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Flüchtlinge an bayerischen Schulen Kultusminister Spaenle: "Wir sind vorbereitet"

Am kommenden Dienstag geht die Schule in Bayern wieder los. Heuer werden dort besonders viele Kinder von Flüchtlingen am Unterricht teilnehmen. Kultusminister Ludwig Spaenle sagte im BR, Bayern sei mit über 1000 Klassen vorbereitet.

Stand: 09.09.2015

Die Lehrerverbände beklagen, dass es an Bayerns Schulen zu wenig Personal gibt. Auch Oppositionspolitiker sehen das so. Der Bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle sieht das anders. Er sagte der Rundschau im Bayerischen Fernsehen:

"Wir haben eine Stabsstelle, die seit einem Jahr die Entwicklung beobachtet. Deshalb gehen wir auch mit deutlich erhöhten Angebotszahlen jetzt in den Beginn des Schuljahres. Wir werden mit weit über 1.000 Klassen (...) vorbereitet sein."

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle

Spaenle betonte, er beobachte eine sehr dynamische Entwicklung und er werde auch weiterhin darauf reagieren müssen. Mit wie vielen zusätzlichen Schülern genau Bayerns Schulen rechnen müssen, ist noch unklar.

"Ich bin nicht Hellseher, wie vielleicht andere im politischen Raum, aber wir rechnen mit einem Zuwachs im 10.000er Bereich. Deshalb gehen wir zum Beispiel im Bereich der Übergangsklassen jetzt von einem sehr, sehr starken Zuwachs aus, denn wir starten mit 470 - zu Beginn des letzten Schuljahres waren es unter 300."

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle

Auch Margarete Bause, Landtagschefin der bayerischen Grünen, kommentierte auf Twitter:

Lehrerverband mahnt mehr Personal an

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) kritisierte, dass für die speziellen Integrationsklassen in den Berufsschulen rund 150 Lehrerstellen umgewidmet worden sind, aber nicht neu geschaffen. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betonte, für den regulären Unterricht reiche es zu Beginn des Schuljahres zwar, Zusatz- und Förderangebote werde es aber vielerorts nicht geben.

"Zusätzliche Angebote wie Arbeitsgruppen, Förderstunden oder Differenzierungen sind an vielen Schulen nicht möglich"

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann

Viele Schulleitungen haben laut Fleischmann außerdem keinerlei Reserven, so dass es im Laufe des Schuljahres bei der Lehrerversorgung eng werden kann. Ohnehin seien die Schulen nur unzureichend auf die große Zahl von Flüchtlingskindern vorbereitet. Fleischmann sagte: "Da mangelt es an allem, zum Beispiel an Dolmetschern, an Pädagogen, an Psychologen und an zusätzlich unterstützendem Personal." Die Verbandspräsidentin forderte deshalb mehr Lehrerstellen und mehr Geld für die Schulen im Nachtragshaushalt.

Kultusminister Spaenle betonte im Bayerischen Fernsehen, dass der Nachtragshaushalt bei Bedarf angepasst werde: "Es wird natürlich entsprechend wachsen." Es gibt heuer laut Spaenle nicht nur Geld für Lehrer:

"Wir haben zum ersten Mal Mittel zur Verfügung, die nicht nur zur Beschäftigung von Lehrkräften dienen, sondern mit denen auch zusätzliches pädagogisches Personal oder Fachpersonal entsprechend eingesetzt werden kann. Auch hier werden wir uns bemühen, dass wir diese Dinge weiter entwickeln."

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle

Opposition fordert mehr Lehrer

Die Opposition forderte dringend mehr Lehrer, um die wachsende Zahl von Flüchtlingskindern zu bewältigen. Martin Güll, bildungspolitischer Sprecher der SPD Landtagsfraktion sagte, genügend Lehrer seien vorhanden, man müsse sie nur von der Straße und den Wartelisten holen.

"Wir müssen jetzt zunächst einmal 200 bis 300 fertig ausgebildete hoch qualifizierte Lehrkräfte, die ohne Job sind, einstellen und sie zur Betreuung von oft traumatisierten Flüchtlingskindern weiterbilden."

Martin Güll, bildungspolitischer Sprecher der SPD Landtagsfraktion

Die Grünen forderten die Einstellung 1000 neuer Deutschlehrer, die bayernweit zur systematischen Sprachförderung in allen Schularten eingesetzt werden könnten.

"Lange Diskussionen sind das letzte, was wir jetzt brauchen - schnell handeln und Geld in die Hand nehmen, das muss die Devise sein"

Thomas Gehring, Bildungsexperte der bayerischen Grünen.

