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Umstrittene Hilfsorganisationen Chaos im Mittelmeer

Überforderte Retter, unklare Strukturen und Tausende Flüchtlinge: Private Hilfsorganisationen im Mittelmeer wollen helfen, das sinnlose Sterben verhindern - doch ihre Arbeit wird zunehmend in Frage gestellt. Oft wird ihnen vorgeworfen, mit Schleppern gemeinsame Sache zu machen.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 18.04.2017

Flüchtlingskrise auf dem Mittelmeer: Überforderte Helfer   | Bild: Johannes Moths / BR

Seit Tagen sind die Helfer im Dauereinsatz und riskieren dabei ihr eigenes Leben. Ihre Schiffe sind derart überladen, dass sie zeitweise manövrierunfähig sind. So geschehen bei zwei Rettungsbooten, die von deutschen Hilfsorganisationen betrieben werden.

Retter gerieten selbst in Seenot

Die „Juventa“ der NGO „Jugend Rettet“ und die „Sea-Eye“ hatten mit mehreren hundert Menschen an Bord auf Unterstützung gewartet - lange Zeit vergeblich. Alle Schiffe, die sich am Wochenende im Kanal von Sizilien befanden, waren in Rettungseinsätzen gebunden. Auch die Küstenwache in Rom, die die Einsätze koordiniert gerät an ihre Grenzen.

Und mitten im Notstand streiten die Beteiligten darüber, wer denn nun verantwortlich ist an dieser Situation. Die EU Grenzschutzagentur Frontex wirft den privaten Seenotrettungsdiensten vor, gemeinsame Sache mit den Schleppern in Libyen zu machen. Matteo Zevi, Einsatzleiter auf einem Schiff der deutschen Hilfsorganisation „Sea-Watch“, widerspricht.

"Wir versuchen nicht die Menschen vom Strand abzuholen. Wir leisten Rettungsdienste in internationalen Gewässern, die ja von internationalen Autoritäten überwacht werden sollten. Und wir machen auch nicht die Arbeit der libyschen Küstenwache."

Matteo Zevi, Sea-Watch

Rettung nur innerhalb der Landesgrenzen?

In der vergangenen Woche wurde die Sea-Watch von der italienischen Küstenwache zu einem Rettungseinsatz in der Nähe der Küste Libyens gerufen. Das Problem: Das Boot in Seenot befand sich in libyschen Hoheitsgewässern. Eine Grenze, die Rettungsboote ohne Erlaubnis der libyschen Küstenwache nicht überfahren dürfen.

"Für uns war klar, wir müssen draußen  warten. Und etwas später am Tag haben wir herausgefunden, dass das Boot gesunken ist und vermutlich 100 Menschen ums Leben kamen. Das ist frustrierend für uns. Wir hätten helfen können, durften aber nicht."

Matteo Zevi, Sea-Watch

Das Hauptproblem: Es gibt keine libysche Küstenwache, die für den gesamten Küstenabschnitt des Landes verantwortlich ist. Das Chaos das in Libyen herrscht, setzt sich auf hoher See fort. Und die Helfer stellen fest, dass es gerade die chaotischen Zustände in Libyen sind, die viele Menschen zur Flucht zwingen.

"Wir haben hier den Fall eines Mannes, der dreimal versucht hat über das Mittelmeer zu fliehen.  Beim zweiten Mal wurde er gefangen genommen und in Libyen ins Gefängnis gesteckt. Er wurde mehrfach gefoltert und vor den  anderen Mitgefangenen bestraft. Er hat physisch  und psychisch enorm gelitten."

Michele Trainiti, Ärzte ohne Grenzen

Für die privaten Hilfsorganisationen ist es angesichts solcher Fälle unverständlich, warum ihre Arbeit immer wieder in Frage gestellt wird. Vor allem aber wollen sie das sinnlose Sterben auf dem Mittelmeer verhindern. Vor genau zwei Jahren starben mehrere hundert  Menschen als ihr Schiff auf dem Weg nach Sizilien sank und keine professionellen Helfer in der Nähe waren.


