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Zwischen Mut und Demut Die FDP plant ihr Comeback im Bund

Nach drei Landtagswahlen im Plus hat die FDP nur noch ein Ziel: das "Comeback im Bund", also die Rückkehr in den Bundestag. Sogar über eine Regierungsbeteiligung denkt die Parteispitze nach, aber nur "ohne faule Kompromisse".

Von: Andrea Herrmann

Stand: 21.05.2017

FDP Parteitag | Bild: picture alliance / Monika Skolimowska/dpa

Die FDP ist eine "One-Man-Show" - wie oft hat sich FDP-Chef Christian Lindner über diesen Spruch schon aufgeregt. Und doch ist er der Frontmann, der im Rampenlicht steht und dem die Partei ihren Erfolg verdankt. Sagenhafte 12,6 Prozent der Stimmen holte Lindner bei der Wahl in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen.

FDP-Chef Christian Lindner nach der NRW-Wahl

"Ich bin fest davon überzeigt, die haben FDP gewählt wegen eines politischen Wechsels in Düsseldorf, aber vor allem auch, weil sei ausdrücklich die Freien Demokraten stärken wollten wegen unseres Comebacks im Bund. Ich fühle mich also ausdrücklich bestätigt und bestärkt."

Christian Lindner, FDP-Parteivorsitzender

Christian Lindner: Lieber Opposition als faule Kompromisse

Berlin ist sein Ziel, die Rückkehr in den Bundestag. Doch nicht um jeden Preis. Wo immer Christian Lindner ein Mikrofon sieht, betont er die politische Eigenständigkeit der Freien Demokraten. Nein, diese Partei gebe es nicht zum Null-Tarif und schon gar nicht als Mehrheitsbeschaffer, sagt er.

"Notfalls treiben wir eine Regierung aus der Oppositionsrolle heraus, als faule Kompromisse einzugehen."

Christian Lindner, FDP-Parteichef

Frontmann und Hoffnungsträger der FDP: Christian Lindner, 39

Klar ist, Christian Lindner wird nach Berlin gehen, sollte die FDP das Comeback im Bund schaffen. Die Partei braucht die besten Leute in der Hauptstadt, und dazu gehört Lindner ohne Zweifel. Der 39-Jährige gilt als klug und durchsetzungsstark, kein Messias, aber ein Mann mit einem guten politischen Gespür. Der Rauswurf der FDP aus dem Bundestag 2013 war - wie Lindner selber sagt - einer der Tiefpunkte seines Lebens.

"Die FDP hat hart an sich gearbeitet, hat sich befreit von Opportunismus und Ängstlichkeit. Wir sagen, was wir denken. Und das kommt bei vielen eben an, diese Klarheit und eben auch diese Bereitschaft, einmal Funken schlagen zu lassen."

Christian Lindner, FDP

Mehr als 3.500 Neueintritte verzeichnete die FDP in den vergangenen Monaten. Jeder einzelne zählt, mit seinen Ideen, seinem Mut und seiner Kraft - das war die Botschaft von Lindner und Generalsekretärin Nicola Beer auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin.

"Wir sind ja so etwas wie das Start-up-Unternehmen der deutschen Politik, eine wirkliche Graswurzelbewegung, nur mit einer Mannschaft von jetzt gut 56.000 Mitgliedern, die hoch motiviert sind."

Nicola Beer, FDP-Generalsekretärin

Der neue Ton der FDP: Selbstbewusst in Verbindung mit Demut

Inhaltlich haben sich die Liberalen mit ihrem Schwerpunktthema Bildung geschickt positioniert. Bessere Bildung für alle, mehr Chancengerechtigkeit: dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden. Und wohl auch nicht gegen den Ausbau der Digitalisierung. Auch altbekannte FDP-Themen wie mehr Wettbewerb und Förderung von Eliten, weniger Steuern und weniger Staat finden sich im Wahlprogramm. Allerdings viel weiter hinten.

FDP: Neue Themen, neuer Ton

Die neue FDP achtet offenbar penibel darauf, nicht mit der Klientel-Partei aus früheren Zeiten in einen Topf geworfen zu werden: Soziale Kälte, Arroganz und Zerstrittenheit - das war gestern. Geschlossen, zupackend und vernünftig - so möchte die FDP von heute wahrgenommen werden. Und dazu passt der neue Ton.

"Selbstbewusstsein in der Sache in Verbindung mit Demut, das nenne ich Souveränität. Und daran wollen wir festhalten."

Christian Lindner, FDP

Wählerwanderung: Von SPD und Grünen zu den Liberalen

Auf jeden Fall fährt die FDP gut damit. Das zeigen die jüngsten Wahlen in NRW und Schleswig-Holstein. Besonders bitter für die politische Konkurrenz, die FDP scheint wieder attraktiv zu sein für Anhänger von SPD und Grünen. Viele von ihnen machten ihr Kreuzchen bei den Liberalen. Und das könnte auch bei der Bundestagswahl am 24. September der Fall sein. Umfragen sehen die FDP bei 8 Prozent.

