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Bundespräsidentenwahl Mehr als 75 Prozent für Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier wird der 12. Bundespräsident der Bundesrepublik. Schon im ersten Wahlgang hat die absolute Mehrheit der Bundesversammlung für den SPD-Politiker gestimmt. Steinmeier bekam 931 von 1239 gültigen Stimmen. Die anderen Kandidaten blieben chancenlos.

Von: Hannes Kunz

Stand: 12.02.2017

Er war Landespolitiker, Kanzleramtschef, Kanzlerkandidat, Außenminister. Nun wird Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident. Die Kandidaten der anderen Parteien blieben wie erwartet chancenlos: Der Kandidat der Linken, der  Armutsforscher Christoph Butterwegge, erhielt 128 Stimmen. Für Albrecht Glaser von der AfD stimmten 42 Wahlleute. Der Kandidat der Freien Wähler, Alexander Hold, bekam 25 und Engelbert Sonneborn, nominiert von den Piraten, 10 Stimmen. 

Steinmeier fordert mehr Mut und Einsatz für die Demokratie

Steinmeier nahm die Wahl direkt im Anschluss an die Verkündung an: "Gerne sogar". Der Nachfolger von Joachim Gauck will ein Mutmacher sein, in stürmischen Zeiten. Bei seiner kurzen Rede sagte der 61-Jährige, viele Menschen seien verunsichert und er wolle diese Sorgen sehr ernst nehmen. Für Steinmeier gibt es aber auch viele Gründe, optimistisch zu sein.

"Ist es nicht wunderbar, dass Deutschland für viele in der Welt ein Anker der Hoffnung geworden ist."

Frank-Walter Steinmeier

"Demokratie und Freiheit verteidigen"

Steinmeier verwies auf die Leistungen des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg. Deutschland  habe gezeigt, dass vieles besser werden könne. Dass es nach Kriegen Frieden gebe und nach Teilung Versöhnung. Wie schon Joachim Gauck bei seiner Abschiedsrede im Schloss Bellevue rief Steinmeier die Menschen in Deutschland auf, mutiger zu sein, Demokratie und Freiheit zu verteidigen.  Der SPD-Politiker appellierte an die "politische Vernunft" in der Gesellschaft. "Wir müssen den Anspruch, Fakt und Lüge zu unterscheiden, an uns selbst stellen." Es gelte, nicht die Realität zu leugnen, sondern sie verbessern zu wollen.

"Wenn das Fundament der Demokratie anderswo wackelt, dann müssen wir umso fester zu diesem Fundament stehen."

Frank-Walter Steinmeier

Steinmeier beendete seine Rede mit Worten: "Lasst uns mutig sein, dann ist mir um die Zukunft  nicht bange."

Merkel zeigt sich erfreut über die Wahl Steinmeiers

Optimismus in schwierigen Zeiten. Das war auch die Kernaussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem kurzen Statement nach dem Ende der Bundesversammlung. Sie sagte, sie sei überzeugt, dass Frank-Walter Steinmeier ein hervorragender Bundespräsident in schwierigen Zeiten sein werde.  Er sei ein Mann, der auf die Menschen zugehen könne und die Sorgen der Menschen kenne.   

"Ich traue ihm zu, dass er unser Land durch diese schwierigen Zeiten sehr gut begleiten wird. Er hat in schwierigsten Situation immer das Fingerspitzengefühl gehabt, Wege zu suchen und Lösungen zu finden."

Angela Merkel

Auch CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich nach der Wahl zufrieden, wenn auch nicht überschwänglich. Er sagte, er sei davon überzeugt, dass Steinmeier das Amt des Bundespräsidenten mit der gleichen Qualität ausüben werde wie Joachim Gauck. Das Wichtigste sei es, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden. Und dass Deutschland ein verlässlicher und starker Partner für alle auf dieser Erde sei.

Viel Lob von den "nicht-politischen" Delegierten der Versammlung

Insgesamt gab es sehr viel Lob  für den neuen Bundespräsidenten. Auch unter den prominenten Wahlleuten hat Steinmeier viele Fans. Schauspielerin Veronika Ferres zum Beispiel schwärmte:

"Frank-Walter Steinmeier verkörpert alle Eigenschaften, die perfekt sind, um einen wunderbaren Bundespräsidenten abzugeben. Er ist ein Mensch, der jedem Menschen als Menschen begegnet."

Veronika Ferres

Auch für Schauspiel-Kollegin Iris Berben ist Steinmeier ein geeigneter Bundespräsident. Sie sagte, er könne es schaffen, die Menschen wieder einzusammeln, die verloren gegangen seien.

"Frank-Walter Steinmeier kann zuhören, er kann reden und er kann schweigen. Und ich glaube, dass er den richtigen Ton treffen wird, Menschen für die Politik, für dieses Land um vor allem für Europa zu begeistern."

