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Nach Homophobie-Vorwürfen München hält an Gergiev fest

München will an dem künftigen Chefdirigenten der Philharmoniker festhalten - auch wenn die Kritik an ihm nicht abreißt. Hunderte Aktivisten demonstrierten vor dem Konzert des Star-Dirigenten.

Stand: 19.12.2013

Waleri Gergijew | Bild: picture-alliance/dpa

In der Münchner Philharmonie gab Stardirigent Gergiev ein umjubeltes Konzert. Draußen gab es Proteste. Mehrere hundert Aktivisten der schwullesbischen Szene demonstrierten gegen die repressive Homosexuellenpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Rita Braaz, die Organisatorin der Kundgebung, appellierte an Valery Gergiev, sich eindeutig gegen "Menschenrechtsverletzungen und Morde an Schwulen in Russland" zu positionieren.

Diskussion im Stadtrat

Die Stadtspitze hält an dem russischen Dirigenten als künftigem Chef der Münchner Philharmoniker fest. Kulturreferent Hans-Georg Küppers sagte, er sehe nach Gergievs Klarstellungen vom Dienstag "absolut keinen Grund, den Vertrag nicht einzuhalten". Und Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erklärte, er halte die "missverständlichen" und "unglücklichen" Äußerungen Gergievs "im Wesentlichen für ausgeräumt". Ude betonte , dass die städtischen Antidiskriminierungsgrundsätze für alle Mitarbeiter verbindlich seien. Dies gelte auch für Gergiev.

Gergiev: "Unterstellungen treffen mich sehr"

Gergijew selbst versicherte inzwischen in einem Brief an den Kulturreferenten, sich an die Anti-Diskriminierungsrichtlinien der Stadt zu halten. "In meinem ganzen Berufsleben als Künstler habe ich überall auf der Welt nach diesen Grundsätzen gehandelt und werde es auch in Zukunft tun. Alle anderen Unterstellungen treffen mich sehr," schrieb er nach Angaben des Kulturreferates.

Gergiev gibt sich unpolitisch

Gergiev hatte am Dienstag in einer Pressekonferenz den Vorwurf zurückgewiesen, er habe Homosexualität und Pädophilie gleichgesetzt. "Das ist lächerlich", sagte er. Der Stardirigent wollte sich aber nicht zu dem umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetz in seiner russischen Heimat äußern. Der bei Homosexuellen-Initiativen international in die Kritik Geratene gab sich unpolitisch.

"Ich kenne dieses Gesetz nicht und ich will es auch nicht kennen. Ich habe das Gesetz nie unterstützt, weil ich es gar nicht verstehe."

Valery Gergiev

Die Proteste in New York und London habe er nicht wahrgenommen: "Das waren keine Demonstrationen, das waren nur ein paar Leute, ich persönlich habe keine Demonstranten gesehen." Er fokussiere sich auf die Musik und das Theater.

"Kinderschutz"?

Das von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz steht vor den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 in Sotschi international besonders in der Kritik. Die Vorschrift verbietet es, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu reden. Bürgerrechtler kritisieren, das Gesetz schüre Hass gegen Schwule und Lesben. Befürworter behaupten, das Verbot diene dem Kinderschutz.

Er arbeite ständig mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und sexueller Orientierung zusammen. Nie habe er deswegen jemanden diskriminiert. Von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der international wegen der diskriminierenden Gesetzgebung kritisiert wird, distanzierte sich Gergiev nicht, im Gegenteil, er lobte dessen Kulturpolitik.

Zeitung bestätigt Äußerungen

Die niederländische Zeitung "de Volkskrant" hatte dem Bayerischen Rundfunk schriftlich bestätigt, dass die bereits mehrfach zitierten Äußerungen in einem Interview Gergijews mit dem "Volkskrant" tatsächlich gefallen sind und auch von Gergiev autorisiert wurden. Demnach hat sich der Dirgent in dem Interview wie folgt geäußert:

"In Russland tun wir alles dafür, Kinder vor Pädophilen zu schützen. Dieses Gesetz richtet sich nicht gegen Homosexualität, sondern gegen Pädophilie. Aber eigentlich bin ich viel zu beschäftigt, um mich damit näher zu befassen."

