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Salafisten auf Missionierungstour Wie Islamisten die Not ausnutzen

Schon länger befürchtet, beobachten Helfer in und um Auffangsstationen für Flüchtlinge vermehrt Salafisten. Diese verfolgen offenbar ihre eigene Mission und diese ist gefährlich. Mit ihren fundamental islamischen Ansichten versuchen Sie neue Mitglieder zu finden.

Von: Oliver Bendixen

Stand: 10.09.2015

Symbolbild Salafisten verteilen Koran | Bild: picture-alliance/dpa

In Bayern versuchen fundamentalistische Salafisten unter ankommenden Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak neue Anhänger zu werben. Dies bestätigte das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz dem Bayerischen Rundfunk. Zeugen berichteten von Erlebnissen am Münchner Hauptbahnhof. Dort fanden erste Anbahnungsgespräche statt, bei denen auch Koranausgaben an die ankommenden Menschen verteilt wurden.

"Es sind meist auch junge Leute, die auch unbegleitet und allein ins Land kommen. Diese sind ganz besonders auf der Suche Hilfe, Unterstützung und Anschluss. Genau dieses Bedürfnis missbrauchen die Salafisten und versuchen sie zu gewinnen und auch längerfristig an die salafistische Szene zu binden."

Markus Schäfert, Landesamt für Verfassungsschutz

Ankunft in der "neuen Welt" - doch die alten Feinde sind bereits wieder da.

Erste Kontakte finden dabei statt, wenn die Flüchtlinge am Hauptbahnhof die Zelte verlassen, in denen die Medizinchecks stattfinden und zu den wartenden Busse gehen. Dabei werden die Menschen auf arabisch angesprochen und es wird ihnen Unterstützung für die nächsten Wochen in Deutschland angeboten.

Deutscher Hassprediger meldet sich zu Wort - und steht unter besonderer Beobachtung

Nach Einschätzung von Verfassungsschützern ist es offenbar Ziel der Kampagne, die Integration zu erschweren und die Flüchtlinge religiös zu radikalisieren. Der als fundamentalistisch eingestufte Prediger Pierre Vogel hat bereits über Facebook seine Anhänger aufgerufen, in der Nachbarschaft ihrer Wohnungen Asylunterkünfte ausfindig zu machen und deren Bewohner anzusprechen.

"Pierre Vogel ruft mittlerweile ganz offen, Anhänger für die salafistische Szene zu gewinnen. Er gibt auch Handlungsanweisungen dafür. Man soll den Flüchtlingen Geschenke machen, Hilfe anbieten und religiöse Unterstützung geben."

Markus Schäfert, Landesamt für Verfassungsschutz

Kraftlos, Haltlos, Hilflos - Flüchtlinge bei ihrer Ankunft sehen Salafisten als "leichte" Beute.

Auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz beobachtet seit einiger Zeit ähnliche Aktivitäten. So würden die Anhänger vor westlichen Werten warnen und zur strikten Einhaltung fundamentalistischer Glaubensregeln im Islam mahnen. Noch sei dies "kein Massenphänomen", beschreibt der Sprecher des NRW-Innenministeriums Jörg Rademacher die Situation. Aber mit den steigenden Flüchtlingszahlen habe die "krude Missionierung" der Salafisten in der Nähe von Asylunterkünften auch im bevölkerungsstärksten Bundesland erkennbar zugenommen.

Anwerben und Radikalisieren - Salafisten nutzen Notsituation schamlos aus

Deshalb suche der Verfassungsschutz des bevölkerungsreichsten Bundeslandes aktuell das Gespräch mit den Leitungen von Flüchtlingsunterkünften, um sie über den Salafismus aufzuklären und für eine mögliche Gefährdung der Asylsuchenden "zu sensibilisieren". Es sei davon auszugehen, dass die Islamisten verstärkt Kontakte zu muslimischen Flüchtlingen aufnähmen. Dabei suchten die Propagandisten vor allem den persönlichen Kontakt in Vier-Augen-Gesprächen. Größere Veranstaltungen salafistischer Prediger im Umfeld der Flüchtlingseinrichtungen seien den Sicherheitsbehörden bisher nicht bekannt.

Polizei und Verfassungsschutz sind an den Auffangstationen und Bahnhöfen präsent.

In Nordrhein-Westfalen sind beim Verfassungsschutz derzeit nach Angaben des Innenministeriums 1.900 Salafisten registriert. Davon gelten etwa 300 als sogenannte "Gefährder", bei denen eine Beteiligung an islamistischen Anschlägen für möglich gehalten wird. Von den 40 Syrien-Rückkehrern aus der Salafismus-Szene an Rhein und Ruhr werden zehn Personen als gewaltbereit eingeschätzt. Dieser werden von den Sicherheitsbehörden rund um die Uhr überwacht. Auch stehen 30 der 850 Moscheen in NRW wegen Salafismus-Verdachts im Fokus des Verfassungsschutzes.


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