uhr

    Dazu muss der Truderinger einfach mal nach unten scrollen. Da sind mehrere BR Artikel zum Thema.
    Wenn Du die dann gelesen hast, kannst Du Birkhahn antworten.

  • Antwort von Jörg, Donnerstag, 13.Juli, 15:24 Uhr

    Nimmt DIE Kriminalität echt zu? Laut dieses Artikels, nimmt die Gewalt gegenüber Kindern zu, was schlimm genug ist! Ich bitte genau zu lesen. So entstehen nämlich Vorurteile, ungute Stimmungen, Hetze, die Härtere, längere Strafen, mehr Gefängnisse, usw. fordert.

    So war auch der Weg in den USA, wo jetzt um die 5% der Bevölkerung hinter Gitter sitzt. Aber sicherer ist das Land nicht, eher das Gegenteil ist der Fall.

    Was richtig ist, die Ursachen müssen gesucht werden, wie z.B. Menschen die als Kind Opfer waren und jetzt zu Tätern werden (oft Männer), das Internet, das immer noch als rechtsfreier Raum verstanden wird und dessen unglaubliche Möglichkeiten von Tätern genutzt werden.

    Und wenn Ursachen gefunden und erforscht sind, müssen sie nätürlich bekämpft werden. Aber bitte kein blinder Hass und keine blinde Rache.

Erich, Donnerstag, 13.Juli, 13:17 Uhr

2. Traurig

und ein Schandfleck für dieses Land!

Jörg, Donnerstag, 13.Juli, 13:10 Uhr

1. Steigt die Gewalt und/oder wird mehr angezeigt

Gleich vornweg jede Gewalttat ist eine zuviel, besonders gegenüber schwächeren, schutzbefohlenen wie Kinder! Dabei stelle ich mir die Frage, ob mehr passiert, oder ob einfach mehr aufkommt, weil Kinder dies deutlicher zeigen, Fachkräfte geschult sind und Anzeichen nachgehen, oder, oder, oder ....

Wenn letzteres der Fall ist, sind wir auf dem richtigen Weg! Die Dunkelziffer muss weiter sinken!

Gleichzeitig ist der Artikel ein Plädoyer dafür, dass Internetnutzung ein Fach im Unterricht werden muß, neben Datenmissbrauch und Datenschutz, Internetsucht und Cybermobbing.

Bei solchen Artikel, werden schnell Forderungen wie Zwangskastration, einsperren und Schlüssel verlieren, oder sogar die Todesstrafe laut. Das ist für mich dabei keine Lösung, sie befriedigen nur unseren Wunsch nach Rache! Wir müssen uns dringend Gedanken um Programme gegen Pädophilie machen und für die betroffenen Kinder und inzwischen Erwachsenen. Wir brauchen mehr Mittel für Traumafolgenbekämpfung.