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Illegale Migranten in Raubling Auf der Flucht im Güterzug

Es kommen wieder mehr Flüchtlinge nach Bayern. Vor allem junge Männer aus Afrika nutzen gerne Güterzüge als Transportmittel und gehen dabei hohe Risiken ein. Bei einer Kontrolle in Raubling suchte die Bundespolizei nach solchen illegalen Mitreisenden. Simon Emmerlich hat die Beamten begleitet.

Von: Simon Emmerlich

Stand: 28.07.2017

Kontrolle Flüchtlinge Güterzüge - Nachschau | Bild: BR/Simon Emmerich

Helle Scheinwerfer erleuchten den Gleisbereich am Bahnhof in Raubling, nahe der Grenze zu Österreich. Am Himmel kreist ein Hubschrauber über den Güterzügen die aus Italien ankommen. Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizei, erklärt, warum die Unterstützung aus der Luft so wichtig ist:

"Von der Grenze ab schaut ein Hubschrauber aus der Luft mit der Wärmebildkamera, ob Migranten schon auf einem Zug erkennbar sind. Das würde dann hier der Einsatzleitung vorgemeldet und wir können dann hier diese Migranten gezielt von dem Güterzug herunternehmen."

Rainer Scharf, Pressesprecher Bundespolizei

Außerdem steht der Helikopter bereit, falls Flüchtlinge plötzlich vom Zug springen und fliehen wollen.

Mit Taschenlampe und Endoskop

Kurz nach vier Uhr früh, der erste Güterzug aus Italien rollt ein. Beladen ist er hauptsächlich mit LKW-Anhängern, die so über den Brenner transportiert werden: Stehen die teilweise 800 Meter langen Züge, kontrollieren die Beamten mit Taschenlampen, Spiegeln und sogar Endoskopen.

"Da gibt es kleine Hohlräume, in denen man sich verbergen kann, teilweise auch auf Höhe der Radstände, und da muss man sich teilweise schon hinknien und hinlegen, um in diese Hohlräume reinleuchten zu können. Natürlich ist eine solche Art zu reisen lebensgefährlich, das ist klar. Zu nah am Boden, bei hohen Zuggeschwindigkeiten, da besteht Lebensgefahr."

Rainer Scharf, Pressesprecher Bundespolizei

Immer mehr Aufgriffe

Erst im Juni starb bei Großkarolinenfeld im Landkreis Rosenheim ein Flüchtling, weil er von einem Güterzug gefallen war. Trotzdem steigen die Zahlen der Flüchtlinge, die mit Güterzügen über die Grenze kommen. Im ersten Halbjahr waren es in Rosenheim insgesamt 20 Aufgriffe, jetzt im Juli allein schon über 80. Über die Gründe kann auch die Bundespolizei nur spekulieren – warmes Wetter und die geschlossene Balkanroute könnten Motive sein, die vor allem junge, alleinreisende Afrikaner zu der gefährlichen Reise bewegen.

"Entweder es ist den Migranten nicht bewusst oder sie nehmen es tatsächlich bewusst in Kauf, sich in eine solche Gefahr zu begeben."

Rainer Scharf, Pressesprecher Bundespolizei

Geknickte Pendler

Auch die Pendler in Raubling sind betroffen, der Bahnsteig ist gesperrt, sie müssen während der Kontrolle in der Unterführung bleiben – viele empfinden das als Belastung, haben teils aber auch Verständnis:

"Nervig ist eigentlich, dasss man keine Information kriegt, wann geht es weiter, oder rechtzeitig informiert wird, dass was ist, damit man sich rechtzeitig anderweitig orientieren kann. | Wenn ständig der Zug zu spät kommt, ist natürlich ein bisschen eine geknickte Stimmung, aber was muss, das muss."

Pendler In Raubling

Nigerianer unterm Zug

Kurz vor acht Uhr fährt ein Güterzug aus dem italienischen Bozen ein. Plötzlich die Meldung: Person im hinteren Zugbereich. Eine Beamtin bückt sich auf den Boden und leuchtet mit der Taschenlampe unter den LKW-Auflieger. Dann die Überraschung: Zwei junge Männer aus Nigeria haben sich auf dem Zug versteckt.

"Man hat gesehen, die Migranten waren in keinem physisch guten Zustand. Sie sehen erschöpft aus, sind auch nur mit Hose und Sweatshirt bekleidet. Die sind mit Sicherheit durchgefroren, es war heute Nacht nicht sehr warm und wir werden sie jetzt erst mal zu uns bringen in ein Zelt und von da aus dann weiter zur Dienststelle, wo sie dann auch einem mediizinischen Screening unterzogen werden können."

Rainer Scharf, Pressesprecher Bundespolizei

Wie ihre Zukunft aussieht und ob sie hier Asyl beantragen können ist völlig offen. Sicher ist nur: Die Schwerpunktkontrollen und die damit verbundenen Einschränkungen für die Bevölkerung – sie werden weiter nötig sein.


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