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Fronleichnam Friedliche Großdemo in München

34.000 Menschen haben am Donnerstag in der Münchner Innenstadt demonstriert. Es kamen weit mehr als erwartet und es blieb friedlich. Kanzlerin Merkel würdigte die friedlichen Kundgebungen als Zeichen einer lebendigen Demokratie.

Stand: 05.06.2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in friedlichen Demonstrationen gegen den G7-Gipfel in Bayern eine Bereicherung der Demokratie. Zugleich warb sie bei den Gipfel-Gegnern um Verständnis, dass die Staats- und Regierungschefs zu solchen Beratungen zusammenkommen.

"Wir haben in der Geschichte Europas gesehen, wohin es geführt hat, wenn nicht gesprochen wurde."

Bundeskanzlerin Merkel.

Die Staats- und Regierungschefs der USA, von Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien müssten "in einer Welt voller Konflikte die Möglichkeit haben, auf einem solchen Gipfel miteinander zu beraten".

Die CDU-Chefin sagte: "Wir haben viel getan, um auf die Menschen zuzugehen, die sich kritisch mit der Globalisierung auseinandersetzen." Wenn es jetzt im Umfeld des Gipfels Kundgebungen und Alternativveranstaltungen gebe, dann sei das auch Zeichen einer lebendigen Demokratie. Das Demonstrationsrecht sei ein hohes Gut und werde auch bei einem G7-Gipfel gewährleistet. Gewalttätiger Protest werde aber nicht akzeptiert.

"Es gibt auch Menschen, die nicht Inhalte kritisieren wollen, sondern den Staat und seine Sicherheitskräfte mit Gewalt herausfordern. Dagegen muss die Polizei im Interesse der Sicherheit vorgehen."

Bundeskanzlerin Merkel.

34.000 demonstrieren in München

Im Mittelpunkt der Proteste standen das Gipfeltreffen auf Schloss Elmau und das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Die Teilnehmer machten ihrem Ärger Luft: Gipfelkosten, Schiedsgerichte, Klima-Katastrophe, Hunger in der Welt oder Gentechnik waren die Themen, die die Demonstranten bewegten. Zu dem Protest in München hatten diverse Parteien und Nichtregierungsorganisationen aufgerufen.

Rund 3.000 Polizisten waren im Einsatz, doch eingreifen mussten sie nicht: Die Lage vor Ort glich eher einem Bürgerfest.

"Es ist ein schöner, bunter Zug. Es ist alles friedlich. Das ist schön zu sehen"

Der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Wolfgang Wenger

Größtes Problem waren die hohen Temperaturen. Die Hitze machte nicht nur einigen Demonstranten, sondern auch den Sicherheitskräften zu schaffen. Die Feuerwehr kam da vielen Demonstranten zu Hilfe und öffnete einen Hydranten, Polizisten verteilten Trinkbecher.

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Auch einige Politiker nahmen an der Demo teil: Der Linken-Politiker Klaus Ernst sagte mit Blick auf TTIP: "Das brauchen nur die großen Konzerne." Ein anderes Thema bei der Kundgebung war der Kampf gegen die Erderwärmung. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter verlangte vom G-7-Gipfel Ergebnisse. Die Regierungen müssten endlich konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz auf den Weg bringen.

"Eine Macht, wie sie kein Kaiser je hatte"

Nicht nur gegen das G7-Treffen protestieren, sondern selbst Vorschläge für eine bessere Weltwirtschaftsordnung machen – das war das Motto des "Gipfels der Alternativen". Als Redner trat auch der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, auf. Er sagte, die wahre Macht sitze in den Chefetagen internationaler Großkonzerne.

"Die haben eine Macht, wie sie kein Papst, kein Kaiser je hatte."

Jean Ziegler über transnationale Konzerne

Die Folgen einer konzerngetriebenen Politik zeigten sich an den Hungertoten weltweit.