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fonse, Mittwoch, 19.April, 15:10 Uhr

8. Flüchtlinge

Es mag grausam sein aber solange diese Helfer weiter retten werden die Schlepper weiterhin gutes Geschäft machen,man müßte die Flüchtling sofort wieder an Land zurückbringen nur so wird den Schleppern das Handwerk gelegt

onkel, Mittwoch, 19.April, 10:59 Uhr

7. Flüchtlinge

Man muss sich das mal vorstellen. Die Schlepper schieben die Boote mit Flüchtlingen ins Meer, wo sie dann von europäischen Schiffen aufgenommen werden und hunderte von km nach Europa gebracht werden, dann werden sie meist weiter nach Deutschland verteilt. Hier beginnt ein langes Asylverfahren in dem man versucht die Flüchtlinge wieder in ihr Heimatland abzuschieben, welches aber ihre Landsleute meistens nicht mehr zurücknehmen. Welch ein Irrsinn.

  • Antwort von Laura, Mittwoch, 19.April, 12:30 Uhr

    Ganz meine Meinung. Ich sehe es außerdem wie die hochintelligente Sahra Wagenknecht: "Das Versagen in der Flüchtlingskrise trägt den Namen Angela Merkel".

  • Antwort von BR24, Mittwoch, 19.April, 12:44 Uhr

    Liebe Laura,
    woher stammt dieses wörtliche Zitat von Frau Wagenknecht? Wir können es in keinem Medium finden. Es kursieren viele Fake News, deswegen würden wir es gerne verifizieren.
    Vielen Dank!
    Die Redaktion von BR24

  • Antwort von Flüchtlingshelfer, Mittwoch, 19.April, 12:48 Uhr

    Laura
    Versagen in der Flüchtlingskrise trägt den Namen Angela Merkel"

    Nicht Viktor Orban und Ost EU-Genossen ?
    Wer blendet sich aus, von einer gemeinsamen Lösung ?
    Wer hält in der EU nur die Hand auf und sagt, dass sind nicht meine Probleme ?.

  • Antwort von BR24, Mittwoch, 19.April, 13:11 Uhr

    Liebe Laura,
    woher stammt das von Ihnen aufgeführte wörtliche Zitat von Frau Wagenknecht? Wir finden es in keinem Medium und würden in Zeiten der Fake News gerne verifizieren.
    Danke vorab für die Info!
    Die Redaktion von BR24

  • Antwort von civis ignobilis, Mittwoch, 19.April, 14:22 Uhr

    @BR24

    "Das europäische Versagen in der Flüchtlingskrise trägt den Namen Angela Merkel", erklärt die Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Sahra Wagenknecht." (Pressemitteilung von Sahra Wagenknecht vom 02.03.2016, zu finden auf der Homepage von Sarah Wagenknecht)

    Ich hoffe, Ihnen mit meiner Recherche geholfen zu haben (sie hat mithilfe von Google etwa zwei Minuten gedauert).

  • Antwort von Leser, Mittwoch, 19.April, 14:56 Uhr

    Das "Chaos im Mittelmeer" ähnelt im Grunde genommen dem "Chaos auf dem Balkan" im Jahr 2015. Es wird dadurch erst richtig gesteigert, dass ja das Mittelmeer kein staatliches Hochheitsgebiet ist. In einem staatl. Hochheitsgebiet könnten weder Schlepper noch die Hilfsorganisationen so offen und frei agieren. Dadurch wird erst eine unkontrollierte, willkürliche Migration von endlosen Menschenmassen (in Afrika gibt es eine enorme Überbevölkerung, in Libyien warten Hunderttausende zumeist junge Männer) gefördert. Familien, Arme, Kranke u. alte Menschen bleiben dabei außen vor. Auf kurz oder lang wird es zu einem rigorosen Stopp dieses "Personentransportsystem" kommen müssen. Da ansonsten sich jeder ausmalen wohin das über mehrere Jahre führen wird. Verantwortliches Handeln wird jedenfalls zur Zeit im Mittelmeer nicht praktiziert. Dies hat mit sinnvoller Hilfe (die dringend benötigt wird) in Afrika nichts zu tun.

  • Antwort von Flüchtlingshelfer, Mittwoch, 19.April, 15:10 Uhr

    Ich hoffe, Ihnen mit meiner Recherche geholfen zu haben (sie hat mithilfe von Google etwa zwei
    Minuten gedauert.
    Bei solchen Anmerkungen zeigt sich immer der "civis" oder feine Bürger.

  • Antwort von civis ignobilis, Mittwoch, 19.April, 16:05 Uhr

    @Flüchtlingshelfer

    Es freut mich, dass sie die kleine Spitze tatsächlich verstanden haben.
    Es ist mir natürlich klar, dass manche Leute Kritik oder andere Meinungen nur schwer ertragen und dann schnell persönlich werden. Dennoch werde ich Sie und andere weiterhin mit meiner Kritik und ggf. auch einer anderen Meinung belästigen.

