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Fünf Jahre nach Fukushima Chronik der Atomkatastrophe

Japan ist weit weg. Doch die Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 geht unter die Haut, bleibt im kollektiven Gedächtnis. Und für Deutschland brachten die Ereignisse in Japan das Aus für die Atomkraft. Eine Chronik des Reaktorunglücks und seiner Folgen.

Von: Benedikt Gradl

Stand: 11.03.2016

11. März 2011 – 14.46 Uhr Ortszeit in Fukushima: Ein starkes Erdbeben an der japanischen Ostküste lässt Minuten lang die Erde erzittern. 9,0 auf der Richterskala: das stärkste Beben seit der Beginn der Aufzeichnungen in Japan. Selbst in Tokio, 370 Kilometer entfernt vom Epizentrum, schwanken die Hochhäuser.

15.00 Uhr:  Das Stromnetz im Atomkraftwerk Fukushima bricht zusammen.

Das japanische Kernkraftwerk Fukushima kurz nach dem Tsunami

15.36 Uhr: Die ersten Wellen, ausgelöst durch das Erbeben, erreichen das Atomkraftwerk. Die riesigen Wellen brechen nahezu ungebremst über die Schutzmauer. Vier von sechs Reaktoren werden überschwemmt – Die Notstromversorgung bricht zusammen.  Es kommt zu einer verheerenden Kettenreaktion: Ohne Strom können die Pumpen nicht arbeiten, die Brennstäbe werden nicht mehr gekühlt. Der erste Schritt Richtung Katastrophe. Auch Deutschland ist alarmiert: Das Erste bringt eine Tagesthemen-Sondersendung:

"Der Reaktor Fukushima, nach dem Erdbeben wurde er heruntergefahren, aber im Inneren sind die Brennstäbe immer noch glühend heiß. Und ohne richtige Kühlung können sie schmelzen. Das würde die Reaktorhülle zerstören und Radioaktivität könnte nach außen dringen. Nach Auskunft der japanischen Atomaufsichtsbehörde soll der Kühlwasserspiegel im Reaktor schon gesunken sein. Dadurch steigt der Druck."

Tagesthemen-Extra: Zum Erdbeben und Tsunami in Japan

Atomkraftruine

12. März, mittags: Es kommt zu Explosionen im Reaktor. Grund ist ein gefährliches Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff. Und es kommt noch schlimmer: In dem havarierten Reaktor 1 hat die Kernschmelze begonnen, wie der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) der Presse bestätigt:

"Die Indizien, die wir haben, die wir lesen und lesen können. Austritt von Radioaktivität, Messung von Caesium 137, lassen uns annehmen, dass der Prozess einer  Kernschmelze, der ein Prozess ist, auf den man auch noch einwirken kann bis zu einem bestimmten Punkt, dass dieser Prozess aber stattfindet, davon gehen wir aus."

Norbert Röttgen (CDU), damaliger Bundesumweltminister

Rauch steigt auf aus dem Reaktor 3.

Nachträgliche Untersuchungen ergeben: Die Kernschmelze im Reaktor 1 hatte schon am Abend des 11. März begonnen, die Schmelze in den Reaktoren 2 und 3 folgte in den Tagen darauf.

13. März: Der damalige Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin stellt fest:

"Kein Reaktor der Welt - auch kein Reaktor in Deutschland - ist für den Fall einer Kernschmelze ausgelegt."

Jürgen Trittin, damaliger Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen

Was Trittin damit sagen will ist klar: Auch in Deutschland kann man sich vor so einer Katastrophe nicht schützen. Er fordert eine Stellungnahme von der Bundesregierung. Und diese reagiert am nächsten Tag.

Angela Merkel verkündet Moratorium der Laufzeitverlängerung von AKWs

14. März: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) treten vor die Presse und kündigen Konsequenzen aus der Reaktorkatastrophe an. Alle deutsche Atomkraftwerke werden überprüft.

"Es gibt bei dieser Sicherheitsüberprüfung keine Tabus. Genau aus diesem Grund werden wir die erst kürzlich beschlossenen Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke aussetzen. Und dieses Moratorium gilt für drei Monate."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Doch es blieb nicht bei den drei Monaten. Am 6. Juni beschloss die Regierung von Kanzlerin Merkel die Abschaltung von acht deutschen Atom-Meilern und einen stufenweisen Komplett-Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022. Der Bundestag stimmte dem Gesetzesentwurf am 30. Juni mit großer Mehrheit zu. In der Folge gingen die acht genannten Meiler, darunter das bayerische Kraftwerk Isar 1, vom Netz. Bis 2022 folgen die übrigen neun.

Fukushima und die Folgen


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