"Wer glaubt, dass in Elmau souveräne und unabhängige Regierungschefs zusammenkommen, der irrt sich. ... Jedes Kind, das heute verhungert, wird ermordet ... In den vergangenen Jahren verdoppelte sich der Weizenpreis wegen Hedgefundspekulationen. ... Ich höre das immer wieder: Ich kann nichts tun. Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. ... Nahrungsmittelspekulation kann morgen verboten werden - durch einen demokratischen Beschluss."

Jean Ziegler

Oxfam: Soziale Ungleichheit erzeugt Extremismus

Andere Redner prangerten die soziale Ungleichheit rund um den Globus an. Die sei "weltweit der Nährboden für Exremismus", erklärte Jörn Kalinski von der Hilfsorganisation Oxfam:

"Eine Gruppe von Menschen, die in einen Reisebus passt, besitzt genauso viel, wie 3,5 Milliarden Menschen."

Jörn Kalinski, Oxfam

Zwischenfall am Hauptbahnhof

Für einen kleineren Zwischenfall sorgten zwei Aktivisten am Hauptbahnhof: Sie kletterten an der Galerie nach oben und entrollten ein Plakat gegen den G7-Gipfel. Die Bahn ließ die Aktion zunächst zu, doch dann kamen Kletterer der Bundespolizei zum Einsatz: Sie holten das Plakat samt den Aktivisten wieder nach unten.


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Demokrat, Montag, 08.Juni, 17:36 Uhr

59. Lobbyisten der Großkonzerne wurden nicht demokratisch gewählt

Es gibt viel zu viele Lobbyisten aus der Wirtschaft zu nahe an der Politik, darum waren auch HGÜ-Trassengegner Süd-Ost bei der Demo. Das Volk will nicht, dass Großkonzerne Politik machen können und ohne Rücksicht auf die Bevölkerung (egal wo) Menschen ausbeuten oder ihr Lebensumfeld gefährden können, nur um den Gewinn zu optimieren. Dazu gibt es unzählige Beispiele. Wir wollen, dass unsere gewählten Politiker zum Wohle der Menschen Entscheidungen treffen und nicht nur zum Wohle der Großkonzerne und deren Investoren. Grundsätzlich wäre gegen ein Treffen von Regierungschefs nichts einzuwenden, allerdings ist zu befürchten, dass auch hier der Einfluss von Wirtschaftslobbyisten zu groß ist. Warum sonst wird z.B. über TTIP geheim verhandelt?

M.Brinkmann, Samstag, 06.Juni, 22:48 Uhr

58. G 7 Schloss Elmau

Eigentlich meckern viele über den G 7 Gipfel im Werdenfelser Land. Besonders die Einheimischen, ob Garmischer oder Partenkirchner schimpfen um die Wette.
Seit Glücklich, Klais ist erneuert, die Straßen frisch geteert und viele Blumen sind gepflanzt worden.
Des weiteren kennt nun alle Welt, dass schöne Garmisch bis Klais. Wo gibt es schon so viel Werbung, die der Steuerzahler finanziert. Also liebe Werdensfelser, seit
zufrieden und geniesst die Aufmerksamkeit.

Klarformulierer, Freitag, 05.Juni, 17:34 Uhr

57. Verwechselt ruhig immer weiter Ursache und Wirkung...

Dieser Ziegler ist ein unverbesserlicher Idealist! Wenn es ein Mord ist, wenn ein Kind in Afrika verhungert, dann sind die eigenen Eltern die Mörder, da die sich selbst
kaum ernähren können und trotzdem Kinder über Kinder in die Welt setzen! Wenn eine Familie gegründet wird, ohne jegliche Chance auf einen Ernährer derselben, wie würde man dies denn als aufgeklärter Mensch in UNSEREM LAND erklären? Als absolut verantwortungslos... Diese links-grünen Weltverbesserer reden blauäugig in den Tag hinein und da sie genauso leben, haben sie wohl auch dieses Verständnis für die Afrikaner. Nur, dass man in Afrika keine tollen Sozialleistungen hat und deswegen wohl auch in Gesamtheit hierher kommen will. Da kann man genauso sorglos Kinder in die Welt setzen, 10 bis 15 und sich sogar (anfangs, wenn sie noch klein sind) als wohlhabend fühlen, aber niemals mehr um Arbeit Gedanken machen müssen. Alles roger dank Rot-Grün...