  • Antwort von Flüchtlingshelfer, Mittwoch, 19.April, 20:02 Uhr

    Es freut mich, dass sie die kleine Spitze tatsächlich verstanden haben.

    Civis und ich finde es schade, dass sie meinen Hinweis nicht verstanden haben.

    Es hat nichts mit einer Kritik oder einer anderen Meinung zu tun.
    Na ja, der Eine hat es, der Andere nicht !

wm, Mittwoch, 19.April, 09:33 Uhr

6. Niemand wird gezwungen.......

.....übers gefährliche Meer zu schippern!!

  • Antwort von Thomas, Mittwoch, 19.April, 14:47 Uhr

    @wm, wirklich? Was würden Sie tun wenn Ihnen durch Krieg hier die Lebensgrundlage entzogen würde? Es würde genauso zynisch klingen wie das was Sie sagen wenn man Ihnen entgegnen würde "Niemand wird gezwungen sich für sein eigenes Überleben zu entscheiden", d. h., in so einem Fall könnten Sie es auch vorziehen einfach zu sterben. Punkt!

    Außer Ihren platten und manchmal auch nur dummen Sprüchen haben Sie keine tauglichen Vorschläge für die Probleme dieses Zeitalters der globalisierten Welt deren Voranschreiten und zusammenwachsen nicht aufzuhalten sind, auch nicht durch Ihre Einstellung. Was sich seit langem abzeichnet ist, dass entweder die Probleme in den Herkunftsländern der Flüchtlinge gelöst werden müssen oder wir bekommen diese auf kurz oder lang selbst zu spüren, denn die reiche "Erste Welt" ist mit verantwortlich für das Elend in der "Zweiten und Dritten Welt" (Ausbeutung). Die Ursachen dafür sind hinlänglich bekannt, die Ignoranz diesen gegenüber auch.

  • Antwort von winfried, Mittwoch, 19.April, 16:14 Uhr

    @wm ... Ihr Beitrag ist mir ein Wenig "zu flapsig" formuliert. Ich denke, Sie hatten es zu dem Zeitpunkt - angenehm warm, sicher gemütlich -.
    @Thomas ... Sie beschreiben die Situation richtig. Dennoch, die Situation ist wie sie ist. Sie erfordert Maßnahmen, die sofort wirken.
    Ich denke dabei an die flächendeckende kostenlos-Ausgabe von Antibabypillen, gemäß der Erfahrung, dass, wenn "Wasser überläuft"
    am besten zuerst der Wasserzulauf unterbrochen wird. --> Welche "radikalen" Sofortmaßnahmen haben Sie "auf der Pfanne" ?

Süddeutscher und gleich weg, Mittwoch, 19.April, 07:35 Uhr

5. Australien, Neuseeland und Ozeanien

Lernt von den Australiern und Neuseeländern, die haben dieses Leid nicht jeden Tag. Nur ganz wenige haben sich damit nicht abgefunden. Ein Gewinn für beide Seiten, keine Toten im Wasser, keine Toten durch Terror, kein gesellschaftlicher Unfrieden.

  • Antwort von Anna, Mittwoch, 19.April, 08:08 Uhr

    Bin der gleichen Meinung, so wie Australien und Neuseeland vor zu gehen. Ich kann das gejammer nicht mehr hören wie böse die Europäer alle sind, weil sie nicht jeden ins Land lassen. Wer hilft uns, wenn es hier kracht? Die Afrikaner? Die Türken? Die Araber?

  • Antwort von Flüchtlingshelfer, Mittwoch, 19.April, 10:12 Uhr

    Lernt von den Australiern und Neuseeländern, die haben dieses Leid nicht

    Wie sich Flüchtlinge umbringen, weil die Situation auf ihren Internierungsinseln
    so schlimm ist ?
    Das ist ihr Ernst ?!

