2

Kunstfälscher am Werk Die schwierige Suche nach den falschen Schönheiten

Kunstgutachter gehen davon aus, dass zwischen 30 und 40 Prozent aller Kunstwerke gefälscht sind. Beim LKA Bayern gibt es eine von vier bundesweit tätigen Abteilungen für Kunstfälschungen – Mira Barthelmann hat sie besucht.

Von: Mira Barthelmann

Stand: 20.04.2017

Farbenfrohe Ölgemälde an den Wänden, Kohle-Skizzen auf dem Schreibtisch und ein 50 Kilogramm schweres, vermeintlich antikes Relief aus Marmor – Elisabeth Zum-Bruchs Arbeitswelt besteht aus falschen Schönheiten. Die Kriminalhauptkommissarin ist beim LKA zuständig für Sonder- und Kunstermittlungen. All die gefälschten Werke in ihrem Dienstzimmer sind bei Hausdurchsuchungen konfisziert worden – so wie die beiden Ölgemälde, die als Werke der Klassischen Moderne an unwissende Kunden verkauft wurden.

"Hier wurde ein Herrmann Pechstein gefälscht und ein Erich-Heckel-Gemälde. Diese Gemälde wurden in Tschechien gemalt von einer jungen Dame. Und dann wurden diese Sachen über einen Mittelsmann nach Niederbayern gebracht."

Elisabeth Zum-Bruch, Kriminalhauptkommissarin

Die Abnehmer wurden am Ende um über eine Million Euro betrogen. Einer von knapp 1.000 Fällen, bei denen das LKA in den letzten fünf Jahren gefahndet hat.

Kunstwerke als Wertanlage

Der internationale Kunstmarkt boomt wie noch nie – mehr als 40 Milliarden Euro werden jährlich umgesetzt. Viele Käufer betrachten Kunst als Wertanlage. Mit Fälschungen will natürlich niemand etwas zu tun haben. Amtliche Statistiken gibt es in dem abgeschotteten Markt nicht. Katrin Stoll vom renommierten Münchner Kunstauktionshaus Neumeister ist trotzdem überzeugt: Die Wahrscheinlichkeit auf dem offiziellen Kunstmarkt aufzufliegen, ist sehr groß:

"Wir sind Profis. Meine Mitarbeiter, das sind allesamt Kunsthistoriker, der größte Teil promoviert. Wir arbeiten beinahe alle 20, 25 Jahre im Handel, in der Praxis. Und da ist die Erfahrung natürlich schon ein ganz wichtiges Ausgangskriterium."

Katrin Stoll, Kunstauktionshaus Neumeister

Im Zweifel werden Einlieferer, die etwas verkaufen möchten, lieber abgewiesen. Die Kunsthändler sind auf einen guten Ruf angewiesen. Wer mit falschen Meistern Geschäfte macht, ist schnell verbrannt.

Handel im Internet blüht

Im Internet dagegen blüht der Handel mit vermeintlich echten Kunstobjekten – unerfahrene Kunden können kaum beurteilen, was ihnen dort angeboten wird. Martin Pracher vom Verband der Kunstsachverständigen geht davon aus, dass jedes dritte Werk eine Fälschung ist.

"Es ist nicht so, dass die Werke in den Auktionshäusern zwangsläufig 30 Prozent, 40 Prozent Fälschungen sind. Aber, wenn man sich das in Bereichen anschaut wie der Grafik zum Beispiel oder der Antiken, da ist das dann durchaus so, dass in Untersuchungen sich die Information bestätigt. Gerade im Niedrigpreissektor bis 5.000 Euro in etwa. Wo einfach nicht untersucht wird. Und da rutscht einfach Vieles durch."

Martin Pracher, Verband der Kunstsachverständigen

Pracher fertigt hauptsächlich Expertisen für Privatsammler an. Stößt er bei seinen Untersuchungen auf etwas Verdächtiges, steckt er berufsbedingt in einem Dilemma:

"Wir unterliegen in unserer Arbeit einer strikten Schweigepflicht. Das heißt, wenn wir ein Objekt im Kundenauftrag überprüfen und herausfinden, dass das eben eine Fälschung ist, dann wird das dem Kunden selbstverständlich in einer Dokumentation mitgeteilt. Wie der Kunde mit dieser Information dann umgeht, das entzieht sich dann natürlich unserem Wissensstand."

Martin Pracher, Verband der Kunstsachverständigen

Erst wenn das Werk irgendwann wieder im Handel auftaucht, können die Kunstsachverständigen den Behörden einen Tipp geben. Und dann schlagen die Kunstermittler zu und die Fälschung landet beim LKA.


2

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Raki, Freitag, 21.April, 05:34 Uhr

2. Kunstfälscher am Werk

Das größte Problem sind doch die ''Halbgötter'' Gutachter. Keiner kauft ein teures Gemälde ohne Gutachten.

Wolfgang Schönfelder, Donnerstag, 20.April, 22:25 Uhr

1. Wieso Fälschungen?

Wer mehr für ein Kunstobjekt bezahlt als vom Arbeitsaufwand, Ästethik oder Gefallen wert ist in der Hoffnung noch einen Verbisseren Fan zu finden der nochmehr für eine "Reliquie" statt kunstobjekt zahlt wird moralishc zu recht über den Tisch gezogen.

Entweder gefällt mir "Wahrhols" Konservendose um sie für 75,99€ an die Wand zu hängen oder lasse es bleiben. wer 7599€ stattdessen ausgibt hat zuviel Geld.

PS.:

Lebende Künstler die solide ihr Kunsthandwerk ausüben, werden fast nie durch Fälschungen ( besser formuliert Nachahmungen ) geschädigt.