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Tarifverhandlungen bei den Gebäudereinigern Wann schließt sich die Lücke zwischen Ost und West?

Auch fast 27 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wird in vielen Tarifverträgen zwischen Ost- und Westlohn unterschieden. Das Gebäudereiniger Handwerk gehört dazu. Das belastet auch in diesem Jahr die Tarifrunde für die rund 600.000 gewerblich Beschäftigten. Heute gehen die Gespräche in Frankfurt weiter.

Von: Birgit Harprath

Stand: 20.06.2017

Putzutensilien in einem Gang | Bild: picture-alliance/dpa/Jens Büttner

Böden fegen, Teppiche saugen, Toiletten reinigen: eine Putzkraft mit Einsatzort im Westen bekommt dafür zur Zeit mindestens zehn Euro Lohn in der Stunde – im Osten sind es 9,05 Euro. Eigentlich hatten die Tarifparteien sich darauf verständigt, die Lücke bis 2019 zu schließen. Doch die Arbeitgeber haben letztes Jahr einen entsprechenden Tarifvertrag aufgekündigt. Die Frist sei nicht zu halten, die Ostbetriebe damit überfordert und die Lücke wegen unterschiedlicher Lebenshaltungskosten nach wie vor gerechtfertigt.

Die Zeit zum Verhandeln wird knapp

Das sieht die Gewerkschaft anders. Sie hält an dem Ziel 2019 fest – im Osten der Republik täten sich viele Gebäudereiniger schwer, für 9,05 Euro eine qualifizierte Kraft zu finden. Auch mit ihrer Forderung von einem Euro mehr pro Stunde löst die IG BAU bei den Gebäudereinigern wenig Begeisterung aus. Wie hoch die sich ein Lohn- Plus vorstellen könnten, ist noch offen. Ein Angebot wird es heute beim zweiten Treffen vermutlich nicht geben, so ein Sprecher der Innung. Zunächst müsse die IG BAU genau definieren, wie hoch das von ihr geforderte Weihnachtsgeld sein soll.

Bisher sieht der Tarifvertrag keinen Sonderbonus vor. Allzu viel Zeit zum Verhandeln haben beide Seiten nicht mehr. Denn die unterste Lohngruppe, in der der größte Teil der Mitarbeiter eingestuft ist, soll vom Bundesarbeitsministerium wieder für allgemeinverbindlich erklärt werden. Die jetzige Regelung läuft zum Jahresende aus.

  • Birgit Harprath | Bild: BR/Julia Müller Birgit Harprath

    BR-Expertin für Tarifpolitik und Arbeitswelt. Redaktion Wirtschaft und Soziales


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