Iris Berben

Zuversichtliche Worte gab es zum Beispiel auch von Sänger Peter Maffay. Er nannte Steinmeier "den richtigen Mann", der für das Land gut sein werde. Die Amtszeit des neuen Bundespräsidenten beginnt am 19. März, bis dahin ist Joachim Gauck noch im Amt.

Kritik an US-Präsident Trump

Neben all der Begeisterung für den neuen Bundespräsidenten gab es auch viel versteckte Kritik an US-Präsident Donald Trump.  Bundestagspräsident Norbert Lammert nutzte seine Rede zu einem eindringlichen Appell. Ohne Donald Trump beim Namen zu nennen, warnte Lammert davor, die internationalen Beziehungen zu gefährden.

Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordere und sich sprichwörtlich einmauere und wer ein "Wir zuerst" zum Programm erkläre, dürfe sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtäten - mit allen fatalen Nebenwirkungen für die internationalen Beziehungen, so Lammert.

In einer spontanen Reaktion erhob sich ein Großteil der mehr als 1200 Mitglieder der Bundesversammlung und applaudierte Lammert stehend, darunter auch Kanzlerin Merkel.


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Hans-Peter Car, Montag, 13.Februar, 19:18 Uhr

49. Cliffhanger im Parlament und wechselseitiges Schulterklopfen der VIPs

Für gepantschten Wein gibt es harte Strafen. Für eine verwässerte Demokratie nicht. Die Medien spielen am Oberdeck der Titanic die passende Polonaise. Der Klerus schwenkt den Weihrauch. Selbstbeweihräucherung am limit. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Volker Renner, Montag, 13.Februar, 18:46 Uhr

48. Direktwahl

Es ist schon lustig, was für zum Teil lächerliche Argumente bemüht werden, warum der deutsche Bunderspräsident nicht in einer Direktwahl vom Volk gewählt werden sollte. Na, ja mir ist das egal so wie mir inzwischen auch dieser Staat ziemlich egal ist und wer an seiner Spitze als Präsident rumturnt - ob nun direkt oder indirekt gewählt.

thorie, Montag, 13.Februar, 11:39 Uhr

47. die vom gez-sender

eingeblendeten §demokratischen wahl-beiträgen" konnte man gsd durch umschalten auf eurosport wegblenden.

9ß% nominieren einen kandidat......75% wählen den!!!
EIN ERFOLG FÜR DIE DEMOKRATIE"

in der DDR wäre das ein armutszeugnis gewesen"!

Wieland der Schmied, Montag, 13.Februar, 10:51 Uhr

46. Präsi-Wahl

Die "Drag Queen" mit der Löwenmähne von der Reeperbahn war die große Nummer beim Bunten Nachmittag der Farben, Frisuren und den Klunkern der Bunten Repulik, Geisterbahn mal anders. Während Lammert die unabänderliche Trumpkritik vortrug, haben Seehofer und Petry nicht geklatscht. Seehofer kümmert sich um Treffen mit Trump, wohlwissend dass Merkels Uhr abläuft. Auch sonst disponiert er um. Auf einmal hat er einen zweiten Vize nur für den Wahlkapf namens Blume, was nur bedeuten kann, München und Berlin gehen eigeneWahlkampf- Wege. Der Blume hat gleich mal einen gucken lassen: "Plötzlich sind alle überrascht, dass Donald Trump nicht nur das sagt, was er denkt, sondern auch noch das macht, was er sagt. Das lehrt uns viel über das politische System von Kulissenschiebern so Blume. Ist doch so, Du verstehts doch den von Politikern abgesonderten Schleim kaum noch. Das Wahljahr 17 wird spannend, Die GroKo ist schon zerfallen, den Christdemokraten kann das noch blühen. Jo mei!

  • Antwort von wm, Montag, 13.Februar, 11:31 Uhr

    @Wieland

    Absolut zutreffend beschrieben!

    Präsi - Wahl, Geisterbahn mal anders.

    "Hilfe,ich bin ein Star - holt mich hier raus."

    Übrigens:Wurde Steuerpromi Ulli nicht berücksichtigt?

hpv, Montag, 13.Februar, 10:40 Uhr

45. Lammerts Rede

Habe ich richtig gesehen - bei dem Teil der hervorragenden Rede von Lammert, als es um die Lage in der Welt ging, hat Seehofer (neben AfD und Linken) nicht
applaudiert ? Warum ? Die Kanzlerin und Frau Hasselfeldt haben doch auch geklatscht.....

  • Antwort von thorie, Montag, 13.Februar, 11:50 Uhr

    das klatschen war bei angie n reflex !!!
    "freundschaft" FReundschaft"....
    da war klatscen normal!