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Skisport contra Naturschutz Wenn es Nacht wird am Hirschberg

Der Tag geht - und der Tourengeher kommt: Seit Jahren gibt es jeden Donnerstagabend am Hirschberg Nacht-Skitouren. Nun kann man dazu einfach in München in den Bus steigen. Schon länger und noch immer sorgt dieses Angebot im Tegernseer Tal allerdings für Diskussionen. Denn Naturschützer bangen um die sensiblen Wildtierbestände.

Von: Georg Bayerle

Stand: 13.01.2017

Skitourenbus zum Hirschberg | Bild: BR

Zum Empfang der Münchner Feierabendtruppe am Hirschberg hatten sich nicht nur Tourismuschef und Skischulleiter eingefunden, sondern auch Marco Müller, Gebietsbetreuer im Mangfallgebirge. Er will sehen, sagt er, wieviele Leute es sind und wo sie hingehen; ob sie einfach nur die Piste hochgehen oder weiter zum Gipfel.

Begeisterung bei den Busfahrern

Seit drei Jahren ist der Donnerstag der Tourengeher-Abend, wo die Piste erst nach 22 Uhr präpariert wird. Und jetzt also kommt eine Busladung Münchner. Umweltfreundlich angereist und in Vorfreude.

"Man kann normal arbeiten gehen, hat einen vollen Arbeitstag und geht abends noch sich austoben. Ich finde das Konzept megageil!"

Tourengeher

"Ich mache Skitouren noch nicht so lange, also ich habe erst letztes Jahr angefangen und fühle mich dann einfach in der Gruppe wohler - vor allem, wenn es dunkel ist."

Tourengeherin

Die Nacht am Berg

Hier die Feierabend-Sportler, dort die Birkhühner und andere Wildtiere in ihrem winterlichen Extremlebensraum. Albert Meier, Leiter der Skischule Tegernsee hofft, dass das zusammenpasst. Denn man würde sich einfach freuen, wenn sich die Leute sportlich betätigen und an die frische Luft rausgehen - natürlich umweltverträglich.

Auf der Piste verteilen sich die 20 Tourengeher aus München dann recht schnell und nach dem zackigen Steilhang haben die Allermeisten genug Workout gehabt. An den Rauheckalmen, wo die Tour nach 700 Höhenmetern in der Nacht zu Ende ist, ist nur eine Gruppe Einheimischer angekommen.

"Ja, ich meine, das ist einfach einmalig, dass man einfach ohne viele Menschen diese Ruhe genießt, die Landschaft genießt, also, das ist einfach fantastisch. Und endlich haben wir wieder mal Schnee, die letzten Jahre war ja die Chance überhaupt nicht gegeben – es wird mit Sicherheit eine schöne Abfahrt."

Einheimischer

Entspannung in der Hütte

Die Männergruppe vom Skiclub Kreuth fürchtet vor allem, dass ein möglicher Ansturm auf den Hirschberg Einschränkungen nach sich zieht. Das Liftstüberl ist mit rund 40 Leuten dann jedenfalls gut gefüllt. Die Münchner Afterworker sind happy: Gut sei's gewesen, sehr gut, mega das Erlebnis!

Bewusstsein für die Natur entwickeln

Marco Müller, der Gebietsbetreuer des Landkreises Miesbach will erstmal abwarten, wie sich der Donnnerstagabend jetzt entwickelt. Er kritisiert auf jeden Fall die rein spaßorientierte Werbung.

"Eine große Problematik, die wir haben im Naturschutz ist einfach die offensive Vermarktung – es gibt so das Nachtspektakel zum Beispiel von einer Skifirma oder Afterwork-Skitouren – man muss den Leuten, wenn man so eine Veranstaltung macht, einfach aufzeigen, in welchem Lebensraum sie sich aufhalten, wie man sich aufhält."

Marco Müller, Gebietsbetreuer des Landkreises Miesbach

Denn jeder, der in den sensiblen Bereichen der winterlichen Berge unterwegs ist, muss etwas über das Wie und Warum wissen. Der Deutsche Alpenverein hat wie überall in den bayerischen Alpen auch am Hirschberg genaue Naturschutzregeln ausgearbeitet. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die verschiedenen Seiten auf dieser Grundlage zusammenfinden.


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Uli, Dienstag, 17.Januar, 11:23 Uhr

7. Wenn es Nacht wird am Hirschberg

Unfassbar! Können die Menschen den Tieren nicht einmal nachts Ruhe gönnen. Ich frage mich, was die Tourengeher machen würden, wenn des Nachts sich Wildschweine in ihrem Wohnzimmer austoben würden! Der Egozentrismus der Menschen scheint leider keinerlei Grenzen zu kennen.

Anton von Berg am Laim, Montag, 16.Januar, 11:21 Uhr

6. Nacht-Schitouren

Vielleicht traut sich ja die/der Eine oder Andere nur in der Nacht auf die Piste, des unästhetischen Fahrstils wegen...
Im übrigen erschließt sich mir die Sinnhaftigkeit dieses Tuns nicht so recht. Nächtens sollte die/ der strebsame Angestellte sich nach einem vollen Arbeitstag doch eher erholen als sich austoben, um am nächsten Tag wieder leistungsfähig zu sein. Es kann ja auch Sport im Verein in einer beleuchteten Halle sein. Aber nächtlichen Outdoorsport zu betreiben? Und wer noch nicht so erfahren ist im Tourengehen, tut sich womöglich bei Tageslicht sogar leichter. Wobei erwiesen ist, dass gerade im Winter das Licht gesundheitsfördernd ist. Und dass unsere Natur nicht nur Sportplatz ist, sondern ein hochsensibles ökologisches System, das in hohen Maße die Grundlage unseres Lebens ist, spricht sich auch nur langsam herum.

Trueteam, Freitag, 13.Januar, 20:12 Uhr

5. Wenn es Nacht wird auf dem Hirschberg

Es ist wirklich Schade wie eine Gruppe im Tegernseer Tal um die Skischule Tegernsee, Münchner anwirbt um letzendlich die Natur am Hirschberg zustören. Hat Geldgier keine Grenzen???

WE, Freitag, 13.Januar, 19:37 Uhr

4. Warum diese Aufregung

ein Bus mit Stadterern bringt ein paar Tourengeher ins Tegernseer-Tal, die über die Piste zu den geöffneten Hütten aufsteigen, die Leuten kehren ein, essen und trinken a' bißl was in der Runde mit Gleichgesinnten, fahren über die Piste wieder ab und kehren zufrieden wieder heim. Was soll da der Natur schaden, erst wenn die weg sind kommen die Pistenraupen - kleiner Unterschied.

WE

Christoph, Freitag, 13.Januar, 17:32 Uhr

3. Funfaktor

müssen wir immer noch Eins drauf geben?
Ist es nicht schon genug, daß Mountenbiker unsere Wälder, Berge und Wanderwege "unsicher" machen?
Afterwork Skitouren, geil, damit kann Mann/Frau noch eins drauf geben und (zweifelhaft) profilieren!
Wie wäre es, wenn Ihr Euch im Beruf austobt?
Hat die Natur denn kein Recht auf Erholung und Frieden?

  • Antwort von Arnold Zimprich, Montag, 16.Januar, 10:40 Uhr

    Im Beruf austoben - dass ich nicht lache. Leider bringt es die moderne Berufswelt mit sich, dass 40h-Bürowochen für eine breite Masse an Berufstätigen zum (traurigen) Alltag gehören. Der Ausgleich soll und darf in sportlichen Betätigungen gesucht werden. Weit besser, als sich am Stammtisch in Wirtshäusern die Leber zu ruinieren.