  • Antwort von Thomas, Mittwoch, 19.April, 15:12 Uhr

    @Flüchtlingshelfer, es pickt sich halt so mancher das aus den Nachrichten heraus was ihm selbst gefällt. Deswegen sind Australien und Neuseeland für den Süddeutschen auch "ein prima Vorbild", nun haben Sie ihm dies vielleicht ein bisschen madig gemacht weil Sie auf die Zustände hinter diesem "prima Vorbild" hinweisen. Australien ist das Vorbild aller die laut nach Zuzugsbegrenzung und "geregelter Immigration" rufen. Die Hürden die dieses Land (und auch andere [ehemals] traditionelle Einwanderungsländer) für Antragsteller hochziehen sind enorm und die Anforderungen damit hoch. Die Tatsache dass Australien ankommende Flüchtlinge auf einer Insel interniert auf der sie untätig für Wochen, Monate oder bald schon Jahre auf die Entscheidung zu ihrem Asylverfahren warten müssen führt zu genau diesem Ergebnis das Sie kurz erwähnt haben.

  • Antwort von Flüchtlingshelfer, Mittwoch, 19.April, 15:45 Uhr

    @ Thomas
    Danke, guter Kommentar !
    Bei manchen Usern erscheinen mir ausführliche Antworten sinnlos.
    Vielleicht tue ich den Usern ja unrecht !?

  • Antwort von winfried, Mittwoch, 19.April, 16:01 Uhr

    @Flüchtlingshelfer / @Thomas ... Sie äußern sich zu recht "beklommen" zur australischen Insel-Methode. Deshalb gebe ich auch
    der ungarischen Orban-Methode den Vorzug. Sie ist ähnlich wirkungsvoll, heißt, nur Wenige reisen unzulässig weiter ... gen DE..
    Den "humanitäreren" Unterschied sehe ich darin, dass die sog. "Flüchtlinge" mit eigenen Mitteln und eigenem Entschluss die Öffnung,
    zurück nach Serbien, haben ... und auch nutzen.

  • Antwort von Süddeutscher und gleich weg, Mittwoch, 19.April, 19:00 Uhr

    Auch wenn diese Migranten von den Verantwortlichen von Politik und Wirtschaft, NGOs, Realitätsverweigerer und Linken jeden Tag gefeiert werden:
    "Was die Flüchtlinge mit zu uns bringen, ist wertvoller als Gold.", so Martin Schulz (SPD-Kanzlerkandidat).
    Ich behaupte Sie zerstören uns Europa die Existenz, da sie kaum zu integrieren sind und dies auch ablehnen.
    Wenn man dutzende Länder durchzieht, weil man angeblich verfolgt ist und dann viele soziale Leistungen einfordert so ist dies extrem unglaubwürdig.
    Des Weiteren bemerkt man, wenn man nicht die Augen und Ohren verschliesst die fortschreitende Auflösung der Rechtstaatlichkeit, massive Verschlechterung der Lebensqualität durch Gewalt und Gesetzesverstöße, sowie Mißachtung unserer Umgangsformen.

Jasmin, Dienstag, 18.April, 21:41 Uhr

4. Man könnte allen armen und bedrohten in Afrika helfen, wenn man

wenn man alle Afrikaner in die EU holt und auf alle EU Länder verteilt.

  • Antwort von Claudi , Dienstag, 18.April, 22:01 Uhr

    Meine kleine Tochter sieht die vielen Afrikaner in der Stadt. Sie hat mich gefragt, wenn alle Afrikaner hier sind, ob wir dann nach Afrika zu den Giraffen und Elefanten umziehen könnten. Ich habe ihr gesagt, das geht nicht so schnell bis die tausend Millionen Afrikaner hier sind.

  • Antwort von Flüchtlingshelfer, Mittwoch, 19.April, 10:17 Uhr

    Claudi, mein Patenkind spielt mit den afrikanischen Kindern und sie
    lernen viel voneinander !
    Versuchen sie es mal.

  • Antwort von Raymond, Mittwoch, 19.April, 15:47 Uhr

    das kann nicht ernstgemeint sein ...das Ende des Asyls und der Sozialhilfe waere unmittelbar die Folge

  • Antwort von winfried, Mittwoch, 19.April, 17:14 Uhr

    @Jasmin ... Ich finde, im Gegensatz zu "Raymond", Ihr Beitrag "hat was".
    Wenn Afrika praktisch menschenleer ist, ist dort Freiraum für europäische Siedler entstanden. Insbesondere für deutsche.
    Aber halt !!! ... Wenn die Europäer, insbesondere die Deutschen, wegziehen, wer soll dann hier die "Neuen" versorgen ?
    --> Ich merke es selbst ... es ist ein dramatisches Dilemma.