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Flüchtlingspakt in Kraft Griechenland braucht 4.000 Helfer

Von heute an sollen Flüchtlinge aus Griechenland in die Türkei zurückgebracht werden. Das sieht das am Freitag vereinbarte Abkommen mit Ankara vor. Aber Griechenland braucht Hilfe von den EU-Partnern und dämpft schon die Erwartungen.

Von: Günter Mayr-Eisinger

Stand: 20.03.2016

Benötigt werden vor allem Dolmetscher und Asylfachleute, daneben aber auch Experten der Grenzschutz-Agentur Frontex und Juristen. Sie sollen den am Freitag vereinbarten Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei in die Praxis umsetzen. Die EU-Kommission hat den akuten Bedarf schon einmal ausgerechnet: Sie kommt insgesamt auf rund 4.000 Mitarbeiter.

Deutschland und Frankreich bieten je 300 Helfer an

Einen Teil davon soll Griechenland selbst stellen. Deutschland und Frankreich haben in einem Schreiben ihrer Innenminister Hilfe angeboten. Thomas de Maizière und Bernard Cazeneuve sind demnach bereit, jeweils etwa 300 Mitarbeiter auf die griechischen Inseln zu entsenden. Dort sollen sie helfen, den bürokratischen Teil des Flüchtlingspakts zu bewältigen. Deutschland könnte etwa 100 Mitarbeiter des Nürnberger Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge abstellen, daneben bis zu 200 Polizeibeamte für die Grenzschutz-Agentur Frontex, heißt es in dem Brief.

"Dies ist angesichts der aktuellen Lage in Griechenland geboten und ein besonderer Ausdruck der europäischen Solidarität. Wir hoffen, dass sich viele Mitgliedstaaten unserem Beispiel anschließen werden."

Aus dem Brief der Innenminister de Maizière und Cazeneuve an die EU-Kommission

Flüchtlinge auf Lesbos

Die EU-Kommission in Brüssel schätzt, dass zunächst mindestens 400 Dolmetscher und ebensoviele Asyl-Fachleute in Griechenland gebraucht werden. Für die erwarteten Einspruchsverfahren gegen die Rückführung in die Türkei würden weitere 30 Dolmetscher und 30 Richter benötigt. Etwa 1.500 Polizeikräfte sollen bei den eigentlichen Rückführungen helfen.

Kostenschätzung: 300 Millionen Euro für sechs Monate

Insgesamt rechnet die Kommission mit Kosten von knapp 300 Millionen Euro für die nächsten sechs Monate. Das Abkommen mit der Türkei sieht vor, dass Griechenland alle Flüchtlinge, die ab heute illegal ins Land kommen, in die Türkei zurückschickt. Zuvor soll aber jeder Asylantrag einzeln geprüft werden. Für jeden zurückgeschickten Syrer wiederum lässt die EU einen anderen Syrer auf legalem Weg einreisen. Dieses Verfahren soll das Geschäft der Schleuserbanden stoppen und den Flüchtlingszustrom nach Griechenland eindämmen.

Griechenland dämpft die Erwartungen

Flüchtlingsregistrierung in Deutschland

Bei der Regierung in Athen herrscht derzeit noch Skepsis: Das Abkommen könne nur stufenweise zum Zuge kommen, weil viele Details noch nicht geklärt seien, sagten Regierungsbeamte am Samstag. Zudem sei von den 2.300 benötigten europäischen Experten noch niemand eingetroffen.

In einigen griechischen Städten demonstrierten Flüchtlinge gegen die jetzigen Pläne der EU. Afghanische Migranten zogen zum Gebäude der EU-Kommission in Athen und riefen "Öffnet die Grenzen" und "Wir sind Menschen". Proteste gab es auch in anderen Städten, etwa Thessaloniki im Norden des Landes sowie auf Lesbos.


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