Damit wären sie wieder drin, die Liberalen und Christian Lindner wäre am Ziel. 

"In jedem Fall ziehe ich es vor einflussloser Abgeordneter der Opposition im Bundestag zu sein, als stellvertretender Ministerpräsident in Düsseldorf."

Christian Lindner, FDP


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Captian Poon, Sonntag, 21.Mai, 16:40 Uhr

17. Mehrheitsbeschaffer.

Ich bin doch nicht naiv und wähle FDP.
Die FDP wird sich nur wiedereinmal als Mehrheitsbeschaffer für - egal egal egal wen verdingen.

  • Antwort von Haderner, Sonntag, 21.Mai, 18:01 Uhr

    Was hat Oliver Welke gesagt: chronische Wählerdemenz.

Linkswähler, Sonntag, 21.Mai, 16:36 Uhr

16.

@Kommentar 14: Sie haben Recht rot-rot-grün ist ein NO GO.
Nur noch rot-rot, würde eine echte Änderung bringen.
Die Grünen sind in der Zwischenzeit schon konservativer geworden als die CSU.

Rotter, Sonntag, 21.Mai, 16:32 Uhr

15.

Die FDP eine Partei die zurecht von der Bildfläche verschwunden war. Da hat sogar die Bevölkerung damals gemerkt das z. B. nur Hotelbesitzer gefördert wurden. Nach den Jahren in denen die FDP in der Versenkung abgetaucht war, haben die Einwohner von D aber wahrscheinlich wieder vergessen.
Natürlich muß die FDP nun in aller Munde sein, den ohne die FDP ist die CDU,CSU weg.
Klar, daß nun die FDP ein Senkrechtstarter sein soll. Eventuell glaubt es auch noch der Eine oder Andere!?
Ich persönlich habe ohne die FDP nichts vermißt, jedenfalls nichts gutes.

EMGI, Sonntag, 21.Mai, 14:56 Uhr

14. Viel zu tun

Es gäbe viel zu tun für die FDP. Aber außer ein paar Stichen wird sie nichts setzen können. Hoffentlich kommen wenigstens die. Trotzedem besser als eine rot-rot-grün versiffte Melange aus leistungsfeindlichen Gedanken, die nicht von dieser Welt sind. Weg mit einer GroKO, siehe Österreich. Jede Stelle drei Mal besetzt: ein Schwarzer, ein Roter und einer der die Arbeit machen soll. Die AfD reicht für die Reden. Da fragt man sich wie das abläuft. Sitzt eh kaum ein Abgeorndeter im Bundestag in den Sitzungen, gehen dann die paar auch raus, wenn die AfD redet oder wird dann iPad und iPhone zusammen bedient?

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 21.Mai, 15:41 Uhr

    Nur (...) Polemik,ohne jeden Bezug zur Realität. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

Mary, Sonntag, 21.Mai, 14:41 Uhr

13. Programmatisch breiter aufgestellt, klar in Aussage und Handeln

Christian Lindner macht es genau richtig, um die in allen Parlamenten dringend benötigte liberale Politik zurück zu bringen. Mir gefällt u.a. an der FDP die Abwesenheit von ideologischen und religiösen Denkens. Für mich sollen Politikerinnen und Politiker vernunftgeleitet gute Politik für alle gesellschaftlichen Gruppen machen. Hierzu gehört in erster Linie auch die Schaffung von Arbeitsplätzen zu annehmbaren Bedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch das Eintreten für die Beibehaltung der Wahlfreiheit hinsichtlich der persönlichen Gesundheitsvorsorge ist für mich ausschlaggebend bei meinen Wahlentscheidungen. Auch persönliche Freiheit ist eins der kostbarsten Güter!

  • Antwort von Barbara, Sonntag, 21.Mai, 15:36 Uhr

    Ohne Gott ist halt alles Spott! Welche Werte will denn die FDP vermitteln, wenn sie sich nicht an christlichen Werten orientiert? Wenn das Geld der absolute Wert ist, dann kann auch schnell wieder alles zusammenbrechen! Freiheit hört immer dort auf, wo die Sünde anfängt!

  • Antwort von Mary, Sonntag, 21.Mai, 17:57 Uhr

    @Barbara: Ihren Ausführungen bin ich absolut nicht abgeneigt, da ich praktizierende Katholikin bin. Allerdings bin ich der Meinung, dass Religionsausübung staatlich garantierte Privatangelegenheit bleiben sollte. Für die Politik und Staatlichkeit sollten m.E. die Werte der Aufklärung und demokratischen Rechtsstaatlichkeit gelten. Geld und Materielles sind natürlich keine absoluten Werte, aber ohne einen gewissen rechtmäßig zu erwerbenden Wohlstand für alle Bürger dürfte es schwierig sein, staatliche Ordnung, Sicherheit und Freiheit zu gewährleisten. Sowohl zu viel Reichtum als auch bittere Armut und Rechtlosigkeit können einem gottgefälligen Leben entgegenstehen. Die ausgewogene Mitte bringst!