6

Blatter-Nachfolge Wen wählt die Fifa zu ihrem Präsidenten?

Am Freitag wird in einem der größten Verbände der Welt gewählt: Die Fifa ermittelt einen neuen Präsidenten, den Nachfolger des wegen Korruption gesperrten Joseph Blatter. Die Wahl wird mit Spannung erwartet.

Stand: 24.02.2016

Beleuchtetes Fifa Logo am Fifa Hauptquartier in Zürich | Bild: picture-alliance/dpa

Seit Jahren ist der Weltfußballverband in einen Skandal nach dem anderen verwickelt. Der neue Mann an der Spitze soll es nun richten. Doch er kann es nicht allein. Nun stellt sich die Frage: Ist die Fifa überhaupt in der Lage und willens, sich von Grund auf zu reformieren?

"Also jetzt in diesem spezifischen Fall von der Ethikkommission sehe ich mich wirklich als Opfer. Denn was die Beweggründe sind wie man mich jetzt da hinauskomplementiert die halten nicht fest, das kann ich nicht akzeptieren."

Joseph 'Sepp' Blatter

Einige Tage vor der Wahl hat das Fifa-Exekutivkomitee die Mitglieder des Fußball-Weltverbandes eindringlich zur Annahme des Reformpakets beim außerordentlichen Kongress am Freitag aufgefordert. "Die Augen der Welt sind in dieser Woche auf uns gerichtet nach einer der herausforderndsten Zeiten unserer Geschichte", äußerte Fifa-Interimschef Issa Hayatou nach der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich.

Ungeklärte Millionenzahlung

Als Opfer sehen Joseph Blatter nur wenige. Der langjährige Präsident wurde im Dezember 2015 von der Ethikkommission der Fifa für acht Jahre gesperrt. Grund: Er konnte eine Millionenzahlung an UEFA-Chef Michel Platini nicht schlüssig erklären. Doch bis die Fifa-Ethikkommission ihre Compliance anwendete, dauerte es Jahre.

Wer tritt zur Wahl an?

Es gibt zwei Favoriten und drei Zählkandidaten. Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa (Bahrain) oder UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino (Schweiz) werden die Fifa künftig führen. Prinz Ali bin al-Hussein (Jordanien), Jérôme Champagne (Frankreich) und Tokyo Sexwale (Südafrika) dürfen höchstens auf ein paar Stimmen hoffen. Sie werden dadurch aber zu den Präsidentenmachern. Ab dem zweiten Wahlgang fliegt der Schwächste raus. Dessen Wähler können dann umschwenken.

Die fünf Kandidaten

Compliance, also das Überprüfen von selbstgesteckten Verhaltensregeln und Geschäftsgebaren, war in der Fifa lange ein Fremdwort. Zu gut liefen die Geschäfte nebenher. Zum Beispiel mit der Firma ILS. Die hatte sich auf die Vermarktung von Sportfernsehrechten konzentriert. Um diese von der Fifa zu bekommen schmierte sie Funktionäre mit Millionen. Wie sehr, das legte der ehemalige ILS-Manager Rino Büchel in einem ARD-Interview dar.

"Es war ziemlich die höchste Stufe an Korruptionskunst. Wenn es sowas gibt. Es gab alle Möglichkeiten. Dutzende Briefkasten Firmen verteilt in verschiedenen Steuerparadiesen. Schwarze Koffer voller Geld, mit fünf, sechs Millionen Schweizer Franken drin."

Rino Büchel ILS Manager

Chronologie des FIFA-Skandals

Konkurs und Korruption

2001 ging die ILS Konkurs und die Korruption von Fifa Funktionären kam ans Tageslicht. Doch gestört hat das beim Fußballverband kaum jemand. Es folgten weitere Skandale. Doch kaum einer brachte das Fifa Imperium ins Wanken. 2006 wurde dann eine neue Ethikkommission gegründet. Die war aber mehr Schein als Sein. Doch 2011 kurz vor Blatters Wiederwahl tauchten neue Korruptionsvorwürfe auf.

Erst FBI-Ermittlungen zeigen Wirkung

Der Vorwurf: Die Fifa-WM-Vergaben nach Russland und Katar soll von beiden Ländern gekauft worden sein soll. Der Druck auf Blatter stieg und er reformierte die Ethikkommission. Die bekam nun einen Ermittler. Den ehemaligen US-Staatsanwalt Michael Garcia. Und einen Richter: den Münchner Juristen Hans Joachim Eckert.

Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph "Sepp" Blatter, am 02. Dezember 2010 in Zürich bei der Vergabe für die Fußball-WM 2022 an Katar.

Doch zwischen den beiden kam es zum Zerwürfnis. Eckert sah keine Probleme bei den Vergaben der Turniere 2018 und 2022. Ermittler Garcia schon und trat zurück.

Erst mit den Ermittlungen der amerikanischen Bundesbehörde FBI wurde der Druck für die Fifa zu groß. Nach diversen Festnahmen von Funktionären und der Sperre des eigenen Präsidenten möchte die Fifa nun ihre Strukturen ändern. Gibt’s also Selbstheilung bei der Fifa? Vielleicht, meint Sylvia Schenk von Transparency International.

"Die Frage ist, schaffen die das, dieses Dreieck, das ich als wesentlich ansehe, hinzubekommen. Einerseits die richtige Person - und da geht’s nicht nur um eine Person, also nicht nur den Präsidenten. Die richtigen Strukturen und dann aber auch, und das braucht am längsten, die richtige Organisationskultur. Da hat die Fifa noch einiges zu tun. Aber die Voraussetzungen sind momentan relativ gut."

Sylvia Schenk, Transparency International Deutschland, Leiterin Arbeitsgruppe Sport

Debatte über Ausweitung der WM

Die Kandidaten für die FIFA-Präsidentschaft setzen in ihren Wahlprogrammen mehrheitlich auf eine Ausweitung der Fußball-Weltmeisterschaft. Einzig Außenseiter Jérôme Champagne sprach sich in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dafür aus, das WM-Teilnehmerfeld bei 32 Nationen zu belassen. Mitfavorit Gianni Infantino und Prinz Ali bin al-Hussein plädieren dafür, dass mehr Länder beim Weltturnier starten dürfen. Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa lehnt eine Ausweitung zumindest nicht ab.


6