Valery Gergiev, künftiger Chefdirigent der Münchner Philharmoniker

Mit ähnlichen Worten hat auch die politische Führung Russlands die Repression gegen Homosexuelle begründet.


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JCW, Freitag, 20.Dezember, 16:14 Uhr

12. Der Arme!

Sehr dankenswert, dass Sie den letzten Satz von Herrn Gergiev aus dem Interview auch noch drangelassen haben. Das sagt doch alles. Und dann sollte es doch reichen, ihn darauf hinzuweisen, dass die Meinungsfreiheit hier bei uns auch stark eingeschränkt ist. Man sollte insbesondere von manchen als politisch unkorrekt empfundene Äußerungen besser lassen, weil man damit den Krawallmachern nur in die Hände spielt. Er kann dann seine Schlüsse, ob in einer solchen Meinungskratur leben und arbeiten will, selber ziehen.

chrissie, Donnerstag, 19.Dezember, 17:05 Uhr

11. sogenannte Homophobie

Sind hier eigentlich alle verrückt geworden?
Hat sich schon mal jemand mit dem Inhalt dieses Gesetzes befasst?
Demnach ist es verboten, Homosexualität in der Öffentlichkeit zu bewerben - zum Schutze Minderjähriger.
Ist es wirklich ein tiefgreifender kultureller Verlust, wenn Jugendliche irgendwelche irrsinninge, mit Drogen voll gepumpte, nackten Homosexuelle bei irgendwelchen 'Love Parades' (hat mir bis heute niemand erklären können, was das mit Liebe zu tun hat) NICHT zu Gesicht bekommen, oder Männer, die sich vor laufender Kamera begrabschen?
Echt!

  • Antwort von towalis, Sonntag, 22.Dezember, 10:45 Uhr

    Es geht keineswegs "nur" ums "bewerben" - man darf ja in der Öffentlichkeit nicht mal darüber reden, obwohl genau das dabei helfen kann, noch immer bestehende Vorurteile abzubauen. Inwiefern das Minderjährigen schaden kann, erschließt sich mir allerdings überhaupt nicht. Ich habe noch nie von einem Fall gehört, in dem ein Junge schwul (oder ein Mädchen lesbisch) geworden ist, nachdem er (bzw. sie) irgendwelchen Ausführungen zu der Thematik lauschte.
    Aber wenn man Homosexuelle nur wahrnimmt, wenn sie irrsinnig auf der Love Parade mit Drogen vollgepumpt nackt herumtanzen, dann stimmt da etwas nicht - es sind nämlich auch Heterosexuelle, die sich mit Drogen vollpumpen und (teilweise) entkleiden, jawohl. Und Homosexuelle können auch Frauen sein, nicht wahr? Hier benutzt man zwar statt "schwul" den Begriff "lesbisch", aber homosexuell sind sie dennoch. Und es sind auch lesbische und (!) nicht lesbische Frauen, die zur Love Parade gehen (bzw. gegangen sind). Allerdings nehmen nicht alle Drogen, egal ob männlich oder weiblich - aber wo wären wir nur ohne unsere Vorurteile ...

umuc, Donnerstag, 19.Dezember, 14:05 Uhr

10. Schlappe für die Stadt

Tja, mit diesem Holzkopf hat die SPD wohl ins PR-Klo gegriffen. Der Musiker wird seine Qualitäten haben, ein feinsinniger, politisch korrekter Künstler westlicher Bauart ist er nicht. Das kann man kritisieren, wenn man der zuständige Steuerzahler ist. Alternativ könnte man jedoch Aussagen genauer studieren und zur Bewertung kommen, dass der Mann schlicht eine Meinung vertritt, die Liberalen zu weit geht. Das aber muss möglich sein in einer offenen Gesellschaft. Wir reden doch immer davon, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrschen muss und werden dabei vom Grundgesetz bestärkt. Von steter Political Correctness steht aber nichts darin. Also: Ich kann (übrigens als Schwuler) mit dieser Besetzung leben, weil sie mich nicht interessiert. Der Mann kann von mir aus Autogrammkarten von Putin verteilen - es ist seine Sache. Ich nehme mir ja auch raus, manche Gruppierungen zu meiden, da ich sie nicht mag oder gar abstoßend finde. Also - wenn wir das nicht aushalten, wo ist dann die Libertas Bavariae?

airport, Donnerstag, 19.Dezember, 13:13 Uhr

9. tolerant?