  • Antwort von Lucy, Freitag, 05.Juni, 19:20 Uhr

    Was sie gekonnt auslassen in Ihrer Analyse sind Gründe für die extreme Armut in vielen Ländern des Südens. Glauben Sie wirklich "das ist einfach so da unten"? Es wird ganz klare Interessenpolitik gemacht im Sinne Reich gegen Arm. Auf Kosten der Menschen dieser Länder. Die Wirtschaftspolitik auch der G7 ist darauf ausgerichtet, die Interessen "unserer" Konzerne ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen. Viele Menschen zahlen seit Jahrzehnten den Preis dafür.

    Aber Sie hatten ja das Glück, nicht in einem Slum oder einer Favela geboren worden zu sein, oder? Da können Sie es sich leisten, so Arrogant zu schwadronieren.

Hans-Dieter Kienitz, Freitag, 05.Juni, 16:40 Uhr

56. Unser Kanzlerin

Was für ein blabla : "Wir haben in der Geschichte Europas gesehen, wohin es geführt hat, wenn nicht gesprochen wurde"
Was nützt denn das Sprechen, wenn man nicht zuhört? Damit werden wir sehen wo die Geschichte Europas hinführt.
Zur Radikalisierung, zum Abwenden von Europa und vor allem der Politikergarde, wie wir sie sehen.
Wenn Frau Merkel nicht endlich begreift, dass ein undemokratisches Agieren mit Abkommen ohne Rücktrittsmöglichkeit und der Abgabe demokratischer Kontrolle zur Ablehnung der sicher in Teilen sinnvollen Abkommen führt, dann demonstriert sie lediglich die Entfernung zum Volk.
Mit Verlaub Frau Kanzlerin: Ihre Worthülsen bin ich leid!

eva-maria, Freitag, 05.Juni, 15:40 Uhr

55.

es ist doch wirklich egal, ob Frau Merkel unsere Demo als friedlich würdigt. Die interessiert sich doch für unsere Meinung gar nicht. Hauptsache sie kann sich als angeblich mächtigste Frau präsentieren, alles andere ist ihr völlig wurscht. Hauptsache sie kann an einem Tag zusammen mit ihren Genossen 300 Millionen verprassen, aber für die Flüchtlinge ist kein Geld da. Gerade an der Situation der Flüchtlinge sind doch die Industrie-Nationen schuld. Das was da in Ellmau stattfindet ist einfach ekelhaft. Für das Geld, was da in einem Tag verprasst wird, könnte man die Flüchtlinge hier in Bayern menschenwürdig unterbringen! stattdessen werden sie in Turnhallen und Container zusammengepfercht, mit sanitären Anlagen, da würden wir uns grausen. Aber leider wird diese CDU und CSU immer wieder gewählt und somit wird sich nix ändern, bis endlich alles beim Teufel ist, das Klima, die Natur - und selbst dann ist Geld immer noch das wichtigste

  • Antwort von Mittfünzigerin, Freitag, 05.Juni, 17:40 Uhr

    Ihre Meinung ist für äußerst polemisch und undurchdacht! Denn Politiker müssen ja irgendwann irgendwo zusammenkommen. Genauso könnte man dieses Fußball-Spektakel in Berlin verbieten. Gegen diese Unsummen, die das kostet, protestiert wohl der linke Block nicht oder zitiert da die bessere Verwendung für Flüchtlinge oder den Weltfrieden und Klimaschutz - weil es ja vorrangig Männer sind, die bekanntlich besser sehen, wie denken können, oder?