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14. Februar, Valentinstag Die Liebe in Zeiten des Kommerz

Herzchen, Küsschen, Blümchen - am 14. Februar gehört das wohl alles dazu. Doch was ist der Valentinstag wirklich, ein romantischer Tag oder unnnötige Geschäftemacherei? Fest steht: Das Marketing unter dem Deckmantel der Liebe funktioniert bestens.

Von: Sandra Demmelhuber

Stand: 14.02.2016

Geschichte des Valentinstages

Benannt ist der Tag vermutlich nach Valentin von Rom, der im 3. Jahrhundert Liebespaare trotz des Verbotes durch Kaiser Claudius II. nach christlichem Ritus getraut haben soll. Die Ehen dieser Paare standen der Überlieferung nach unter einem besonders guten Stern. Valentin von Rom soll den Paaren auch Blumen aus seinem Garten übergeben haben. Auf Befehl des Kaisers wurde er jedoch am 14. Februar 269 enthauptet. Ab dem 15. Jahrhundert wurden in England sogenannte "Valentinspaare" gebildet, die sich gegenseitig kleine Geschenke oder Gedickte schickten. Englische Auswanderer nahmen den Brauch anschließend mit in die Vereinigte Staaten, durch US-Soldaten kam er nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland. Allgemein bekannt wurde der "Valentinstag" in den Wirtschaftswunderjahren der Bundesrepublik durch die verstärkt eingesetzte Werbung der Blumenbranche.

"Verzeihen Sie, dass ich schon wieder allerley Zeug schicke", schrieb Goethe im Jahre 1772 in einem seiner fast 2.000 Briefe an Charlotte von Stein. Heute, in Zeiten, in denen Liebespaare höchstens noch via WhatsApp schriftlich kommunizieren, sind romantische Beilagen wie Aquarelle oder Haarlocken reichlich aus der Mode geraten. Allenfalls die Blumen sind geblieben - wenn auch nicht mehr getrocknet.

Einmal im Jahr, rund um den 14. Februar, kommen sie dafür in überdimensional großen Sträußen daher. Zur einzigen Zeit, in der Männer mehr Blumen kaufen als Frauen.

Und wer für seine bessere Hälfte keine roten Rosen regnen lässt, gilt gemeinhin als unromantischer Valentinsmuffel. Das wollen natürlich die wenigsten sein - und das weiß auch die Werbebranche, allen voran die Blumenindustrie. Denn Schnittblumen sind hierzulande noch immer das beliebteste Valentinstagsgeschenk.

"Mitten ins Herz"

"Mit einem wundervollen Blumenstrauß zum Tag der Liebe treffen Sie mitten ins Herz", mit diesen Worten wirbt der weltweit führende Blumenlieferdienst auf seiner Homepage. Die vorgefertigten Kollektionen "Du bist mein Schatz!" oder "Du bist die Liebe meines Lebens" sollen die Herzen auf Bestellung höher schlagen lassen - schon ab 25 Euro. Wer gerne mehr will - auch am Valentinstag - kann sich das Premiummodell "LOVE" liefern lassen, für satte 175 Euro. "7-Tage-Haltbarkeitsgarantie" inklusive.

Dabei sind Blumen am Valentinstag besonders teuer. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes kosteten Schnittblumen im Februar 2015 fast acht Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt. Und nicht nur die Blumenindustrie profitiertiert von den sprunghaft ansteigenden Verkaufszahlen vor dem 14. Februar, auch die Schmuck- und Parfümhändler sowie die Süßwarenbranche erwarten satte Umsatzanstiege.

Wie wird der Valentinstag in anderen Ländern gefeiert?

Japan

In Japan nehmen junge Mädchen den 14. Februar zum Anlass, ihren Angebeteten selbstgemachte dunkle Schokoloade zu schenken. Dafür bekommen sie dann genau einen Monat später, am "White Day", weiße Schokolade als Gegengeschenk.

Südkorea

In Südkorea gibt es zusätzlich zum Valentingstag und "White Day" noch den "Black Day": Wer am 14. Februar und am 14. März leer ausging, betrauert dies am 14. April mit einer Portion Nudeln mit schwarzer Soße.

Brasilien

In Brasilien wird der Tag der Liebenden (Dia dos Namorados) am 12. Juni gefeiert. Dabei machen sich Liebespaare kleine Geschenke.

Italien

In Italien treffen sich Liebespaare am Valentinstag oft an Brücken. Dort werden "Liebesschlösser" angebracht, auf denen die Initialien und das Datum eingraviert sind. Die Liebenden werfen anschließend jeder einen Schlüssel ins Wasser und wünschen sich dabei, die ewige Liebe gefunden zu haben.

Finnland

In Finnland wird der Valentinstag als "Freundschaftstag" gefeiert. Dabei verschickt man - meist anonym - Karten oder überreicht kleine Geschenke an diejenigen, die man symphatisch findet.

Lettland

Freie Fahrt bei Kuss im Bus: In der lettischen Hauptstadt Riga gibt es an Valentinstag freie Fahrten für küssende Paare. Wer sich heute vor den Augen des Busfahrers einen Kuss gibt, darf kostenlos mitfahren. Allerdings gilt das Angebot nur für heterosexuelle Paare.

Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien gibt es nach islamischen Recht keinen Valentinstag. Aus diesem Grund ist der Kauf von Dingen, die sich als Geschenk eignen, einige Tage vorher verboten, so zum Beispiel rote Rosen.

Thailand

In Thailand ist der Valentinstag zwar nicht verboten, es wird aber darauf geachtet, dass in der Öffentlichkeit keine Zärtlichkeiten ausgetauscht werden. Da die meisten Jugendlichen den Tag trotzdem feiern, gibt es heute in Bangkok ab 22 Uhr eine Ausgangssperre für Minderjährige.

Was viele nicht wissen: Mit den romantischen Blümlein aus Goethes Zeit haben die Sträuße von heute nichts mehr zu tun. Denn die meisten Schnittblumen, die in dieser Jahreszeit in Deutschland verschenkt werden, wurden über die Niederlande aus Entwicklungsländern importiert. Das bedeutet nicht nur, dass viele Arbeiter in Kenia, Äthiopien oder Kolumbien ausgebeutet und durch Pestizide vergiftet werden, die Blumen reisen auch erst einmal um die ganze Welt, bevor sie pünktlich zum Valentinstag auf dem Frühstückstisch landen.

Bei der Liebe gehts auch um die Wurst

Wem nun die Lust auf einen Blumenstrauß vergangen ist, aber dennoch mit einer kleinen Gabe aufwarten möchte, dem sei noch einmal Goethe empfohlen: Der schickte seiner Charlotte nämlich nicht nur getrocknete Blümlein und Haarlocken, sondern zuweilen auch mal eine Wurst. "Das Wurst Andencken" kam bei seiner Angebeteten besonders gut an. Und eine Wurst zum Valentinstag, das wäre mal wirklich originell.


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Barbara, Sonntag, 14.Februar, 14:01 Uhr

1. Der Hl. Valentin lebte um 350 in Rom

und wird seit dem 4. Jahrhundert am 14. Februar als Patron der "Bienenzüchter und Verliebten" verehrt.