Leute die eindeutige nationalistische Töne von sich geben, und Handlungen billigen,die mit Demokratie nichts zu tun haben sollten doch nicht noch von unseren Steuergeldern profitieren.

Josef Rödl, Donnerstag, 19.Dezember, 09:56 Uhr

8. Ein Trauerspiel

Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird bei uns das Wort "Homophobie" zum Wort des Jahres gewählt. Homosexuelle und deren Interessensvertretungen wie z.B. "Rosa Liste" bringen es noch soweit, ganz normale, liberale Menschen gegen sich aufzubringen, weil diese sich einer gesellschaftlichen Straftat schuldig machen: Sie distanzieren sich nicht aktiv von Homophobie in ihrem Alltag.

Um nichts anderes handelt es sich bei der derzeitigen Hysterie um Waleri Gergijew. "Zeige mir deine Freunde und ich sage dir welcher Mensch du bist!" Dieser typisch deutsche Schnüffelslogan kommt wieder einmal zum Einsatz, um einen nicht ausdrücklich ausgewiesenen Freund der Homosexuellen öffentlich zu diskreditieren.

Man könnte derartiges Verhalten bereits wieder als Homophobie-Phobie der Homosexuellen bezeichnen. Deutsche können offensichtlich nur in Extremen denken und handeln, da machen auch die ach so liberalen Homosexuellen keine Ausnahme.

Ein Trauerspiel!

  • Antwort von umuc, Donnerstag, 19.Dezember, 14:26 Uhr

    Lieber Herr Rödel,
    "DIE Homosexuellen" gibt es nicht als homogene Masse. Es gibt wertkonservative, linke, rechte, linksextreme, rechtsextreme, alternative, anarchische, liberale, neoliberale, gläubige, atheistische, vernünftige, unvernünftige, gebildete, ungebildete, schlaue, blöde, schöne und hässliche Schwule. Und viele haben nur eines gemeinsam: Dass sie sich für das gleiche Geschlecht interessieren. Sie, Herr Rödel, reduzieren Schwule und Lesben aber genau auf das. Das ist zulässig, da es Ihre Meinung ist. Es ist aber auch töricht, da Sie mit Ihrer Darstellung, (alle) Homosexuelle dächten und handelten nur in Extremen, unzulässig verallgemeinern. Ich glaube aber nicht, dass Sie so ignorant sind. Ich glaube vielmehr, dass Sie Schwule und Leben schlicht und ergreifend nicht mögen - was natürlich Ihr gutes Recht ist. Aber schreiben Sie es doch bitte einfach, dann haben wir wenigstens klare Fronten.

  • Antwort von Josef Rödl, Donnerstag, 19.Dezember, 17:17 Uhr

    Liebe(r) umuc,

    was sie aus meinem Kommentar alles herauslesen verwundert mich doch sehr. Ich habe gar nichts gegen Homosexuelle WEGEN IHRER SEXUALITÄT, kenne sogar einige sehr angenehme Schwule. Ich habe allerdings sehr viel gegen Zeitgenossen, welche andere mit ihrer Weltanschauung bzw. ihrer Lebensart indoktrionieren wollen und hierzu zählt für mich auch der aktuelle Fall.
    Mein Hauptvorwurf geht auch dahin, dass hier Herr Gergijew angegriffen wird, weil er angeblich Herrn Putin zum Freund hat. Dieser indirekte Vorwurf einer Homophobie von Herrn Gergijew hat für mich eben schon starke Züge einer Eigenphobie der "Steinewerfer".