10

Geflüchtete Kinder in Deutschland UNICEF-Studie spricht von "Kindheit im Wartezustand“

Als nicht sicher und nicht kindgerecht bezeichnet eine neue UNICEF-Studie die Lebensumstände vieler nach Deutschland geflüchteter Kinder und Jugendlicher. Viele verbringen Monate oder sogar Jahre in Flüchtlingsunterkünften. Ein Hindernis für deren Integration.

Von: Roderik Wickert

Stand: 21.03.2017

Zwei Flüchtlingsmädchen | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Kahnert

Laut der Studie verbringen viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lange Monate oder sogar Jahre in Flüchtlingsunterkünften, die häufig nicht sicher und nicht kindgerecht sind. Das erschwert ihre Integration. Die Mädchen und Jungen leben dort mit vielen fremden Menschen auf engem Raum, teilweise unter unzureichenden hygienischen Bedingungen und haben kaum Privatsphäre. Sie haben oft keine Ruhe zum Spielen oder Lernen und sind nicht ausreichend vor Übergriffen geschützt.

"Geflüchtete Familien wünschen sich nichts sehnlicher, als anzukommen und neu zu beginnen. Gerade den Kindern die bestmögliche Starthilfe in Deutschland zu geben ist eine gute, wenn nicht eine der wichtigsten Investitionen für unsere Gesellschaft", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Kindergarten statt Flüchtlingsunterkunft

"Kinder, die ihre Heimat verloren und Schlimmes durchgemacht haben, müssen rasch zur Normalität zurückfinden. Sie dürfen nicht noch mehr wertvolle Zeit ihrer Kindheit verlieren."

Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland

Deshalb fordert UNICEF, dass die Kinder nur so kurz wie möglich in Sammelunterkünften bleiben und so schnell wie möglich Kindergärten oder Schulen besuchen oder eine Berufsausbildung beginnen sollten. "Kinder sind nicht in erster Linie Asylbewerber, Migranten oder Flüchtlinge, sondern Kinder“ sagte Schneider. Eine Weiterverteilung innerhalb von sechs Monaten bestätigen zwar 78 Prozent der hier arbeitenden Befragten, 22 Prozent von ihnen gaben aber auch an, dass dies zwischen sechs Monate und einem Jahr dauern kann.

Eine zunehmend unterschiedliche Behandlung der geflüchteten Mädchen und Jungen zeichnet sich auch je nach Herkunftsland und damit verbundener Bleibeperspektive ab. Diese Situation dokumentiert die neue Studie, die durch den Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e. V. im Auftrag von UNICEF Deutschland erstellt wurde. Und je nachdem, wo in Deutschland sie untergebracht sind und wie lange die Kinder in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben, ist ihr Zugang zu Kindergärten oder Schulen eingeschränkt.

Bayern als Land der Extreme

Die Studie hatte nicht die unterschiedlichen Situationen in der verschieden Bundesländern im Fokus, dennoch, so Tobias Klaus vom Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V.:

"In Bayern haben wir eine ambivalente Situation. In Bayern gibt es eine stabile Verwaltung, was schon mal sehr hilfreich ist, gleichzeitig haben wir im Bildungsbereich durch das Kultusministerium sehr große Anstrengungen, an denen sich zum Teil auch andere Bundesländer ein Beispiel nehmen können. Auf der anderen Seite sind die Härten für Kinder und Jugendliche, die man nicht in Deutschland haben möchte, besonders stark. Bayern ist so ein bisschen das Land der Extreme."

Tobias Klaus vom Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V.

In den vergangenen zwei Jahren kamen rund 48.000 Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern nach Deutschland, um hier Schutz vor Krieg und Gewalt oder eine bessere Zukunft zu suchen.


10