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Familienpaten Wenn die Oma fehlt

Wenn beide Eltern berufstätig sind, bleibt kaum Zeit für die Kinder. Wird dann noch ein Kind krank, sind viele Familien überfordert. Seit nunmehr fünf Jahren gibt es aber Unterstützung: von sogenannten Familienpaten. Ein Beispiel aus Passau.

Von: Julia Grantner

Stand: 03.01.2017

Familienpaten | Bild: picture-alliance/dpa/Marc Tirl

Es sieht aus wie der Ausflug einer Großmutter mit ihren Enkelinnen – so vertraut und ausgelassen, wie alle zusammen spielen. Während Melisa zählt, verstecken sich ihre Schwester Mirela und die ältere Dame mit den kurzen, grauen Haaren. Doch die 66-Jährige ist nicht etwa die Oma der beiden, sie ist nicht einmal mit ihnen verwandt. Ulrike Walther ist ihre Familienpatin.

"Ich helfe gerne, weil ich selber davon profitiere und zweitens, wenn ich in diese glücklichen Gesichter sehe, dass die Kinder sich wohlfühlen, dass sie rumspringen… ich werde das machen, bis sie auf einem guten Weg sind und ich werde immer für sie da sein."

Familienpatin Ulrike Walther

Ulrike Walther hat selbst drei Kinder groß gezogen und weiß, was schwierige Zeiten bedeuten. Auch Familie Bajraktari-Zech durchlebt sie gerade und suchte deshalb Unterstützung. Denn eine der vier Töchter ist herzkrank: Die zweijährige Medina hat den Großteil ihres Lebens im Krankenhaus in Großhadern verbracht, angeschlossen an ein externes Kunstherz. Für die Familie eine unglaubliche Belastung.

"Medina hat uns sehr viel gekostet…Nicht nur mit dem Geld, Auch psychisch. Wir waren alleine die ganze Zeit; wir hatten niemanden zum Reden darüber, was man weiter machen kann und wie geht´s weiter mit anderen Kindern?"

Mutter Milli Bajraktari-Zech

Während die schwerkranke Medina 17 Monate lang im Krankenhaus bleiben muss, bekommt die Mutter Milli Bajraktari-Zech ihre vierte Tochter. Trotzdem fährt die Familie fast täglich aus Passau nach München - manchmal mitten in der Nacht. Für die älteren Schwestern Melisa und Mirela bleibt wenig Zeit: Sie sind nur selten im Kindergarten. Und sogar ihren Geburtstag wollen sie nicht feiern.

Familienpaten setzen da an, wo Familien selbst nicht mehr weiter wissen

Eine große Hilfe in dieser Zeit und bis heute: Familienpatin Ulrike Walther: Ein- bis zweimal die Woche kommt sie vorbei - packt an, wo sie kann. Alles ehrenamtlich.

"Dann ist es schön, einer Familie in einer so schwierigen Situation zu helfen. Denn wenn man ein Kind hat, um das man sich so viel Sorgen macht und noch ein Baby dazu - Das ist schon eine große Herausforderung."

Familienpatin Ulrike Walther

Von einem geregelten Leben ist die Familie weit entfernt. Nicht nur Zeit, auch das Geld ist knapp - Vater Berat hat wegen seiner herzkranken Tochter den Job als Automechaniker verloren. Doch auch hier hilft die Familienpatin – heute hat sie gebrauchte Winterkleidung für die Mädchen dabei.

Familien können sich melden, wenn sie Unterstützung brauchen  

Familienpaten wie Ulrike Walther gibt es in ganz Bayern – mittlerweile hat das „Netzwerk Familienpaten Bayern“ über 800 Ehrenamtliche geschult. Seit der Gründung vor fünf Jahren konnte so über 1.000 Familien geholfen werden. Kostenlos!

Während Mutter Milli das Baby stillt, spielt Ulrike Walther mit den drei älteren Töchtern. Mittlerweile ist auch die herzkranke Medina dabei – vor drei Monaten wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen.


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