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Behörden schlagen Alarm Kriminelle tarnen sich als Flüchtlinge

Seit Monaten mehren sich in Nordrhein-Westfalen die Klagen über kriminelle junge Männer, die zumeist aus Nordafrika stammen und sich als Flüchtlinge ausgeben. Ein geheimes Dokument des Verfassungsschutzes, das report München vorliegt, bestätigt die Beobachtungen.

Von: Ahmet Senyurt

Stand: 08.03.2016

Polizeieinsatz vor Flüchtlingsunterkunft | Bild: picture-alliance/dpa

Das Dokument stammt vom 20. Januar 2016. Es bestätigt die Beobachtungen von Lokalpolitikern und Flüchtlingshelfern. In dem Paper werden auf drei Seiten brisante Informationen zusammengefasst. Danach halten sich "vermehrt Nordafrikaner, insbesondere Algerier und Marokkaner, als Asylsuchende im Bereich Münster" auf. "Ein Großteil habe sich zuvor illegal in Frankreich und Belgien aufgehalten" und "der seitens der dortigen Sicherheitsbehörden aufgebaute Druck" habe die "Nordafrikaner" veranlasst, nach Deutschland auszuweichen.

Mehr dazu heute Abend in report München um 21:45 Uhr in der ARD

Innenminister von NRW bestätigt Dokument

Im Interview mit report München bestätigt der Innenminister von NRW, Ralf Jäger, die Inhalte des internen Verfassungsschutzpapiers.

"Deshalb gilt es hier in Deutschland den gleichen Druck auszuüben wie in Frankreich und Belgien. Klar muss sein: Diejenigen, die herkommen, ohne dass sie Anspruch auf Schutz haben, müssen in ihre Herkunftsländer zurückkehren."

Ralf Jäger, SPD, Innenminister NRW

Flüchtlingshelfer sind schockiert

In Münster sind Lokalpolitiker und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer schockiert. Babette Lichtenstein van Lengerich arbeitet ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe Münster-Ost, einer kirchlichen Einrichtung mit Hunderten ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in Münster sechs Flüchtlingsheime betreibt. Sie kritisiert, dass sie die Inhalte des Verfassungsschutz-Dokuments nicht kennt.

"Dann hat das zur Folge, dass das ein ganz großer Vertrauensmissbrauch ist. Und das gefährdet die Arbeit des Ehrenamts in Münster."

Babette Lichtenstein van Lengerich

Kein neues Problem in NRW

Auch Stefan Leschniok, CDU-Ratsherr in Münster, hält die Tatsache, dass solche Informationen nicht in den Kommunen kommuniziert werden, für einen Skandal. Eine solche Politik des NRW-Innenministerium sei kontraproduktiv und untergrabe die Integration.

Recherchen von report München zeigen zudem: Wirtschaftsflüchtlinge aus Marokko und Algerien, die sich mit kriminellen Aktivitäten ihren Lebensunterhalt verdienen, stellen in NRW kein neues Problem dar. Bereits im Oktober 2014 war das ein Thema im Innenausschuss des NRW-Landtages.

Erst nach den Gewaltexzessen der Silvesternacht 2016 habe sich die Landesregierung des Themas konsequent angenommen, sagt der FDP-Politiker Joachim Stamp. Der Innenexperte hatte schon 2014 auf die Problemgruppe "Nordafrikaner" im Landtag aufmerksam gemacht; Stamp beklagt, dass die Regierungsparteien das Thema immer wieder heruntergespielt hätten.


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