Die Freien Wähler forderten 1.000 zusätzliche Lehrerstellen. Die entsprechenden finanziellen Mittel dafür müssten im Nachtragshaushalt bereitgestellt werden, sagte der bildungspolitische Sprecher Günther Felbinger. Er forderte außerdem, mehr Schulpsychologen an bayerischen Schulen einzusetzen.


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lostteachergeneration, Donnerstag, 10.September, 16:09 Uhr

7. Wer ist "wir"?

Hallo Herr Spaenle,
Wenn Sie "wir" sagen, dann meinen Sie sicher die Lehrer, die nach dem Motto "hire and fire" behandelt werden. Das sind dann die, die verzweifelt, weil sie keinen Job bekommen haben, jetzt plötzlich die Kastanien aus dem Feuer holen sollen/werden. Und dann, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, in der Versenkung verschwinden.
Für unsere Kinder hat man diese Lehrer nicht eingesetzt. Da war kein Geld da.

All Blacks, Donnerstag, 10.September, 10:34 Uhr

6. Allein

Schön, dass Hr. Spaenle vorbereitet ist. Uns Lehrer lässt er nämlich alleine mit den Ü-Klassen. Wir sollen das ausbaden, was die Politik verbockt hat. Ich bin in keinster Weise ausgebildet worden für die Versorgung von Ü Klassen, aber in der Schule kann man sie ja parken. Und Geld sparen ohne ausgebildetes Personal dafür. Ich bereue diesen Beruf langsam immer mehr.

  • Antwort von konni, Donnerstag, 10.September, 11:03 Uhr

    Meine Worte!
    Die Schulen in den kleineren Orten haben noch nicht mal Ü-Klassen, da sitzen die Kinder dann einfach mit im Unterricht, müssen "so mitlaufen" und bekommen, wenn jemand Zeit für sie hat, eine Stunde Zusatzbetreuung. Die vorgeschriebenen Stunden sind abgezwackte Förderstunden.
    Wir haben keine Ausbildung und kein Arbeitsmaterial. Aber das ist bei der Inklusion allgemein so.
    Ihrer Reue schließe ich mich an!

realist, Donnerstag, 10.September, 10:17 Uhr

5. ähnliches Gemurkse wie bei G8

Es klingt alles so schön. Plötzlich bekommen alle eine Stelle. Alle haben sich lieb. In der Realität sieht es leider so aus, dass es immer schwieriger wird in Klassen mit so hohem Ausländeranteil zu unterrichten. Je mehr fremde Kinder in der Klasse oder Gesellschaft sind, desto stärker fühlen sie sich auch und zeigen das in ihrem Benehmen leider auch. Kritische Töne werden sofort als Diskriminierung angesehen. Es tut mir leid um unsere Kinder, die sich zuhause zunehmend fremd fühlen müssen. Kinder können grausam sein. Sie schlagen sich. Sie mobben. Wir Lehrer sind keine Zauberer. Wir können die Gesellschaft nicht retten. Es sind immer untragbarere Zustände. Wer möchte da noch Lehrer sein? Irgendwann sind wir alle krank, weil es uns überfordert. Und wer mit Idealismus dabei ist und sich aufopfert, landet im Burnout. Die Politiker haben die Realität nicht im Auge. Unser Niveau sinkt, weil uns die Massen erpressen. WEnn ich als Lehrer noch was verlange, werde ich öffentlich beleidigt.

Arno, Donnerstag, 10.September, 07:44 Uhr

4. Geschwätz!

Kaum ein Lehrer kann arabisch oder syrisch.Typisches Funktionärsgelaber.

Artus, Donnerstag, 10.September, 06:04 Uhr

3. Wer bringt dem Spaenle das kleine Einmal Eins bei?

Wenn hunderttausende Flüchtlinge mit Kindern und Jugendlichen nach Bayern kommen brauchen die eine vernünftige Schulbildung um die Integration zu erleichtern. Sie brauchen zumindest, was Sprache und Kultur anbelangt, zusätzlichen Förderunterricht. Das alles will der bayrische Kultusminister durch eine Umwidmung von Lehrerstellen erreichen. Linke Tasche - Rechte Tasche.
Da es mit der Lehrerversorgung auch schon im Regelbetrieb, ohne dem Flüchtlichszustrom, der ja nicht von morgen an gestoppt wird, zu Versorgungsengpässen kommt frage ich mich ernsthaft ob es nicht ein erster wichtiger Schritt ist dem Herrn Spaenle das kleine Ein mal eins beizubringen.