9

Umzug wegen Sanierung Kulturzentrum Gasteig bald am Heizkraftwerk Süd?

Wenn der Münchner Gasteig ab 2021 für mehrere Jahre saniert wird, sollen Stadtbibliothek, Volkshochschule und Philharmonie auf einem ehemaligen Industriegelände im Stadtteil Sendling unterkommen. Der Aufsichtsrat des Gasteigs hat sich für die Pläne ausgesprochen.

Von: Antje Dörfner

Stand: 13.09.2017

Das Gasteig-Ausweichquartier am Standort Sendling aus der Vogelperspektive | Bild: © Allmann Sattler Wappner Architekten

Die Konzerte aus der Philharmonie im Gasteig sollen während der Sanierung in einem Holzbau stattfinden, der dann extra für diesen Zweck auf einem früheren Industriegelände am Heizkraftwerk Süd im Stadtteil Sendling errichtet wird. Und zwar direkt neben einer denkmalgeschützten Backstein-Trafohalle. Sie soll zum Foyer für die Konzertbesucher werden – und auch zur zentralen Anlaufstelle.

Umziehen müssen auch die Münchner Stadtbibliothek, die Volkshochschule und Teile der Musikhochschule. Das Areal gehört den Münchner Stadtwerken. Die derzeit rund 70 Mieter auf dem Gelände haben im Rahmen einer Zwischennutzung jederzeit kündbare Verträge. Einige der Mieter sollen möglicherweise bleiben können.

Stadtrat soll noch heuer über Ausweichquartier entscheiden

Demnächst im Holzbau? Philharmonie im Gasteig

Nach der Empfehlung des Aufsichtsrats soll der Münchner Stadtrat noch in diesem Jahr über das Ausweichquartier entscheiden. Ähnliche hölzerne Ausweichquartiere für Opern und Konzerte gibt es beispielsweise bereits in Genf und Zürich. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks äußerte sich bereits der größte private Konzertveranstalter MünchenMusik sehr zufrieden mit der Lösung.

Bisherige Mieter fürchten Existenzvernichtung

So soll es aussehen, das Gasteig Ausweichquartier in Sendling

Hingegen befürchten die bisherigen Mieter des Stadtwerke-Geländes in Sendling, dass hier Existenzen vernichtet würden, sagte der Fotograf Mirco Taliercio dem Bayerischen Rundfunk. Taliercio betreibt seit 14 Jahren auf dem Areal am Heizkraftwerk Süd ein Fotostudio und ist einer der gewählten Mietervertreter. Über das Ergebnis der Aufsichtsratssitzung ist Taliercio telefonisch vom Gasteig informiert worden.

Der Fotograf geht davon aus, dass aufgrund des vom Gasteig angegebenen Platzbedarfs auf dem Sendlinger Gelände kein Platz mehr bleibe für die derzeitigen Mieter. Der Gasteig wolle auf dem Gelände eine Maximallösung, so Taliercio.

Grüne im Stadtrat fordern Kompromisslösung

Die beiden Fraktionsvorsitzenden der Münchner Stadtrats-Grünen Florian Roth und Gülseren Demirel warnen vor einer "tabula rasa"-Lösung auf Kosten der Bestandsnutzer und fordern, gemeinsam mit den auf dem Gelände ansässigen Künstlern und Gewerbetreibenden nach Lösungen zu suchen. Die Grünen wollen die Vielfalt auf dem Areal erhalten und das Gelände zu einem Kreativquartier weiterentwickeln. "Solche Orte haben eine kulturelle Bedeutung - die Stadt darf sie nicht einfach plattmachen", so Gülseren Demirel.


9

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Wolfgang, Donnerstag, 14.September, 16:20 Uhr

2. Was ist denn am aktuellen Gasteig so baufällig?

Bei der Eröffnugn wurde es als toll gelobt, inkl. de sKonzertsaales. Die vielen einzelnutzungsräume leissen sich bestimmt auch einzeln neu anstreichen, ggf. mit Beamer nachrüsten.

Ist die Biblothek absolut "unmöglich" aus Brandschutzgründen? Wenn dann müsste sie sofort geschlossen werden! We heute es verantwortbar ist daß Personen sie nutzen, dann auch in 10 oder 20 Jahren, papier wird im Jahre 235 auch nicht feeurgefährlicher. Ggf. schlimm Brandgase freisetzende Teppichböden, Gardienen und Regale kann man auch ohne jahrelange Schließung auswechseln.

Wurde vor 30 jahren dumm-doof gebaut? Die Stiftsbiblothek in Sankt Gallen ist wie vor Jahrhunderten gebaut nutzbar.

Mihe, Donnerstag, 14.September, 09:27 Uhr

1. Gasteig - Provisorium

Da sieht man einmal wieder, wie problematisch der "Zwischenumzug" des Gasteig wird.
Die zwei größten Probleme ist der richtige Platz, weil der Gasteig soll ja das kulturelle Zentrum im Zentrum Münchens sein und bleiben.
Die andere Geschichte ist der enorme Platzbedarf - der Gasteig ist kein Tante Emma-Laden.
Es wäre natürlich sehr schade, wenn die derzeitigen Mieter dem Gasteig-Provisorium zum Opfer fallen (ich bin oft und gerne in diesem Viertel unterwegs).
Die Frage ist für mich auch: was wird aus dem hölzernen Provisorium, wenn der Gasteig nach der Renovierung wieder bezugsfertig ist?
Hoffen wir einmal, dass es den Verantwortlichen gelingt, einen guten, passenden Standort zu finden.