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Therapie für Flüchtlinge Lebensumstände essen Seele auf

Sie haben lebensbedrohliche Überfahrten über das Mittelmeer hinter sich, haben Gewalt erlebt. Viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, leiden an psychischen Störungen. Wie man ihnen besser hilft, darüber wird heute auf einer Konferenz beraten.

Von: Vera Cornette

Stand: 30.11.2016

Bild mit Stiften | Bild: picture-alliance/dpa

Sie werde von ihrer Schwiegermutter geschlagen. Sie wollte sich das Leben nehmen – und schluckte deshalb vergangene Woche Tabletten.

Ihr Mann brachte sie rechtzeitig ins Isar-Amper-Klinikum, besser bekannt als früheres Bezirkskrankenhaus Haar. Wir nennen die 33-Jährige Zohra, mit ihrem richtigen Namen möchte sie nicht in Erscheinung treten.

Therapiegespräch in der geschützten Station

Ihre Füße stecken in Schlappen, sie trägt einen dunkelgrünen Jogginganzug; ihre Haare und ein Teil ihres Gesichts verhüllt sie mit einem Kopftuch.

Übersetzung per Telefon

Ein Behandlungszimmer in einer so genannten geschützten, also geschlossenen Station. Ein Psychotherapeut stellt ihr Fragen. Oder vielmehr: einer Übersetzerin. Die ist nicht persönlich da, sondern telefonisch zugeschaltet.

Es wirkt mühsam, es braucht eine Weile, bis Therapeut und Patientin sich austauschen.

Flucht aus Libyen

Die junge Frau ist mit ihrem Mann und dessen Familie aus Libyen geflohen. Dort herrschte Gewalt, die Zustände blieben nach dem Sturz Gaddafis chaotisch.

Es dauert, bis der Therapeut das erfährt. Die Sprache, das ist eine der Hürden, mit denen die Professor Brieger und seine Kollegen klar kommen müssen.

"Bei uns arbeiten viele Menschen, die unterschiedliche Sprachen können. Die Stationsärztin beispielsweise spricht vier Sprachen."

Peter Brieger, Ärztlicher Direktor Isar-Amper-Klinikum

Doch immer wieder müssen sie bei den Therapiegesprächen auf Dolmetscher vor Ort oder den telefonischen Dienst zurückgreifen.

Kultursensibel arbeiten

Über die Herausforderungen, die die psychotherapeutische Arbeit mit Flüchtlingen bedeutet, informiert am Mittwoch ein Symposium der kbo.

Dass das medizinische Personal kultursensibel arbeitet, das ist das eine – oft gehen die Anforderungen aber über ihre Möglichkeiten hinaus.

"Viele Flüchtlinge, die bei uns in Behandlung sind, bräuchten dringend bessere Lebensumstände, eine Perspektive. Wer nicht weiß, wie es weiter geht, dem kann’s nicht gut gehen."

Peter Brieger

Die langen Anerkennungsprozesse der Asylverfahren und das Leben in den Gemeinschaftsunterkünften zermürbe manche Menschen, sagt Brieger.

Soziales Umfeld in den Blick nehmen

Seine Patientin versucht er nun in den kommenden Wochen zu stabilisieren. Neben Gesprächstherapie und Medikamenten sei aber auch eine Änderung des sozialen Umfelds wichtig. Im Fall von Zohra heißt das die Klärung des Verhältnisses zum Ehemann und mehr Distanz zur Schwiegermutter.

Frage der Perspektive

Als die Patientin wieder auf ihrem Zimmer ist, sagt Brieger noch, dass ihm klar sei, dass auch Generationen in Deutschland vertrieben wurden, auf der Flucht waren. Die wenigsten hätten psychotherapeutische Unterstützung gehabt. Allerdings habe wohl für viele die Perspektive besser ausgesehen.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.


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Kommentare

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Boros, Mittwoch, 30.November, 12:15 Uhr

3. Lebensumstände essen Seele auf

Was war/ist mit den Armen, Kranke, Schwachen alte D Bürgern die am Rande der Existens vegetieren müssen, und ihre Seelen? Was geht uns Zohra und ihr " Verhältniss zum Ehemann und zu der Schwiegermutter" ? Ist das vielleicht ein Asylgrund?

Monika, Mittwoch, 30.November, 10:11 Uhr

2. Sicher haben einige Kriegsflüchtlinge Schlimmes erlebt und sind mit den Nerven

am Ende. Sie werden wohl jahrelang Psychologen, Psychiater und Dolmetscher beschäftigen. Schlecht für die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen GKV. Die Zusatzbeiträge in die GKV werden steigen. Hoffentlich kommen findige Asylsuchende nicht auf die Idee so sofort eine Frühverrentung zu erreichen um dem Druck eine schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen der Agentur für Arbeit zu entgehen.

  • Antwort von thorie, Mittwoch, 30.November, 10:49 Uhr

    @monika
    das du mit deinem kommentar bei einem frauengeschriebenen artikel durchkommst!!!.... genial

    recht haste.

    das man aber net schreiben darf, das die den mann und die schwiegermutter schon in lybien hatte , und es schön ist, das das nun ein dt. problem ist, ist halt medienprob.

Schaumburger, Mittwoch, 30.November, 08:43 Uhr

1. Lebeensumstände essen Seele auf

Wurde dieser Kommentar geschrieben, weil das Weihnachtsfest vor der Tür steht ?

Der Krieg in Deutschland ist erst 70 Jahre beendet. Der Aufbau ging bis in die 50er Jahre.
Es wird immer Einzelschicksale geben, nur wir können nicht die Welt retten.
Bitte vergessen sie nicht, es sind noch genug von der Kriegsgeneration am Leben. Diese haben nicht vergessen, wie der " Neuanfang " aussah.

  • Antwort von ABC, Mittwoch, 30.November, 10:20 Uhr

    Die Menschen in Syrien tun mir leid. Hier sind die Syrien/ Russland/USA Saudis und der Iran schuld.
    Aber auch die Bevölkerung von Nürnberg wurde im 2. Weltkrieg zum Schauplatz des Bombenterrors verdammt. Die Menschen waren auch hier die Leidtragenden.
    Auch heute als 79jähriger kann ich diese Grausamkeiten nachvollziehen. Unser Häuschen kaputt und der selbstgebastelte sogenannte Punker konnte meine Mutter/mich und die Nachbarn retten - Vater im Feld!